Stärken und Schwächen aufgezeigt

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Linden (pm). Die Beteiligung von Lindener Bürgerinnen und Bürgern beim ADFC-Fahrradklima-Test war im vergangenen Jahr zum ersten Mal hoch genug, um die Fahrradfreundlichkeit der Stadt auszuwerten. Die Ergebnisse liegen nun vor und zeigen: Linden befindet sich hinsichtlich Fahrradfreundlichkeit im hinteren Mittelfeld. Das teilt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) mit.

Insgesamt erreicht die Stadt mit einer Schulnote von 4,1 bundesweit Platz 297 von 418 teilnehmenden Kommunen in vergleichbarer Größenordnung, hessenweit Platz 36 von 57. Buseck und Pohlheim stehen dagegen mit den Plätzen 26 und 70 bundesweit deutlich weiter vorne in der Rangliste.

Der Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrer weltweit. Er wird vom Fahrradclub alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand nun zum neunten Mal statt.

Insgesamt 1024 Städte kamen in die Wertung, mehr als jemals zuvor. Linden konnte aufgrund der ausreichenden Beteiligung (63 Teilnehmer) zum ersten Mal in der Wertung berücksichtigt werden.

Bei den 27 Fragen ging es um den Stellenwert des Radfahrens, das Sicherheitsgefühl, die Qualität der Radinfrastruktur und darum, ob die Stadt in Zeiten von Corona das Radfahren besonders fördert.

In der Einzelbewertung schnitten in Linden die Öffnung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung (Note 2,9), die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (3,2) und die Wegweisung für Radfahrer (3,2) am besten ab. Schlusslicht bilden die Verfügbarkeit von Leihfahrrädern (Note 5,1) und Werbung für das Radfahren (Note 5,0). Eine Note von 4,7 bekommt Linden für Fahren im Mischverkehr mit Autos, Falschparkerkontrollen auf Gehwegen, Ampelschaltungen und Winterdienst.

Im Vergleich zu ähnlichen Orten zeigen sich Stärken und Schwächen: So wurde die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung (+0,5), die Breite der Radwege (+0,2) und die Fahrradmitnahme (+0,2) besser bewertet als im Durchschnitt der Ortsgrößenklasse. Dagegen schneiden die Werbung für das Radfahren (-0,8), der Winterdienst (-0,7) und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (-0,5) schlechter ab.

Als besonders wichtig erachten die Teilnehmer die Themen Akzeptanz von Radfahrern als Verkehrsteilnehmer, Sicherheitsgefühl und Konflikte mit anderen Fahrzeugen.

Der ADFC-Kreisverband Gießen weist darauf hin, dass Linden in den letzten Jahren im Radwegebau und bei der Öffnung von Einbahnstraßen Fortschritte gemacht habe. Auf den Nebenstraßen gilt bereits überall Tempo 30, Probleme bestehen häufig noch in den Hauptstraßen.

Der ADFC rät der Stadt, auch auf kleine und kostengünstige Maßnahmen zu setzen: So mangele es an sicheren Abstellmöglichkeiten an öffentlichen Gebäuden. Positiv werden jedoch die Fahrradboxen am Bahnhof Großen-Linden hervorgehoben. Besonders mahnt der ADFC an, dass konsequenter gegen Autofahrer vorgegangen werden muss, die rechtswidrig auf Geh- oder Radwegen parken.

Auch aus Sicht der Klimainitiative Linden bildet sich in den Umfrageergebnissen ein deutliches Nachbesserungspotenzial hinsichtlich der Fahrradfreundlichkeit ab. Es brauche bessere und sicherere Bedingungen für Fahrradfahrer aller Altersklassen.

Ergänzend zu den vom ADFC empfohlenen Maßnahmen spricht sich die Initiative für eine Verbesserung der innerstädtischen Radinfrastruktur aus, da vor allem innerhalb Lindens sichere Radwege und Fahrradstraßen fehlten. Wichtige und von vielen Menschen frequentierte Orte müssten gut und sicher mit dem Rad erreichbar sein.

Dazu müsse bestehender Verkehrsraum für den Radverkehr umgewidmet werden: Nebenstraßen könnten in Fahrradstraßen umgewandelt und in den Hauptstraßen könnten Radwege oder Fahrrad(schutz)streifen eingerichtet werden.

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