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Das Ordnungsamt Linden auf Kontrollgang im Kuhn-Center.

Pandemie

Tragen alle Maske? Auf Covid-19-Streife mit dem Ordnungsamt Linden

  • vonPatrick Dehnhardt
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Bereits seit einigen Wochen gilt eine verschärfte Maskenpflicht, seit Monaten der Lockdown. Werden die Regeln eingehalten? Ein Kontrollgang mit dem Ordnungsamt Linden.

Moritz Schneiders Urteil fällt überaus wohlwollend aus. »Vorbildlich«, sagt er, als er das Absperrband begutachtet, das für den nötigen Abstand zwischen Fleischertheke und Kundenbereich sorgen soll. Schneider ist Mitarbeiter des Lindener Ordnungsamtes. Zusammen mit seiner Kollegin Sonja Richter nimmt er an diesem Morgen eine Filiale der Metzgerei Brinkmann unter die Lupe.

Richter zückt die Checkliste und prüft, ob die Vorgaben des Gesundheitsamtes erfüllt sind. Die Verkäuferin trägt eine Maske, an verschiedenen Stellen der Theke hängen große Schilder, die auf Abstandsregeln und Maskenpflicht hinweisen. Ein Häkchen nach dem anderen setzen die Ordnungsamtsmitarbeiter auf der Checkliste.

Kontrolle im Kuhn-Center

Das Revier von Richter und Schneider ist an diesem Tag das Kuhn-Center am Mühlberg. Sie kontrollieren, ob die geltenden Hygienevorschriften eingehalten werden, nicht nur in der Metzgerei-Filiale. Es ist fast schon ein freundliches Miteinander. Die Geschäftsleute kennen sie bereits von etlichen Kontrollen in den vergangenen Wochen. Insgesamt gebe es keine großen Probleme, sagt Schneider. Von Beginn an habe sich der Großteil der Gewerbetreibenden einsichtig gezeigt. »Und wenn nicht, schaltet sich das Gesundheitsamt ein. Spätestens dann klappt es.«

Zu Beginn des zweiten Lockdowns war dies noch ein wenig anders. Damals hat Schneider eine große Unsicherheit bemerkt. »Die Gewerbetreibenden sind daran interessiert, dass sie öffnen dürfen.« Darum seien auch alle bemüht gewesen, die Vorschriften umzusetzen - nur waren diese anfangs nicht allen komplett bekannt. Als das Gesundheitsamt eine Checkliste für den Einzelhandel herausgab, sorgte dies für Sicherheit. »Nach nun zwei, drei Monaten ist das in den Köpfen drin«, sagt Schneider. Sein Fazit: Es wird sich praktisch durchgehend an die Regeln gehalten.

Polizei: Geschäftsleute halten sich an Vorgaben

Dies ist nicht nur in Linden so. Polizeipressesprecher Jörg Reinemer sagte, dass ihm bislang kein Fall bekannt sei, indem ein Geschäft wegen Verstößen gegen die Hygienevorschriften geschlossen werden musste. Und auch gegen die Maskenpflicht hätten nur wenige Geschäftsleute verstoßen.

Schneider hat beobachtet, dass viele Geschäftsleute gar weitere Initiativen ergreifen, um die Sicherheit der Kunden zu erhöhen. Beim Zookauf etwa erhält jeder Besucher, der den Markt betritt, einen Chip. Sind keine Chips mehr da, darf erstmal niemand mehr hinein. »Die Chips werden zwischen jedem Kundenkontakt desinfiziert«, sagt Mitarbeiter Michael Lehanka.

Lehanka hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Konsumenten in der Regel an die Vorschriften halten. Es komme jedoch vor, dass jemand ins Geschäft komme und vergessen habe, die Maske überzuziehen. »Wenn man die Leute höflich anspricht, ist das aber kein Ding.« Dann würden sofort Mund und Nase bedeckt.

Nur wenige Unbelehrbare

Diese Einschätzung kann Polizeisprecher Reinemer bestätigen: »Wir treffen immer wieder Personen an und weisen sie auf das Tragen oder auch die richtige Trageweise hin. Die meisten machen das dann auch und kommen unserer Aufforderung nach.« Nur wenige würden sich dann noch weigern. Das allerdings hat Konsequenzen.

Beim Kontrollgang von Richter und Schneider gibt es keine Vorkommnisse. Ob auch die, die sonst ihre Maske auf halb-acht tragen, diese nur schnell zurechtrücken, weil sie die Kontrolleure sehen, oder sich generell alle an die Regeln halten, bleibt unklar. So oder so zeigt die Kontrolle Wirkung.

Einige G eschäfte im Kuhn-Center sind derzeit geschlossen, da ihr Sortiment als nicht systemrelevant gilt. Schneider und Richter prüfen bei ihnen nur kurz, ob die Eingangstüren verriegelt sind. In den vergangenen Monaten gingen beim Ordnungsamt immer wieder Hinweise eingegangen, dass Geschäfte angeblich geöffnet hätten, die geschlossen sein müssten. »Im einen fand Inventur statt, die anderen haben umgebaut«, berichtet Schneider. Teils hätten er und seine Kollegen in Privatautos vor Friseursalons geparkt und geschaut, ob dort Kunden ein- und ausgehen, um solchen Hinweisen nachzugehen. Verstöße haben sie dabei nicht festgestellt.

Fotografen haben geöffnet

Teilweise wüssten auch die Bürger nicht, welche Geschäfte derzeit öffnen dürfen und welche geschlossen sind. »Die Fotografen beispielsweise dürfen geöffnet haben, da herrschte am Anfang Unsicherheit«, sagt Schneider, als das Ordnungsamt bei Fotograf Ünal Celebi hereinschaut. Auch in der Pandemiezeit braucht man etwa neue Bilder für den Personalausweis.

Fotograf Celebi plagt genau dieses Dilemma. Er sagt: »Für uns ist es ein Vorteil, aber es fehlen die Kunden. Viele wissen nicht, dass wir offen haben.« Auch ihm attestieren Richter und Schneider an diesem Morgen, dass alle Vorgaben eingehalten werden.

Gerade, als das Ordnungsamt seine Visite am Kuhn-Center beenden will, stürmt ein älterer Herr auf Richter und Schneider zu. Ihm geht es jedoch weniger um die Einhaltung der Maskenpflicht, denn mehr um andere Verstöße: Es müsse mehr nach Rasern und Falschparkern geschaut werden, die Leute würden sich an keine Regeln mehr halten. Er trägt eine Maske: Sie hängt locker um den Hals. Doch auch hier finden Schneider und Richter ein paar ruhige, aber bestimmte Worte.

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