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Chorleiter Andreas Ziegler bei der digitalen Chorprobe.

Stimmbildung funktioniert auch online

Linden (nal). Nachdem vor einem Jahr die beginnende Pandemie alle Chöre zunächst völlig zum Schweigen gebracht hatte, konnte der evangelische Kirchenchor Leihgestern unter der Leitung von Andreas Ziegler im vergangenen Sommer wieder mit Abstand und Hygienekonzept im Freien proben, was alle Sängerinnen und Sänger sehr genossen. Dann kam der nächste Lockdown.

Im Herbst wollte man eigentlich wieder mit kleineren Stimmgruppen und durchdachter Lüftungs-Planung in der großen Kirche fortfahren. Die steigenden Corona-Zahlen führten jedoch alle Stimmen in die Isolation.

»Ich habe mein ganzes Leben an Weihnachten und Ostern in der Kirche gesungen. Das war das erste Mal, dass ich dies nicht durfte«, sagt Leni Cölinski, die nun fast 75 Jahre aktiv im Kirchenchor singt und kaum eine Probe verpasst. Singen sei nämlich eigentlich gesundheitsfördernd, aktiviere Atmung, Herz und Haltung, fordere Körper, Geist und tue der Seele einfach gut.

Nun probt der evangelische Kirchenchor Leihgestern seit Jahresbeginn digital. »Vieles musste erst ausprobiert werden und sich festigen, jetzt haben wir die Technik aber im Griff - und nicht das Virus uns«, sagt Andreas Ziegler, mit dem nun bereits drei neue Stücke einstudiert werden konnten.

Die Chormitglieder singen zwar zu Hause alleine oder mit Partner im Zimmer, da Ziegler jedoch Einspielungen vom Chor und vorbereitete Aufnahmen der zu übenden Lieder senden kann, haben alle doch ein wenig den Eindruck eines größeren Chores.

Hierzu muss der Chorleiter einiges an Technik aufbauen und kann sich den Chorklang und die Probleme der Sängerinnen und Sänger am Bildschirm nur vorstellen. Diese können jedoch ihre Stimme lernen, müssen diese halten und profitieren von der regelmäßigen Stimmbildung.

»Alles besser als gar nichts zu machen«, bekräftigt der 1. Vorsitzende Lothar Rinker, der wöchentlich zu den Proben einlädt und alle Mitglieder ermutigt, sich doch darauf einzulassen. »Es ist schön, sich zu sehen und zu wissen, dass die anderen jetzt auch singen und am Ball bleiben.«

Und so ist Ziegler froh, dass alle Altersgruppen teilnehmen, auch Leni Cölinski verpasst keine Singstunde. Es helfen eben auch viele Kinder und Enkel beim Umgang mit der Technik. Man muss sich nur erst einmal darauf einlassen.

»Natürlich würden wir gerne wieder einen Gottesdienst musikalisch gestalten, aber da müssen wir uns noch gedulden. Doch wenn es dann soweit ist, sind wir bestens vorbereitet.«

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