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Die Kita Odenhausen wäre ein Denkmodell für die Einrichtung einer Waldkindergartengruppe in Lollar. Sie könnte bei extremem Schlechtwetter als Notunterkunft für eine Wald-Kita dienen.

Bekommt Lollar eine Wald-Kita?

  • VonVolker Heller
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Lollar (vh). Waldkindergärten sind noch in Mode, aber Naturkindergärten anscheinend der letzte Schrei. Die Gefahr durch morsche Äste in kränkelnden Baumkronen haben den pädagogischen Blick geöffnet für Natur im Allgemeinen. Die CDU-Fraktion hatte vorigen April in den politischen Gremien einen Prüfantrag für die Errichtung eines Waldkindergartens eingebracht.

Jetzt beschäftigte sich der Sozialausschuss damit.

Eingeladen war die Leiterin des evangelischen Waldkindergartens am Tannenweg in der Lindener Siedlung Forst. Die Lindener Kita grenzt an den dortigen Waldspielplatz, informierte Sabine Schlicksupp. Wie der Name schon sagt: Der Wald liegt unmittelbar dahinter. Die Einrichtung hat eine Gruppe mit 20 Plätzen für Kinder von drei bis sechs Jahren. Es gibt kein festes Gebäude, aber zwei unterschiedlich große Bauwagen, in denen Material gelagert wird.

Eltern äußern Interesse

Außerdem wird drinnen von einem Caterer angeliefertes Mittagessen verzehrt. In einer Leseecke kann man sich zurückziehen. Bei Bedarf wird der Bauwagen mittels Gasflaschen erwärmt. Im Falle extremer Wetterlagen wie Sturm oder Gewitter trifft man sich in der Notunterkunft, dem evangelischen Gemeindehaus Großen-Linden.

Es gibt Vormittagsplätze von 7.30 bis 13 Uhr und Plätze mit Bio-Mittagessen von 7.30 bis 14.30 Uhr. Fließendes Wasser und Strom sind nicht vorhanden. Wasser wird in Behältnissen organisiert, Elektrizität mittels Akku. Der Kita-Betrieb findet ganzjährig statt.

Kinder und Erzieherinnen sind ganztägig draußen. Es sind die Besonderheiten der Waldpädagogik, die eine naturnahe Kita attraktiv machen. Schlicksupp brachte auch den üblichen Kita-Lärmpegel ins Gespräch. Draußen verpuffe das Geschrei jedoch. Feuchte Luft beuge Ansteckungen vor. Nach dem ersten Winter habe sich das Immunsystem angepasst. Schlicksupp sagte, Eltern, die ihre Kindern in die Wald-Kita brächten, seien nicht unbedingt finanziell bessergestellt, sondern »bewusst erziehend«. Teilnehmen könnten auch Flüchtlingskinder und Kinder mit einer Behinderung (Einzelfallentscheidung). Nirgendwo funktioniere interaktiver Spracherwerb besser, deshalb sei Migration unproblematisch.

Nadinem Gierhardt von der Abteilung Soziales (Rathaus) informierte, bisher hätten 14 Eltern für 15 Kinder aus allen vier Stadtteilen Interesse an einer Wald-Kita angemeldet. Darunter auch Eltern, deren Kinder bereits eine Kindertagesstätte besuchten.

Der Sozialausschuss nahm einstimmig den Aktenvermerk der Verwaltung zur Kenntnis. Darin werden die Fragen aus dem CDU-Prüfantrag beantwortet. Um jedoch die Einrichtung einer Wald-Kita zu beschließen, ist es noch zu früh. Vorrangig wären der Standort eines Bauwagens und die Notunterkunft zu klären.

Cornelia Maykemper (FDP) brachte den Vorschlag, man könne in einer vorhandenen Kita eine Waldkindergruppe zusätzlich einrichten. Laut Gierhardt ist das nur in der Kita Odenhausen möglich. Die käme auch infrage als Notunterkunft. Weiter muss geklärt werden, welches Personal für eine Wald-Kita geeignet wäre. Schlicksupp würde ausgebildete Waldpädagogen bevorzugen.

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