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Irene und Oliver Eberwein nennen ihre Fotografien "Minimal Urban Art".

Der Ästhetik verpflichtet

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Lollar (vh). Es gibt leidenschaftliche Fassadenkletterer. In der Szene heißt das lebensgefährliche Erklimmen eines Gebäudes auch Buildering oder Urban Climbing. Das Ehepaar Irene und Oliver Eberwein hat das übliche Szenealter überschritten. Doch hält das Thema "Fassade" die beiden seit einigen Jahren auf Trab. Während der Kletterfreak erst vollkommen glücklich ist, wenn er die Fassade vollständig erklommen hat, fotografieren die Künstler gezielt nur einen Ausschnitt der jeweiligen Fassade. Ein Vierteljahr lang zeigen Irene und Oliver Eberwein beispielhafte Bilder im Flur des Rathauses in Lollar. Angeregt hatte die Ausstellung Monika Krombach vom Hobby- und Kunstkreis.

Motivsuche in Gießen

Meist liegen die Motive im städtischen Umfeld. Dafür fahren die Eberweins gern von Braunfels, ihrem Wohnort, nach Gießen. Dort suchen sie, ähnlich der Kletterer, "ihre" Idealfassade. Minimal Urban Art nennt sich der Oberbegriff für diese Ausschnittfotografie in der City. Während man fürs Extremklettern eher unregelmäßige Wandstrukturen bevorzugt - Ecken, Kanten, Vorsprünge für besseren Halt -, sind die Fotografen ganz der Ästhetik verpflichtet. Architektonische Geradlinigkeit, klare und regelmäßige Strukturen halten sie fest. Um welches Gebäude es sich dabei handelt, bleibt offen, kann nur selten nachvollzogen werden.

Helmut Heibertshausen, der stellvertretende Vorsitzende des Hobby- und Kunstkreises, begrüßte das Künstlerpaar und einige Besucher der Vernissage. Oliver Eberwein gab selbst einige Hinweise zur Arbeitstechnik. Sie zückten ihre Kamera an Orten, an denen täglich Menschen vorbeigehen. Aus der gewöhnlichen Fassade des banalen Alltags suche man dann ein Stück heraus. Neben einer gewissen Regelmäßigkeit spielten Kontraste und Farben eine Rolle. Am Computer werde in geringem Umfang nachgearbeitet, das Motiv nicht verfälscht, bestenfalls im Sinne der idealen Ästhetik leicht geschönt. Zur Fassade zählen etwa feste Verkleidungen, bewegliche Teile wie Jalousien oder Gegenstände vor der Gebäudewand wie Feuerwehrhydranten oder Silotürme.

Die "Minimal Urban Art" ist noch bis Mitte Oktober im Rathaus Lollar zu betrachten. Die Motive werden zwischenzeitlich ausgetauscht. Geöffnet montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie mittwochs zusätzlich von 14 bis 18 Uhr.

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