Uli Heymann organisiert seit 20 Jahren die Ausstellungsreihe "Galerie im Rathaus". ARCHIVFOTO: KGG
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Uli Heymann organisiert seit 20 Jahren die Ausstellungsreihe "Galerie im Rathaus". ARCHIVFOTO: KGG

Plötzlich Dauerausstellung

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Seit 33 Jahren präsentieren sich Künstler in der Reihe "Galerie im Rathaus" in der Lindener Verwaltung, wechseln mehrmals im Jahr die Bilder an den Wänden. Covid-19 hat dafür gesorgt, dass der im Januar eröffnete 158. Zyklus zur Dauerausstellung wurde. Organisator Uli Heymann geht davon aus, dass es frühestens im Frühjahr 2021 mit der Reihe weitergehen kann.

Es gibt Rathäuser, da kennt man die Bilder an der Wand noch vom letzten Besuch vor zehn Jahren. In Linden ist dies anders: Seit 1987 gibt es die Reihe "Galerie im Rathaus", wechseln mehrmals im Jahr die Ausstellungen.

Am 22. Januar wurde der 158. Zyklus mit Werken des Lindener Fotografen Klaus Müller und seiner Frau Catherine Müller-Friebel eröffnet. Das Duo "Summertimes" umrahmte die Vernissage musikalisch. Eigentlich war alles wie immer. Für die nächste Ausstellung Anfang April standen schon Künstler bereit.

Dann kam Corona. Das Rathaus wurde für den Besucherverkehr gesperrt, die Ausstellung konnten nur noch die Mitarbeiter der Verwaltung sehen, die nicht im Home Office arbeiteten. Eine vergleichbare Situation hat es in 33 Jahren Ausstellungsgeschichte nicht gegeben, sagt der ehrenamtliche Organisator Uli Heymann im Telefongespräch mit dieser Zeitung.

1987 war es, dass Hans Kurt Luh (†) die Idee hatte, die Wände des neuen Lindener Rathauses für wechselnde Kunstausstellungen zu nutzen. Er wollte den Teilnehmern von Volkshochschulkursen sowie professionellen wie auch Hobbykünstlern aus der Region eine Plattform bieten. Es sollte jedoch keine Dauerausstellung werden, stattdessen sollten die Werke regelmäßig wechseln, um zum einen keine Langeweile aufkommen, zum anderen möglichst viele Künstler zum Zuge kommen zu lassen.

Seit der Premiere folgten 158 Ausstellungen. Dabei achteten die Ausstellungsmacher stets auf Abwechslung - also dass beispielsweise nicht auf Landschaftsmalereien gleich wieder Landschaftsmalereien folgen.

Heymann, der als Standesbeamter sowie bis 2015 als Hauptamtsleiter in der Lindener Verwaltung tätig war, half schon früher bei den Ausstellungen mit und übernahm 2000 die Organisation. Die Künstler stehen Schlange, berichtet er: "Die Warteliste ist immer größer geworden." Anfang des Jahres hatte er die nächsten Zyklen bis zum 23. November 2022 bereits terminiert. "Bis dahin war alles belegt." Nun ist dieser Plan hinfällig, die Eröffnung des 159. Zyklus auf unbestimmte Zeit verschoben.

Zumindest sind die Wände im Rathaus derzeit nicht verwaist: Da es auch sonst nirgends Ausstellungsmöglichkeiten gab, ließen Müller und Müller-Friebel ihre Werke länger hingen. Es dürfte mit weit über einem Jahr Ausstellungsdauer der längste Zyklus in der Reihe "Galerie im Rathaus" werden.

Dass ein anderer Künstler nun neue Bilder aufhängt, macht aus Heymanns Sicht aus mehreren Gründen keinen Sinn. "Der Besucherverkehr ist derzeit nur mit Anmeldung möglich. Da könnte keiner die Ausstellung besuchen." Zudem würden die Künstler jahrelang darauf warten, endlich dort ausstellen zu dürfen. Die Vernissage mit musikalischer Umrahmung sei stets ein Höhepunkt. "Man könnte auch sagen: Man hängt was hin und die Leute können gucken. Aber dann würde diese Eröffnung fehlen."

Heymann hofft, dass die Fallzahlen bis zum Frühjahr 2021 so sinken, dass es mit der "Galerie im Rathaus" weitergehen kann. Notfalls könnte dann die Vernissage mit Musikprogramm auf dem Rathausvorplatz stattfinden, wo sich die Abstandsregeln leichter als im Gebäude einhalten lassen. "Derzeit kann man die Leute nicht draußen hinstellen."

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