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Ob platter Reifen oder kaputte Gangschaltung: Ulrich Berck (Foto) und seine Mitstreiter kümmern sich um die Reparatur.

Werkstatt-Team dreht am Rad

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Linden (fak). Die befürchtete Krise der Fahrradwerkstatt in Großen-Linden ist vorerst abgewendet. Noch vor wenigen Wochen stand der ehrenamtlich geführte Betrieb von Gerhard Trinklein kurz vor dem Aus.

2015 wurde die Einrichtung ins Leben gerufen. Um Flüchtlingen, die seinerzeit nach Deutschland kamen und im Landkreis Gießen eine Bleibe fanden, Mobilität zu ermöglichen, hatte Trinklein zusammen mit weiteren Freiwilligen diese Aktion ins Leben gerufen. Neben Reparaturen werden Fahrräder hier auch aufgearbeitet und für die Straße sicher gemacht. Das Projekt war zunächst nur für einen kleinen Zeitraum vorgesehen, doch das Konzept stieß auf viel Zuspruch. "Die Nachfrage war sehr hoch. Flüchtlinge und auch Einheimische kamen auf uns zu und baten uns, die Werkstatt weiterzuführen", erläutert Trinklein. So wurde die zunächst bis April 2016 befristete Einrichtung fortgeführt.

Vor Kurzem wurde der Vorrat an Fahrrädern jedoch knapper und knapper. "Wir hatten total Bedarf. Wir hatten fast nichts mehr", resümiert Ulrich Berck, Gemeindepädagoge der Kirchengemeinde Großen-Linden und ehrenamtlicher Schrauber bei der Fahrradwerkstatt. Die Wende brachte ein Spendenaufruf Ende Juli. "Über meine E-Mail-Adresse bekam ich unzählige Nachrichten. Ich bin mit Auto und Anhänger durch den ganzen Kreis Gießen gefahren. Das hat unfassbare Wellen geschlagen", so Trinklein.

Keine Konkurrenz zu Händlern

In der Tat war der Aufruf ein durchschlagender Erfolg. Mittlerweile steht nicht nur die eigentliche Werkstatt voll. Fahrräder wurden auch in einer gesonderten Halle untergebracht, damit in der Werkstatt genügend Platz zum Arbeiten bleibt.

Der Bestand beläuft sich inzwischen auf 310 Räder. Bedürftige können sich diese gegen einen Obolus von 10 Euro ausleihen. "Wir machen das nicht, um den Lindener Fahrradhändlern Konkurrenz zu machen. Wir machen das lediglich, um Bedürftige zu unterstützen", unterstreicht das Team.

Durch die nach wie vor hohe Nachfrage und die Flut der reparaturbedürftigen Zweiräder mangelt es nun aber vor allem an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Trinklein mit eingerechnet, "schmeißen" gegenwärtig nur vier Personen den "Laden". Einer kümmert sich um die Ausleihe, die anderen drei reparieren. Neben Trinklein und Berck arbeiten Martin Zulauf und Hans-Christian Teichmann tatkräftig mit. "Wir freuen uns immer über Leute, die gerne an Fahrrädern basteln und die Lust haben, sich ehrenamtlich zu engagieren", wirbt Berck um Unterstützer. Über Spenden freut man sich in der Fahrradwerkstatt nach wie vor. Wenn aktuell auch kein Mangel herrscht, sind gut erhaltene Gebrauchtfahrräder stets gerne gesehen.

Die Fahrradwerkstatt in Großen-Linden ist mittwochs von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Sie befindet sich in den Räumlichkeiten des Erlebnisparks Linden, Bahnhofstraße 125. Kontakt unter Tel. 0 64 03/9 69 03 64, per E-Mail an gerhard.trinklein@online.de oder unter www.generationebruecke-linden.de.

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