Dorian Kröhl
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Dorian Kröhl

"Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit Nachbarn"

  • vonKatharina Gerung
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Linden/Derbyshire(kge). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Nicht nur hierzulande. An dieser Stelle gewähren Menschen, die aus dem Gießener Land stammen, mittlerweile aber in anderen Ländern eine Heimat gefunden haben, Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Dorian Kröhl aus Linden, der seit über zehn Jahren mit seiner Familie in Derbyshire, einer Grafschaft in den East Midlands von England, etwa zwei Stunden nördlich von London, lebt.

Herr Kröhl, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Morgens bringen wir normalerweise zunächst unsere beiden Kinder in die Schule und in den Kindergarten, bevor wir dann gegen 9 Uhr unseren Arbeitstag beginnen. Meine Frau arbeitet zweieinhalb Tage die Woche, darum kann sie die Hälfte der Woche nachmittags auf unsere Tochter aufpassen. Am späten Nachmittag holen wir dann die Kinder ab. Unser Sohn geht dann montags noch zu den Pfadfindern und mittwochs zum Cricket. Am Wochenende sind wir regelmäßig unterwegs und verbringen die Tage mit Ausflügen in den nahe gelegenen Peak District oder besuchen Freunde und Familie.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Da ich als erster europäischer Mitarbeiter eines amerikanischen Start-up-Unternehmens sowieso von zu Hause arbeite, hat sich hier nichts geändert. Die größte Umstellung unseres Alltags resultiert ganz klar daraus, dass unsere Kinder nun den ganzen Tag zu Hause sind. Zum Glück sind unsere Stellen dem Coronavirus nicht zum Opfer gefallen, allerdings erfordert dies nun einen herausfordernden Balanceakt zwischen Kinderbetreuung und Arbeitszeit, wobei letztere manchmal in den Abendstunden nachgeholt werden muss. Obwohl die Schulen geschlossen sind, werden wir von den Lehrern regelmäßig mit Materialien versorgt und erstellen damit jede Woche einen Stundenplan für unsere Kinder. Diese tägliche Struktur hat sich für uns wirklich bewährt. Und anstatt das Fitnessstudio zu besuchen, folgen meine Frau und ich nun abends den Instruktionen des YouTube-Fitnesstrainers Joe Wicks.

Was vermissen Sie am meisten?

Ganz klar: den persönlichen Kontakt zu Freunden und Familie. Mit Video-Telefonaten kann man weiterhin in Kontakt bleiben, allerdings ist diese Kommunikation auf lange Sicht kein ausreichender Ersatz. Vor allem macht es mich traurig, dass unsere Kinder nun über Monate hinweg weder die britischen noch die deutschen Großeltern besuchen können - der ursprünglich geplante Osterbesuch bei meinen Eltern musste natürlich abgesagt werden. Zudem fehlt uns generell die Spontanität: Einfach mal in das Auto zu steigen und einer Sinneslaune zu folgen, das geht nicht mehr.

Was ist positiv?

Eine generelle Rückbesinnung auf die Gemeinschaft und vermehrter Kontakt mit unserem Freundeskreis, wenn auch nur per Video. Wir haben beispielsweise eine WhatsApp-Gruppe mit Nachbarn unserer Straße, in der wir uns gegenseitig aufmuntern und unsere Bestellungen koordinieren. Ein Straßenfest ist bereits für die Zeit nach dem Coronavirus geplant. Außerdem hat sich unser eigener Alltag extrem entschleunigt. Wir leben irgendwie bewusster, wissen Zeit und Gesundheit zu schätzen und genießen die intensive Zeit als Familie. FOTO: PM

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