Überall viel zu trocken

  • vonred Redaktion
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Linden/Pohlheim(pm). Was bedeutet der Klimawandel für Landwirte? Dieser Frage haben die Grünen aus Linden am Samstag ihre Radfahrt gewidmet und mit 13 wetterfesten Teilnehmern Landwirte in Linden und Pohlheim besucht.

Biolandwirt Jürgen Luft vom Ludwigshof konnte vor Ort direkt auf seine Weiden verweisen: "Die Kühe gehen hier jeden Tag nur noch spazieren - zu Fressen finden sie auf der Weide nichts mehr." Ganz konkret bedeutet dies für seinen Betrieb, dass deutlich weniger Tiere gehalten werden können als noch vor einigen Jahren.

Natürlich werde durch die Betriebsweise gegengesteuert, zum Beispiel durch den vermehrten Anbau von trockenheitstoleranter Luzerne. Aber das reiche nicht. Im Moment müsse er bereits seine Wintervorräte anbrechen. Der Biolandwirt hofft, dass ihm seine Pachtflächen weiterhin erhalten bleiben. Bereits in der Vergangenheit habe er große, bio-bewirtschaftete Flächen zurückgeben müssen. Nun solle er im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen weitere Flächen am Lückebach mit einigermaßen guten Erträgen vermieten.

Nächste Station war der Hof Obersteinberg. Philipp Fay berichtete, dass es hier immer schon besonders trocken gewesen sei, weshalb man die Böden traditionell extensiv bewirtschaftet. Die Trockenheit habe sich in den letzten Jahren jedoch gerade auf dem Obersteinberg extrem verschärft.

Futtermangel

Für diesen Winter habe er eigentlich Vorrat für doppelt so viele Tiere ernten wollen. Jetzt würde es gerade so reichen; seit Juni müsse zugefüttert werden, da die Rinder auf der Weide nicht genug vorfänden.

Gut entwickelt hat sich der Anbau einer in Mittelhessen eher ungewöhnlichen Feldfrucht. Seit nunmehr drei Jahren sammelt man Erfahrungen mit Sojabohnen, die inzwischen gerade wegen der Trockenheit gut zu ernten sind.

Laut Fay kommt der Hof in Verbindung mit dem Hofladen gut klar. Die Umstellung zum Bio-Betrieb läuft seit einem Jahr, der Hofladen wird ausgebaut. "Bedauerlicherweise wird aber auch der Hof Obersteinbach fruchtbare Anbauflächen zugunsten von Baugebieten verlieren", heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen.

Zum Abschluss der Rundfahrt besuchten die Radler Prof. Christoph Müller an der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation in Leihgestern. Bei der Beurteilung der Klimaänderungen müsse sowohl auf das Wasser als auch auf den Boden geachtet werden, sagt er.

Für die Landwirtschaft sieht der Wissenschaftler vor allem die Herausforderung, dass das Wachstum auf den Äckern früher beginnt und es dann nach kurzer Zeit zu einem Hitzeschock und Vertrocknung der Pflanzen kommt. Das mache sich gerade in unserer Region, die auf feuchte Sommer eingestellt ist, bemerkbar.

Mit diesen Problemen dürfe man die Landwirte nicht alleine lassen. Für Klima-, Gewässer- und Bodenschutz seien nicht die Landwirte verantwortlich, sondern die gesamte Gesellschaft.

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