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Im Drogeriemarkt in Linden informieren Frauen die Kunden zum Thema Gewalt an Frauen. Foto: las

Taschentücher gegen Gewalt

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Linden(las). Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Auch im Landkreis Gießen wurde an diesem Tag auf das Tabuthema Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle für häusliche Gewalt (IST) und vom Frauenhaus Gießen erwarteten Kunden im Lindener dm-Drogeriemarkt mit einem Glücksrad, vielen Preisen und voll bepackten Info-Ständen.

"Wollen Sie an unserem Glücksrad drehen? Wir machen eine Aktion gegen Gewalt an Frauen", sprachen die vier Frauen die Kunden an. Verlierer gab es dabei nicht, unter anderem bekam jeder eine Packung Taschentücher. "Wir haben die Nase voll - Nein zu Gewalt an Frauen", stand darauf.

Aufklärung und Stabilisierung

Mit der Taschentuchaktion machten die Frauen auf Beziehungsgewalt aufmerksam und besonders auf die Interventionsstelle in Gießen. Sie ist Teil vom Sozialdienst katholischer Frauen und bietet Beratung für Frauen an, die von Gewalt betroffen sind. Bekannt seien eher Frauenhäuser, berichtete Astrid Klotz, Sozialarbeiterin der IST. "Aber ins Frauenhaus zu gehen, ist ja ein großer Schritt. Für viele gibt es auch andere Lösungen", sagte sie. Die Beratungsstelle setzt auf psychosoziale Stabilisierung und Unterstützung. So kann sie bestenfalls einem Aufenthalt im Frauenhaus zuvorkommen. Die IST sei ein Ort, wo betroffene Frauen ernst genommen werden, und jemanden zum Zuhören finden.

"Wir machen bewusst, dass da Gewalt ist", fügte Pädagogin Stephanie Riehm hinzu, denn "nicht nur körperliche Gewalt steht im Vordergrund". Neben physischer Gewalt können in Partnerschaften auch psychische, ökonomische, digitale und soziale Gewalt vorkommen, die das Selbstwertgefühl von Frauen angreifen, erläuterte Riehm. Das geschehe oft deutlich subtiler, zum Beispiel durch Isolation oder Stalking. Laut Statistik erfährt weltweit jede vierte Frau in ihrem Leben häusliche Gewalt, berichtete Klotz, "das ist erschreckend viel."

Maria Ventura ist bei ihrem Einkauf auf den Info-Stand gestoßen. "Die Leute schweigen immer so über das Thema. Da sollte man schon drüber reden. Wir sind doch jetzt im 21. Jahrhundert", meinte sie. Ventura schätzte die Möglichkeit, Info-Material mitzunehmen. Wenn in ihrem Bekanntenkreis jemand betroffen sei, könne sie so die Informationen weitergeben.

Häusliche Gewalt hat in der letzten Zeit etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, meinte Klotz. Trotzdem sei es immer noch ein Tabuthema. Und lange ist nicht alles getan: In Hessen bestehen mit 300 Plätzen in Frauenhäusern nur halb so viele Plätze wie nötig.

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