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Der Reiskirchener und die Erinnerungen an die Abenteuer in den Stollen unterm Lindener Oberhof

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Vor Kurzem berichteten wir in der Reihe "Von oben" über den Lindener Oberhof. Kurz darauf erhielten wir Post von Alfred Fischer aus Reiskirchen. In einem handgeschriebenen Brief schildert er seine Erinnerungen aus Kindertagen an den Oberhof. "Als Buben (zirka 1955) sind wir zu dritt, zwei Schulkameraden und ich, in einen Bergwerks-Stollen hineingegangen, dessen Eingang sich im Wald hinter den Gailschen Tonwerken befand." Die Fahrräder wurden im Stollen geparkt, damit niemand die drei Abenteurer bemerkte. Mit Taschenlampen und Gummistiefeln ausgerüstet, ging es ins Bergwerk.

"Der Stollen teilte sich nach weiteren zirka 500 Metern nach links und rechts. Bei unserem ersten Besuch gingen wir nach rechts hinein", schreibt Fischer. "Nach kurzem Stück kamen wir an einen Stolleneinbruch, der aber bereits durchgegraben war. Ein Stück weiter standen wir in einer großen Wasserlache. Aus einer Rohrleitung spritzte Wasser. Es war die Wasserversorgung zum Unterhof."

Nach diesem ersten Abenteuer zog es die Jungen wieder in den Stollen. Beim zweiten Besuch gingen die jungen Abenteurer damals den zweiten Stollen entlang. "Nach einem längeren Stück kamen wir an einen Treppenaufgang, der mit zirka 60 Treppenstufen wendeltreppenartig nach oben führte. Oben war dieser mit dicken Bohlen abgedeckt." Natürlich wollten die Jungen sehen, was oberhalb war. "Durch einen kleinen Spalt sahen wir Tageslicht und hörten Kinder spielen. Wir verhielten uns daher ruhig. Wir waren offensichtlich am Oberhof herausgekommen."

Fischer gesteht, dass die Eltern von dem Abenteuer nichts erfuhren - da es ja "teilweise sehr gefährlich war". Ein dritter Versuch, den Stollen zu besuchen, scheiterte. "Als wir zum Stolleneingang kamen, waren Bauarbeiter damit beschäftigt, den Stolleneingang zu verschließen. Sie fragten uns, was wir dort wollten."

Als später der Gießener Ring gebaut wurde, tauchte der geheime Stollen noch mal auf, erinnert sich Fischer. Damals brach der Stollen zum Unterhof ein. Durch die Verfüllung des Unterhofes sei ein neuer See im Bergwerkswald ent- standen. "An dessen Grund endete früher ein Stollen." Ein Nachmachen dieser Abenteuer ist also nicht mehr möglich. (bpf/Foto: Henß)

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