Auf Beutezug

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Lollar (con). Auf einem wahren Beutezug durch Lollar waren Ende April zwei junge Männer aus Algerien unterwegs. Ihr Ziel war offenkundig: Sie wollten Wertgegenstände stehlen, mit deren Verkauf sie ihren Lebensunterhalt bestreiten wollten. Gleich mehrere Straftaten sollen auf ihr Konto gehen. So sollen sie in ein Wohnmobil, ins Cafe Milano, in einen abgestellten Ford Transit und ins Postlager in der Justus-Kilian-Straße eingestiegen sein.

Der 30-jährige K. und der 23-jährige F. mussten sich deshalb nun vor einem Schöffengericht am Amtsgericht Gießen verantworten und wurden jeweils zu einer Haftstrafe von 14 Monaten verurteilt.

Vor Gericht zeigte sich das Duo durchaus kooperativ und bestätigte zumindest in zwei Fällen die Vorwürfe. In der Nacht des 20. April schlugen sie eine Fensterscheibe des Cafe Milano ein und gelangten so in das Gebäudeinnere. Hier blieb es jedoch bei einem versuchten, besonders schweren Diebstahl - Beute fanden sie nämlich keine. Sie entwendeten lediglich einige ungültige Rubbellose. Einige Stunden später schlugen sie dann die Fensterscheibe eines Ford Transit ein und nahmen eine Sportmedaille, einen Ring und eine Kette mit.

Bei den anderen beiden Taten sah die Beweislage allerdings anders aus. Zwischen dem 19. und 21. April sollen die beiden Männer in ein abgestelltes Wohnmobil eingebrochen sein - doch dies ließ sich nicht zweifelsfrei nachweisen. Zwar wurden bei K. Teile des Diebesguts gefunden, nicht aber die wertvollen Beutestücke, die fehlten. Doch sowohl die zeitliche Nähe zu den anderen Taten als auch eine leere Packung Bonbons, die am Tatort sichergestellt wurde, wurden als Indizien angeführt. F. nämlich hatte beim Aufgreifen durch die Polizei am Morgen des 21. April dieselben Bonbons dabei. Eine sonderlich klare Beweislage war dies allerdings nicht.

Auch beim Einbruch ins Postlager war die Beweislage dünn: Es gab zwar einen Fußabdruck, der K. zugeordnet werden konnte. Doch auch für diese Tat gab es keine Zeugen. Und die beiden zur Tatzeit berauschten und unter Alkoholeinfluss stehenden Männer hatten nach eigenen Angaben keine Erinnerungen mehr an diese beiden Diebstähle.

Wie wenig sie sich aus Polizeipräsenz machen, verdeutlicht eine Episode aus der Tatnacht. Anwohner hatten bemerkt, wie sie sich am Ford zu schaffen machten und die Polizei verständigt. Das Duo wurde dann auch in den frühen Morgenstunden des 21. April am Bahnhof Lollar aufgegriffen und durchsucht. Die Beamten fanden jedoch kein Diebesgut und ließen es wieder laufen. Die Männer nahmen dann kurzerhand den Zug nach Marburg und begingen dort einen weiteren Diebstahl. Auf dem Rückweg wurden K. und F. am Bahnhof Gießen kontrolliert. Diesmal wurde der entwendete Schmuck aus dem Ford gefunden.

»Es war wie ein Marathonlauf - sie hatten kein Einsehen in ihr unrechtes Handeln, selbst nachdem die Polizei sie erstmals gestoppt hat, haben sie einfach weitergemacht«, erklärte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Für die Vorsitzende Richterin Sonja Robe jedenfalls war klar: Mit allen Taten wollten die beiden Männer ihren Lebensunterhalt bestreiten. »Anders ließ sich das Geld für den Drogenkonsum wohl auch nicht verdienen.« Robe sagte, auch in Zukunft seien weitere Straftaten von ihnen zu erwarten. »Eine günstige Sozialprognose kann man bei ihnen nicht stellen.«

Beide Angeklagte sind bereits einschlägig vorbestraft. Für die Tat in Marburg verbüßt K. eine neunmonatige Haftstrafe, für F. steht das Urteil für diese Tat noch aus. Mit der nun verhängten 14-monatigen Freiheitsstrafe wird eine Gesamtstrafe gebildet. Beide Männer sollen zudem eventuell aus Deutschland abgeschoben werden. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch K. erklärten einen Verzicht auf weiteres Rechtsmittel - bei F. steht dies noch aus.

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