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Raubkatzen und Artistik: Circus Weisheit kommt nach Linden

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  • Patrick Dehnhardt
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Der Circus Weisheit kommt nach LInden. Akrobatik und Tiernummern gehören zum Programm. Der Tierschutz – inbesondere bei den Tigern – ist dem Familienbetrieb besonders wichtig.

Vier Frauen um sich, den ganzen Tag wahlweise in der warmen Sonne oder dem kühlen Schatten dösen können und ab und zu kommt jemand vorbei, der mit einem lustige Spiele macht, damit auch keine Langeweile aufkommt: Tiger-Kater Sahib hat es wirklich nicht schlecht getroffen. Er ist einer der tierischen Stars des Circus Manuel Weisheit, der ab Freitag, 10. Mai, in Linden gastiert.

Während seine Artgenossen in freier Wildbahn sich Revierkämpfen in einem aufgrund der Menschen jeden Tag kleiner werdenden Lebensraum stellen und teils die Reservate verlassen müssen, um auf Nahrungssuche zu gehen, kriegt Sahib sechsmal die Woche seine Portion Fleisch frei Haus serviert. Sonntags wird gefastet – schließlich fängt der Tiger auch in freier Natur nicht jeden Tag etwas. Diese Pause tut den Tieren und vor allem ihrem Verdauungstrakt gut. Einziger Wehmutstropfen: Damit der Circus nicht in Tiger-Babys untergeht, ist der Kater kastriert. Was ihn jedoch nicht abhält, auch einmal ausgiebig zu kuscheln – wenn da zwischen den rund 20 Stunden Schlafen und Dösen noch Zeit für bleibt.

Dreimal mehr Platz als vom Gesetzgeber gefordert

Sascha Prehn arbeitet seit über 20 Jahren mit den Tigern. Er freut sich, wenn es den Tieren gut geht. Darum hat er ihnen auch einen dreimal so großen Auslauf aufgebaut, wie es die gesetzlichen Vorgaben vorsehen, inklusive kleinem Swimming-Pool. Moment, sind Katzen nicht eigentlich wasserscheu? "Tiger und Jaguar sind die einzigen Katzenarten, die Wasser lieben", erklärt Prehn.

Besonders Tigerdame Bavati ist ihm ans Herz gewachsen – kein Wunder, ist sie doch in seinem Wohnwagen groß geworden. Mittlerweile hat sie jedoch in der Tiger-WG mit Jill, Ilaria und Shiva sowie Sahib einen eigenen Zirkuswagen. Die Namen sind bewusst exotisch klingend gewählt, sollen etwas von der Zirkus-Magie versprühen – das wäre bei einem Tiger namens Günther weniger der Fall.

Tiger in Freiheit stark bedroht

Die Tiger im Circus Weisheit sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, ebenso wie ihre Eltern und Großeltern: Seit 1968 ist es verboten, Tiger in freier Wildbahn zu fangen. Es handelt sich bei den Zirkustieren somit um Nachzuchten. Das Schicksal der Tiger in freier Wildbahn lässt Prehn den Kopf schütteln: "Ich ärgere mich, dass nichts in Indien gemacht wird, damit die Tiere mehr Platz haben." Er befürchtet, dass es irgendwann einmal nur noch Tiger in Zoos, Tierparks und im Zirkus geben könnte.

Während in Zoos die Tiere das Risiko haben, mangels Beschäftigung Verhaltensauffälligkeiten wie ständiges Kreislaufen zu entwickeln, ist bei den Tigern im Circus Weisheit davon nichts zu erkennen. Kein Wunder: Jeden morgen übt Prehn mit den Tieren. Katzen sagt man nach, dass es kaum möglich wäre, mit ihnen Kunststücke einzustudieren. Das gilt auch ein stückweit für die große gestreifte Version: "Sie haben ihren eigenen Kopf", sagt Prehn. Mit vielen Belohnungen und ebenso viel Geduld lassen sich ihnen aber dennoch Tricks beibringen.

Zehn Kilo Fleisch pro Tag

Ein ausgewachsener Tiger verputzt übrigens pro Tag zwischen acht und zehn Kilogramm Fleisch, hauptsächlich Rind und Geflügel. Dass Training ist darum auch ein stückweit Ersatz für die Jagd, um die Tiere in Bewegung zu halten.

Tiger im Zirkus und Zoos sind bei Tierschützern teils umstritten. Sie kritisieren, die Haltung sei nicht artgerecht, die Tiere würden aus Langeweile viel zu viel schlafen. Die Zoos halten dem entgegen, dass die Raubkatzen in freier Natur auch 20 Stunden pro Tag schlafen, das Verhalten also normal sei. Prehn und Tim Thomsen, Pressesprecher des Circus Weisheit, setzen auf Transparenz und Gespräche mit Tierschützern. "Unsere Tiere kann man sich jederzeit angucken und uns Fragen stellen", sagt Thomsen.

Der Circus Weisheit ist ein Familienbetrieb mit rund 30 Personen vor und hinter den Kulissen. Das rund zweistündige Programm unter der zehn Meter hohen Zirkuskuppel bietet neben der Tigervorführung einen Mix aus Akrobatik, viel Artistik und einem Feuerschlucker. Lamas, Ponys und Schlangen sind die weiteren tierischen Stars. Die Zirkusshow soll Besucher jeden Alters verzaubern. Tim Thomsen sagt: "Wenn die Erwachsenen genauso begeistert sind wie die Kinder, dann haben wir alles richtig gemacht."

Der Circus Weisheit öffnet die Manege am Freitag, 10. Mai, um 17 Uhr auf dem Areal am Netto-Markt in der Kurt-Schumacher-Straße. Er ist hier bis einschließlich Sonntag, 19. Mai, zu Gast. Vorstellungen gibt es freitags um 17 Uhr, samstags um 15 und 19 Uhr sowie sonntags um 15 Uhr. Tickets kosten 14 und 22 Euro, für Kinder zwischen 10 und 18 Euro. Für die 19 Uhr-Vorstellung samstags kosten alle Tickets 10 Euro pro Person. Karten gibt es im Vorverkauf unter 0174/49 89 286.

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