Klaus Kutt bei der täglichen Niederschlagsmessung. FOTO: PAD
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Klaus Kutt bei der täglichen Niederschlagsmessung. FOTO: PAD

Als 102 Liter Regen fielen

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Klaus Kutt ist seit 1983 Wetterbeobachter. Er gibt seine Messwerte dem Regierungspräsidium und dem Hessischen Landesamt durch. Am 13. Juni - dem Tag des Unwetters im Kleebachtal - meldete Kutt 102 Liter Niederschlag.

Seit 37 Jahren geht Klaus Kutt jeden Morgen in den Garten - und dies nicht nur, weil es ein kleines Paradies ist. Der Gang ist ein Dienstweg. Der Langgönser ist Wetterbeobachter für das Regierungspräsidium und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLUG). Seine Messergebnisse helfen unter anderem beim Hochwasserschutz.

Im Frühjahr 1983 waren Klaus Kutt und seine Frau gerade bei der Gartenarbeit, als ein Fremder sie über den Gartenzaun hinweg ansprach. Er war Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Dillenburg. Die Behörde suchte einen Wetterbeobachter in Espa. "Da hat der mich beschwätzt", sagt Kutt und lacht.

Seitdem steht mitten im Gartenidyll eine graue Metallröhre mit einem Trichter auf der Oberseite. Der 80-Jährige zieht sie ein Stück hoch. Ein Messbecher kommt zum Vorschein. Da es in den letzten 24 Stunden nicht geregnet hat, ist er leer. An so einem Tag ist die Beobachtungsarbeit schnell erledigt.

Anders sieht es im Winter aus: "Wenn der Behälter eingefroren ist, nehme ich ihn mit ins Haus, um ihn aufzutauen", berichtet Kutt. Dann dauert es etwas länger, bis die Messwerte vorliegen. Für solche Fälle gibt es einen Ersatzmessbehälter, der unter dem Auffangtrichter eingesetzt wird.

Espa ist wassertechnisch gesehen ein interessantes Dorf. In unmittelbarer Nähe entspringen der Kleebach und der Solmsbach. "Der Boden hält hier nichts", sagt Kutt. "Aber es regnet hier auch wenig."

Die Messwerte notiert Kutt in einer Tabelle. Früher wurde diese per Post einmal pro Monat verschickt. Heute erfolgt die Meldung per E-Mail an die Wasserbehörde beim Regierungspräsidium und das HLUG in Wiesbaden.

Früher stand neben der manuellen Messanlage noch ein elektronisches Exemplar. Dieses zeichnete auf einer Walze mit Millimeterpapier die Niederschläge automatisch auf. Vor einigen Jahren hat die Behörde diese Anlage abgebaut, nur noch eine Steckdose mitten im Garten ist als Spur von ihr übriggeblieben.

Wenn Kutt im Urlaub war, übernahm ein offiziell benannter Ersatzmann die Messung. "Die täglichen Messungen waren wichtig, da man besondere Ereignisse festhalten wollte."

Was im Falle eines besonderen Ereignisses zu tun war - also etwa eines starken Regenschauers - regeln die Hochwasserdienstordnung Lahn und die Hochwasserdienstordnung Solmsbach. "Wenn etwa in 24 Stunden 30 Liter Regen fallen, muss ich das den Brandmeistern und Bürgermeistern in Waldsolms, Solms und Braunfels melden", sagt Kutt. Besonders starke Regenfälle meldete er zudem der Unteren Wasserbehörde und dem Warnamt West. Dieses kann dann Schutzmaßnahmen in die Wege leiten und die Bevölkerung warnen.

Der Wetterbeobachter führt eine Liste, wie oft er seit 1983 Alarm schlagen musste. Sie passt auf einen großen Papierbogen. Auch früher habe es schon Unwetter gegeben. Diese waren jedoch nicht so stark. "Das waren mal 46 oder 38 Liter." Am 29. Juli 2014 musste er zum letzten Mal vor 2020 zum Telefonhörer greifen: Damals regnete es zwischen 8.30 und 19.30 Uhr 44,2 Liter pro Quadratmeter.

Dann aber kam der 13. Juni 2020. Das Ehepaar Kutt saß gerade im Wintergarten, als das Unwetter hereinbrach. "Ich habe gedacht: Das gibt es nicht", sagt Kutt. "Es hat geschüttet. Die Dachrinne floss über." Zunächst freuten sich noch beide, dass der ausgetrocknete Wald nun endlich einmal Wasser bekommen würde. Doch als der Regen nicht mehr aufhörte, wuchsen die Sorgen. Erst rund anderthalb Stunden später zogen die Wolken weiter. Kutt maß am nächsten Morgen 102 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

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