Michael (l.) und Daniel Hirz werden mit Kettensägen einen "Little Buddha" aus dem gewal- tigen Baumstamm formen. FOTO: GECK
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Michael (l.) und Daniel Hirz werden mit Kettensägen einen "Little Buddha" aus dem gewal- tigen Baumstamm formen. FOTO: GECK

"Little Buddha" ganz groß

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Ein Buddha aus einem riesigen Baumstamm? "Auf jeden Fall", sagt Michael Hirz. Es ist das jüngste Projekt des Grüninger Tischlermeisters. Die Idee kam dem Holzkünstler bei einer ganz profanen Unterhaltung.

Es war vor gut zwei Monaten, erinnert sich Michael Hirz, als sein Cousin ihn fragte, ob er denn eine Idee habe, was er seiner Frau zum Geburtstag schenken könne. Die beiden dachten also über alle möglichen und unmöglichen Dinge nach. Und so kamen sie im Laufe ihrer Unterhaltung auf eine Buddha-Figur zu sprechen. Vor Jahren aus dem Urlaub mitgebracht, war sie vom Zahn der Zeit nicht verschont geblieben. Da könne man doch eine frische Kopie von machen, spannen sie den Gedanken weiter. Und wenn man schon dabei wäre, könnte diese Figur doch eigentlich auch mannsgroß sein - "think big" gewissermaßen, nicht kleckern, sondern klotzen.

So ergab es sich, dass Hirz, vielen als "Turmgraf Wilhelm" von der Grüninger Warte bekannt, jenen Auftrag an der Backe hatte. Der Name des Großprojekts ist reichlich Understatement: "Little Buddha".

Hirz, der Tischlermeister aus Grüningen, der in Steinbach seine Werkstatt betreibt, machte sich sodann auf die Suche nach einem entsprechenden Baum. Es war kein leichtes Unterfangen, denn das gute Stück sollte schon einen Durchmesser von 1,2 Metern haben.

So hagelte es am Anfang Absagen, aber das entmutigte einen wie Hirz nicht. Aufgeben ist ohnehin nicht seine Sache. Wer schon einmal mit einem Ordonanzrad ohne Gangschaltung von Oberhessen bis zum Gran Paradiso (Italien) gefahren ist, lässt sich nicht so schnell kleinkriegen. Schließlich wurde er in Geilshausen bei Konrad Kriep fündig. "Jener Baum wird nicht, wie vorgesehen, als Brennholz enden" sagt Hirz. Würdig werde er weiter existieren.

Am vergangenen Donnerstag holte er ihn mit seinem Kompagnon und Bruder im Geiste, Daniel Hirz, dort ab. Über 15 Ecken sind beide miteinander verwandt, deswegen der selbe Nachname. Aber ansonsten, sagt Michael Hirz, seien sie ganz verschiedene Charaktere. Er, der Hansdampf in allen Gassen, Daniel Hirz, der Ruhepool, 14 Jahre jünger und angehender Berufsschullehrer für Metalltechnik und Sport. Die Liebe zu solchen Projekten eint die beiden.

Für den Transport des Buddha-Holzes reaktivierten sie nun sogar einen uralten Traktor, genauer gesagt einen Zettelmeyer aus dem Jahr 1956, um den Koloss im Freiluft-Atelier zwischen Grüningen und Garbenteich stilecht abzuladen. Es war eine spaßige Aktion, doch als es ernst wurde, ließ man lieber die Vernunft walten und lieh sich einen Fünf-Tonnen-Gabelstapler aus dem Ort. Mit vereinten Kräften brachte man den Zwei-Tonnen-Baumstamm an den jetzigen Platz, wo er in den kommenden Wochen einer Metamorphose unterzogen wird. "Jetzt steht er hier" bekräftigt Michael Hirz die normative Kraft des Faktischen. Vorerst unverrückbar.

Hirz und Hirz werden dem gewaltigen Brocken mit einem ganzen Arsenal an Kettensägen zu Leibe rücken und aus ihm eine Figur schaffen, die Ausgeglichenheit und Freude vermitteln soll - wie das kleine Vorbild. Aber: "Er wird nicht perfekt", relativiert der "Turmgraf" die Zielvorgabe.

Ihr "Projekt der Freude" nennen die beiden das Vorhaben, auch wenn die Arbeit an sich körperlich anstrengend werde. "Das wird kein Kindergeburtstag", prophezeiht Michael Hirz. Wichtig sei, dass die Gedanken, die man im Kopf habe, in die Kettensäge übergehen. "Zwei, drei T-Shirts sind da schnell durchgeschwitzt, ergänzt sein Kompagnon. Trotz der martialisch anmutenden Arbeitsweise soll es aber auch ein kontemplatives Tun werden. Immerhin handelt es sich um einen Buddha.

Spektakulär wird es dann wieder beim Transport an den endgültigen Bestimmungsort in Leihgestern. Dann soll ein Kran mit einem 30-Meter-Ausleger zum Einsatz kommen, um "Little Buddha" im neuen Zuhause aufzustellen. Nur zum ursprünglich anvisierten Geburtstag wird er nicht rechtzeitig fertig sein. Jetzt wird der mannshohe Holz-Buddha eben ein nachträgliches Geschenk, sagt Hirz. Aber auf solch ein imposantes Präsent wartet man ja auch gerne mal ein paar Tage länger.

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