Während vorne gebaggert wird, rauscht hinten ein ICE an Linden vorbei. FOTO: PAD
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Während vorne gebaggert wird, rauscht hinten ein ICE an Linden vorbei. FOTO: PAD

In naher Zukunft kein drittes Gleis

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Linden(pad). Der Bahndamm zwischen Großen-Linden und Forst ist gewaltig. An einigen Stellen erhebt er sich zwölf Meter über das Gelände. Umso beeindruckender ist dies, da er vor 168 Jahren fast ausschließlich in Handarbeit errichtet wurde. "Es ist kein natürlicher Erdkörper", verdeutlichte Mohammad Sayahzadeh, Projektleiter Bahndammsanierung, den rund drei Dutzend Besuchern bei einem Ortstermin am Montagnachmittag.

Arbeiten kosten 6,6 Millionen Euro

Nach über anderthalb Jahrhunderten bereitet der Bahndamm bereits seit einiger Zeit Probleme. Aufgrund des weichen Untergrunds sackt er an einigen Stellen ab. In der Vergangenheit wurden diese Schäden nachverfüllt. Doch inzwischen ist eine umfassende Dammsanierung notwendig geworden, erklärte Sayahzadeh. Die Arbeiten sollen noch bis Sommer 2021 andauern und rund 6,6 Millionen Euro kosten.

Nach 168 Jahren war jedoch nicht nur manchen Lindener Bürgern, sondern vor allen Dingen vielen Tieren und Pflanzen nicht klar, dass der Bahndamm ein menschengemachtes Bauwerk ist. Unter anderem hatten Schlingnattern dort ihre Heimat.

Darum musste die DB Netz AG zusammen mit den Umweltbehörden ein Renaturierungskonzept entwickeln, bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen konnten. Die Schlingnattern wurden umgesiedelt, für gefällte Bäume soll es nach Abschluss der Arbeiten Neupflanzungen geben, wie Sayahzadeh erläuterte.

Die anwesenden Lindener Bürger fragten nach, ob mit der Bahndammsanierung auch der Bau eines dritten Gleises zwischen Gießen und Friedberg vorbereitet werde. Bürgermeister Jörg König erklärte, dass beim frisch gebauten Viadukt zwischen Gewerbegebiet und Forst die Bahn nur Platz für zwei Gleise geschaffen habe. "Ich war da auch erstaunt", sagte der Bürgermeister. Auch die neuen Brücken der A 485 über die Bahnstrecke Gießen-Friedberg bieten nur Platz für zwei Schienenstränge. König sieht darin ein deutliches Zeichen: "Wir werden es nicht mehr erleben, dass ein drittes Gleis hier durchgeht."

Ein weiteres Thema, das bei dem Ortstermin vor allen Dingen die Anwohner aus Forst beschäftigte, ist der Lärmschutz. Sie fragten nach, ob im Zuge der Bahndammsanierung auch Lärmschutzwände errichtet werden. Projektleiter Sayahzadeh sagte dazu, dass diese nach den deutschen Gesetzen und Vorschriften an dieser Stelle nicht notwendig wären, die Bahn daher auch für solche Bauwerke kein zusätzliches Geld in die Hand nehmen könne.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Bahnstrecke zuerst da war. Die Siedlung Forst wurde von der Gemeinde Großen-Linden erst um das Jahr 1965 ausgewiesen. Da war der Bahndamm schon über 110 Jahre alt.

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