Ausschuss befürwortet Waldfriedhof

  • vonVolker Heller
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Lollar(vh). Der städtische Bauausschuss hat einstimmig bei zwei Enthaltungen die Einrichtung eines Waldfriedhofs in einem 20 Hektar großen Bereich zwischen der Bundesstraße 3 und dem Hofgut Friedelhausen befürwortet.

Bis zur ersten Waldbestattung könnten noch zwei Jahre vergehen. Christoph Graf von Schwerin ist um Schloss und Hofgut Friedelhausen herum Waldbesitzer und Förster in Personalunion. Er würde den Waldfriedhof auch betreiben und wäre gleichwohl für die Verwaltungsaufgaben zuständig. Allerdings müsste die Stadt Lollar für die Trägerschaft gewonnen werden, da in Deutschland per Gesetz nur Kirchengemeinden oder Kommunen die Anlage einer Begräbnisstätte in die Wege leiten dürfen.

Falls nun das Stadtparlament in seiner Sitzung am 25. Juni ebenfalls zustimmt, würde ein konventionelles Bauleitverfahren in Gang gesetzt. Verfahrenskosten und Investitionen - etwa die Anlage eines Parkplatzes und einer Andachtsfläche - würde der Betreiber zahlen. Und auch im laufenden Friedhofsbetrieb fielen für die Stadt weder Kosten noch Verwaltungsaufgaben an. Im Rathaus müsste "lediglich" eine auf die besondere Umgebung abgestimmte Friedhofsordnung erlassen werden.

Andachtsplatz mit Kreuz und Bänken

Von Schwerin erläuterte im Ausschuss, ihm sei die Zusammenarbeit mit dem Hofgut wichtig. Dessen Geschäftsführer Milos Vaner stellte fest, "ein Waldfriedhof passt zu uns", da er eine räumliche Teilhabe der Menschen mit Behinderungen am Zyklus des Lebens gewähre.

Als Berater für die Friedhofsgestaltung informierte Franz Freiherr von Rotenhan (Callenberg/Sachsen). Er betreibt selbst einen Bestattungswald und berät bei der Anlage von naturnahen Friedhöfen. Die Anfahrt zum künftigen Waldfriedhof erfolgt über den teilasphaltierten Zufahrtsweg zum Hofgut entlang der Main-Weser-Bahnlinie. An der Friedhofsgrenze würde ein Parkplatz für 30 Fahrzeuge eingerichtet. Zusätzlich könnten am Hofgut vorhandene Parkmöglichkeiten mit genutzt werden.

In 100 bis 200 Meter Entfernung vom Parkplatz soll der Andachtsplatz mit einem Kreuz und Sitzbänken für die Trauerzeremonie entstehen. Im Unterschied zur Urnenbestattung auf örtlichen Friedhöfen würden die Urnen nach dem Ende der Ruhezeit nicht mehr umgebettet, da diese aus biologisch abbaubarem Material bestehen. Das Einzugsgebiet für den Waldfriedhof soll in einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern liegen.

Horst Haase (CDU) wollte wissen, ob ein Waldfriedhof in Lollar bedürfnisorientiert sei und welche Auswirkungen dessen Anlage auf die Auslastung der städtischen Friedhöfe und deren Gebührenordnung habe. Von Rotenhan sagte, solche Auswirkungen seien schon vorhanden. Aus Sorge um spätere Grabpflege würden sich Menschen vermehrt im Wald bestatten lassen.

Harald Pusch (SPD) brachte die Krötenwanderung ins Spiel. Dann ist der Zufahrtsweg zum Hofgut nämlich gesperrt. Vaner dazu: "Wir sperren nur nachts bis zum nächsten Morgen". Cornelia Maykemper (FDP) fragte, was zu tun sei bei Gegenverkehr auf dem einspurigen Zufahrtsweg.

Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek verwies darauf, dass auf dem Hofgut auch Hochzeiten gefeiert würden. Dann kämen wesentlich mehr Besucher zusammen. Das habe bisher funktioniert.

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