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Brite aus Kreis Gießen siegreich im Kampf mit Behörde: „Wie ein Asylbewerber behandelt“

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Von: Stefan Schaal

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»Ich fühle mich wie ein Asylbewerber behandelt, als wäre ich gerade aus Syrien hier angekommen«, sagt Neil Ebden.
»Ich fühle mich wie ein Asylbewerber behandelt, als wäre ich gerade aus Syrien hier angekommen«, sagt Neil Ebden. © Stefan Schaal

Neil Ebden ist in Deutschland geboren und lebt seit Jahrzehnten im Kreis Gießen. Wegen des Brexits muss der Brite seinen Aufenthalt anzeigen - eine Formalie, die für den Lindener einen langen Kampf bedeutet.

Gießen – Neil Ebden atmet erleichtert auf. »Ich habe das Kärtchen«, sagt er. Ein Jahr und zwei Wochen - und Hunderte vergebliche Versuche, die Ausländerbehörde des Landkreises zu erreichen - hat es gedauert, bis der in Großen-Linden lebende Brite endlich sein Aufenthaltsdokument in den Händen hält. Allerdings befürchtet der 58-Jährige, dass ihm bereits die nächste Odyssee bevorsteht.

Am Mittwoch vergangener Woche hat Ebden das Dokument an einem Schalter der Ausländerbehörde am Riversplatz erhalten. Zu seiner Überraschung ist es nur fünf Jahre gültig. »Das ist rechtens«, hat er aber gleich darauf recherchiert, die Gültigkeit sei an die Laufzeit seines Passes gebunden. Nach den nervenaufreibenden Erfahrungen mit der Behörde und der Schwierigkeit, Mitarbeiter zu erreichen, macht sich Ebden indes schon jetzt Sorgen, was in fünf Jahren auf ihn zukommen könnte. Er ahne, sagt er, dass es im Fall einer monatelangen Auseinandersetzung mit der Ausländerbehörde zu Problemen kommen könnte, wenn währenddessen der Pass ausläuft und damit die Voraussetzung für das Aufenthaltsdokument fehlen würde. »Ich werde mich mindestens ein Jahr vorher darum kümmern müssen«, sagt der Lindener. »Es ist ärgerlich.«

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Ebden hat seit den 80er Jahren eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in Deutschland. Er ist in Dortmund geboren, lebt seit Jahrzehnten im Kreisgebiet, er ist Vater zweier erwachsener Söhne mit deutschem Pass. Dennoch muss er aufgrund des Brexits seinen aktuellen Aufenthalt anzeigen. Eigentlich eine Formalie. Doch Ebden kämpfte mehr als ein Jahr lang, mit der Ausländerbehörde des Kreises überhaupt in Kontakt zu treten.

Telefonisch hat Ebden die Behörde innerhalb des Jahres kein einziges Mal erreicht. Zudem blieben E-Mails des Lindeners monatelang unbeantwortet. Zwischenzeitlich erhielt er einen falschen Antrag. »Warum muss ich darin die Augenfarbe meiner Kinder angeben?«, hat er gefragt. Er habe sich ignoriert gefühlt, bisweilen »wie ein Asylbewerber behandelt, als wäre ich gerade aus Syrien hier angekommen«.

Erst als die Ehefrau Ebdens versuchte, die Behörde am Riversplatz persönlich anzutreffen, ein Wachmann sie zwar nicht hineinließ, aber dann selbst mit Mitarbeitern sprach, meldete sich die Ausländerbehörde bei dem Briten. Der Kreis erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, die Servicestelle der Ausländerbehörde sei »aus gesundheitlichen Gründen personell unterbesetzt« und empfahl, eine E-Mail zu schreiben oder den Info-Point zu kontaktieren.

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Bevor Ebden das Dokument nun vergangene Woche abgeholt hat, hatte er in Mails immer wieder darauf hingewiesen, dass er dafür keine Bearbeitungsgebühr zahlen muss, weil er in Besitz einer Daueraufenthaltsgenehmigung ist. Die Behörde hatte ihn zu der Gebühr fälschlicherweise aufgefordert. Erst als sie ihm per Mail bestätigte, dass die Gebühr entfällt, nahm Ebden den Termin wahr.

Kürzlich sei er im Internet auf ein Video des Oberbürgermeisters Düsseldorfs gestoßen, in dem dieser ausführlich und in aller Klarheit informiert, wie Briten das Aufenthaltsdokument erhalten. Diese Transparenz sei »das exakte Gegenteil« der Vorgehensweise im Kreis Gießen, sagt Ebden. (srs)

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