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Angelika Thonipara überreicht den Preis an Kristina Hänel.

"Mehr sprechen und weniger schweigen"

An der Seite verzweifelter Frauen: Preis an Kristina Hänel in Lindener Kirche verliehen

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Seit rund zwei Jahren haben die Gerichtsverfahren gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel wegen "Werbung für Schwangerschaftsabbrüche" nach dem Paragraphen 219a des Strafgesetzbuches für Aufsehen und zahlreiche Diskussionen gesorgt. Nun wurde Hänel ein Preis verliehen.

Wenn sich eine Frau gegen die patriarchalische Weltsicht auflehnte, musste sie - nach altem biblischen Verständnis - mit Verurteilung und Bestrafung rechnen: "Wie in allen Gemeinden der Heiligen", heißt es im Ersten Korintherbrief, "sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen." Nun ja, sagte Pfarrerin Angelika Maschke in ihrer Predigt am Sonntag: "Wenn das so ist, dann kann ich jetzt ja gehen", Dass sie diesen Text herausgesucht hatte, hatte einen Grund: Der Gießener Ärztin Kristina Hänel wurde am Sonntag in der Evangelischen Kirche in Leihgestern der Katharina-Zell-Preis verliehen.

Seit rund zwei Jahren haben die Gerichtsverfahren gegen Hänel wegen "Werbung für Schwangerschaftsabbrüche" nach dem Paragraphen 219a des Strafgesetzbuches für Aufsehen und zahlreiche Diskussionen gesorgt. "Und genau hier wirken Texte wie der Erste Korintherbrief heute noch nach", sagte Pfarrerin Maschke. "Im Gesetz ist es heute noch so festgeschrieben: Wenn sich Frauen Informationen zum Schwangerschaftsabbruch einholen wollen, dürfen sie das nicht direkt beim Arzt". Auch Ärztinnen die solche Abbrüche durchführen, erleiden Beleidigung und Bedrohung. "Wir müssen mehr sprechen und weniger schweigen".

Hänel ist die vierte Preisträgerin der Auszeichnung, die der Landesverband "Evangelische Frauen in Hessen und Nassau" jährlich vergibt. Der Verband will damit Menschen würdigen, die sich gegen große Widerstände durchsetzen, die nicht im Rampenlicht stehen und dennoch zu einem gelingenden Leben Erhebliches geleistet haben .

"Ich bin sehr gerührt von diesem Gottesdienst und dem religionshistorischen Hintergrund, vor dem meine Arbeit gesehen wird", erklärte Hänel gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung. "Im Namen des Glaubens‹ gibt es heute noch überall auf der Welt Angriffe auf Frauen - vor diesem Hintergrund ist diese Auszeichnung für mich etwas ganz besonderes".

"Sie haben schon viele Jahre verzweifelten Frauen beiseite gestanden, als Sie angeklagt wurden, Werbung für Abtreibungen zu machen", würdigte Luise Böttcher, die Vorsitzende des Landesverbands, die Preisträgerin. "Damit betroffene Frauen eine eigenständige Entscheidung fällen können, benötigen sie den Zugang zu Informationen - vorurteilsfrei und ohne Hindernis. "Wir vertrauen darauf, dass jede Frau eine für sich stimmige Entscheidung fällen kann."

Gemeinsam mit Angelika Thonipara der Geschäftsführerin des Verbands, überreichte Böttcher die Auszeichnung an Hänel.

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