Schultoiletten

Wie die Schulen im Kreis Gießen Ekel-Klos verhindern wollen

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Die einen versuchen es mit verstärkter Kontrolle, andere mit Videoüberwachung. Im Kampf gegen das Problem Ekel-Schulklo sind Lehrer erfinderisch.

Verschmierte Wände, versiffte Böden, defekte Waschbecken oder Sitzbrillen. Kein Klopapier, keine Seife, dafür ein unangenehm beißender Geruch. Schultoiletten sind selten Orte zum Wohlfühlen. Viele Kinder meiden sie, wenn es irgendwie geht.

In Frankfurt haben Schüler und Eltern der Misere jetzt den Kampf angesagt und 2018 zum Jahr der Schulklos erklärt. Mit einer Online-Petition kämpfen sie für Sanierung und regelmäßige Reinigung.

Reinigung fünf Mal pro Woche

Regelmäßig gereinigt werden die Toiletten an den Landkreis-Schulen, fünf Mal pro Woche, um genau zu sein. Auch Sanierungen hat es in den vergangenen Jahren an etlichen Einrichtungen gegeben. Doch das Dauerproblem Schultoilette ist damit offenbar nur bedingt in den Griff zu bekommen, wie eine Stichprobe dieser Zeitung zeigt.

Manfred Lamotte, Leiter der Gesamtschule Hungen, kann davon ein Lied singen, erinnert sich noch gut an das "RTL-Klo" und die Zeit, als vor einigen Jahren das Fernsehen von den "miserablen Zuständen" der sanitären Anlagen der Schule berichtete.

Immerhin: Der Landkreis ließ besagte Toiletten nach der Ausstrahlung sanieren. Nachhaltig geholfen hat es nicht. Denn verschmutzte Klos gibt es immer wieder. "Es ist ein Dauerthema", sagt Lamotte. Weil so mancher für das große Geschäft den Deckel nicht öffnet, neben das Becken pinkelt oder ganze Klopapierrollen in die Schüssel wirft und dann so lange Wasser laufen lässt, bis nichts mehr geht.

Die Schüler sollten Putzdienst haben, um zu lernen, alles sauber zu halten

Christiane Parmelee auf Facebook

Auch beim Schulträger kommen vereinzelt Beschwerden an. "In solchen Fällen werden individuell Lösungen gefunden", sagt Kreis-Pressesprecherin Meike Bartz. Bei Geruchsbelästigung setzt man auf spezielle Reinigungschemie. "Bei starker Verunreinigung der Sanitäranlagen oder Vandalismus ordnen wir Mehrstunden an, um die Verschmutzungen restlos zu beseitigen", so Bartz.

"Die Schüler sollten Putzdienst haben, um zu lernen, alles sauber zu halten", findet Christiane Parmelee, die sich auf unserer Facebook-Seite zum Thema zu Wort meldet. Sie fordert sogar Auswirkungen auf das Zeugnis. Christian Stumpf ist der Ansicht, man sollte die Reinigungskosten auf die Eltern umlegen.

Überwachungssystem im Flur vor den Toiletten

Schulklo-Zwischenfälle stoßen nicht nur den Lehrern an betroffenen Einrichtungen bitter auf, wie solche Diskussionen in den sozialen Netzwerken zeigen. Fest steht: Guter Rat ist im Kampf gegen solches Schülerverhalten teuer.

Mit Kontrollen durch Hausmeister und Lehrer sowie einem Überwachungssystem im Flur vor den Toiletten versucht die Gesamtschule Hungen ungewünschte Vorfälle einzuschränken. Zumindest zeitweise mit Erfolg, denn "im Moment haben wir ein bisschen Ruhe", sagt Lamotte.

An der Anne-Frank-Schule in Linden sind die Toiletten im Klassentrakt immer verschlossen. Wer während des Unterrichts muss, wird vom Lehrer registriert und erhält einen Schlüssel. In den großen Pausen stehen die Toiletten im Hof offen, doch die Aufsicht ist angehalten, regelmäßig reinzuschauen. Ein grundsätzliches Toiletten-Problem sieht die stellvertretende Schulleiterin Annegret Schilling nicht, gibt aber zu: "Ohne Kontrolle geht es nicht."

147 Reinigungskräfte im Einsatz

Kontrolliert wird auch die Arbeit der Reinigungskräfte, 147 hat der Landkreis derzeit in seinen Schulliegenschaften im Einsatz. Kontrolliert werden diese "individuell nach Bedarf", wie die Kreis-Pressesprecherin sagt. Zudem würden Reinigungsmängel seitens der Schulen gemeldet. Bartz: "Speziell hierfür wurde ein Funktionspostfach Reinigung im Servicebetrieb eingerichtet."

Kontrollen wie in Hungen oder Großen-Linden sind an der Gesamtschule Gleiberger Land kein Thema. "Solche Methoden funktionieren nur in der Theorie", findet Direktor Gabriel Verhoff. Den wahren Übeltätern sei so fast unmöglich beizukommen.

Zusätzliche Reinigungskraft finanziert von den Eltern

In Wettenberg setzt man deshalb auf absolute Sauberkeit und soziale Kontrolle. Will heißen: Eine zusätzliche Reinigungskraft, die von den Eltern finanziert wird, säubert die sanitären Anlagen vor und direkt nach den großen Pausen. Denn in dieser Zeit gehen die meisten der rund 560 Schüler aufs Klo.

Sind die Toiletten immer sauber, sei die Hemmschwelle für mögliche Übeltäter viel höher, sagt Verhoff. Zudem achteten die Schüler selbst darauf, dass sich niemand daneben benimmt. Das kennt auch der Leiter der Licher Erich-Kästner-Schule, Jürgen Vesely. Seitdem die Toiletten mit dem Neubau räumlich den Jahrgängen zugeordnet wurden, gebe es kaum noch Probleme. Zum einen, weil die Schüler sich beobachteter fühlen, zum anderen, weil sie Wert darauf legen, dass "ihre" Toiletten in Ordnung sind.

So lange es Gemeinschaftstoiletten gibt, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen

Michael Kramer

Also weg vom Schulklo auf dem Pausenhof? Für Michael Kramer, Leiter der Grundschule Lollar, die einzige Möglichkeit, das Dauerproblem irgendwann in den Griff zu bekommen. Er hat schon viele Diskussion zum Thema geführt, gibt einmal jährlich ein Rundschreiben an die Eltern heraus und kontrolliert selbst regelmäßig die Stillen Örtchen. Kramer: "So lange es Gemeinschaftstoiletten gibt, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen."

Zwischenruf von Christina Jung

Wie man Toiletten zu benutzen hat, sollten Kinder zu Hause lernen

Wenn Kinder müssen, kann schon mal was daneben gehen. Eltern kennen das. Ein Tröpfchen Urin auf der Klobrille nimmt vermutlich auch in der Schule niemand übel, wenn es vom Verursacher wieder entfernt wird. Dass aber etwa die Toilette mit Papierrollen verstopft und dann geflutet wird, geht natürlich gar nicht. Vor allem dann nicht, wenn sich Lehrer immer wieder mit derlei Vorfällen auseinandersetzen müssen. Denn ihre vornehmliche Aufgabe sollte die Bildung ihrer Schützlinge sein, nicht deren Erziehung. Wie man Toiletten zu benutzen hat, sollten Kinder zu Hause lernen. Ebenso, dass pubertärer Protest Grenzen hat. Denn daheim möchte auch niemand zuerst den Putzlappen schwingen müssen, bevor er den Weg zum Stillen Örtchen antritt.

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