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Blumen für die Siegerin: Katharina Ebner freut sich zusammen mit Heike Becher und Holger Müller.

Zweitbeste in Hessen

  • VonPatrick Dehnhardt
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Jubel an der Anne-Frank-Schule in Linden: Katharina Ebner wurde am Mittwoch Zweite im 53. hessischen Mathematikwettbewerb. Über 49 000 Schüler hatten an dem Wettbewerb teilgenommen.

Die Stimmung ist so, als würde Deutschland im WM-Finale stehen und es in der letzten Minute der Nachspielzeit Elfmeter geben. Gespannt schaut Katharina Ebner auf den Laptop-Monitor. Sie steht im Landesfinale des hessischen Mathematik-Wettbewerbs. Zusammen mit ihrer Mathelehrerin Heike Becher, Fachbereichsleiterin Ulrike Lotz und dem kommissarischen Schulleiter Holger Müller wartet sie auf die Ergebnisverkündigung. Diese erfolgt via Internet-Konferenz.

Die Spannung steigt. Platz um Platz wird aufgerufen. Jedes Mal, wenn ein anderer Name genannt wird, jubeln die drei Lehrer, während die Achtklässlerin es kaum glauben kann. Dann geht es an die Verkündung der besten drei.

Just in diesem Moment bricht die Internetverbindung in Linden zusammen. Mit einem lauten »Nein« und fassungslosen Blicken starrt Becher auf den Bildschirm.

Über 49 000 Teilnehmer

Das Schuljahr 2020/2021 war wirklich kompliziert. Lockdown, Home-Schooling, dazu schlechte Internetverbindungen - gerade in den Schulen selbst - machten sowohl Lehrern als auch Schülern das Leben schwer. Da wundert es nicht, dass auch das Finale des hessischen Landesmathematikwettbewerbs von technischen Problemen überschattet wurde. Gut, dass die zu bewertende Leistung nicht erst am Mittwoch abgeliefert werden musste. Bereits im Dezember startete die 53. Auflage des Mathematik-Wettbewerbs. Insgesamt 49 000 Schüler aus über 500 Schulen nahmen teil. Die Besten qualifizierten sich für die zweite Runde, die im März stattfand. Die Sieger des Kreisentscheids wurden Mitte Juni verkündet. Ebner lag damals auf Platz zwei, konnte somit in der Finalrunde antreten.

Als die Einladung zur Siegerehrung eintraf, stand fest, dass die Anne-Frank-Schülerin landesweit unter den besten sechs im Realschulzweig ist. Bereits dies war schon ein Riesenerfolg.

»Mir macht es Spaß, Dinge herauszuknobeln«, erklärt die Achtklässlerin ihre Begeisterung für Mathematik. »Vor allen Dingen, wenn das Ergebnis stimmt.« Besonders die Prozentrechnung liegt ihr, mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung kann sie sich nicht so ganz anfreunden.

Zudem: »Es liegt ein bisschen in der Familie«, sagt sie. Vor drei Jahren war ihre Schwester Schulsiegerin der AFS geworden.

Dem Tag der Siegerehrung hatte Katharina Ebner entgegengefiebert. »Ich konnte nicht gut schlafen und war sehr früh wach.« Ähnlich dürfte es Lehrerin Becher gegangen sein, die ihre Schülerin auf dem Weg durch die einzelnen Runden begleitete. Immer wieder gingen sie gemeinsam Aufgaben durch - meist per Online-Konferenz. Als Dank erhielt die Lehrerin eine Tasche mit Süßigkeiten.

Nach akademischem Viertel - Kultusminister Ralph Alexander Lorz stand in Wiesbaden im Stau - begann die Internet-Konferenz zur Preisverleihung. Immer wieder rissen dabei Bild- und Tonverbindung an die AFS ab. Auch der eilends herbeigerufene Techniker musste resignieren, das WLAN war einfach zu schwach: »Zwei Balken, mehr ist nicht drin.« So endete das Grußwort des Kultusministers abrupt mit dem Satz »Die Schule ist wichtig für das Leben« und einem schwarzen Bildschirm. Mehr kam von Lorz in Linden nicht an.

Nicht nur in Linden, auch andernorts wurde an den teilnehmenden Schulen mit der Technik gekämpft. Zwischendurch gab es etwa einen Aufruf, die Webcams auszuschalten, da die Bandbreite sonst nicht für die Übertragung der Präsentation des Partnerunternehmens Siemens gereicht hätte.

Rainer Welzel, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Hessenmetall Rhein-MainTaunus, warb um die jungen Mathematiktalente: »Wir brauchen euch in unseren Unternehmen, denn für eine erfolgreiche Digitalisierung benötigen wir kluge Köpfe, die mit uns gemeinsam neue Maschinen und innovative Technologien entwickeln.« Nur mit Fachkräften könnte die deutsche Wirtschaft ihre Spitzenposition halten.

Dass die Schulen von einer Spitzenposition in Sachen Digitalisierung weit entfernt sind, wurde einmal mehr bei der Preisverleihung deutlich. Als das Ergebnis für den Realschulzweig verkündet wurde, brach die Verbindung einmal mehr zusammen. Nur in Bruchstücken kam schließlich die Nachricht an, dass Katharina Ebner den zweiten Platz holte. Sie ging im Jubel im Konferenzraum unter. Auch die Klasse feierte anschließend ihre hessische Vize-Meisterin.

Auf Platz vier landete Maximilian Krämer von der IGS Busecker Tal. Die Busecker Gesamtschule wurde zudem dafür ausgezeichnet, dass sie seit vielen Jahren erfolgreich am Wettbewerb teilnimmt.

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