Nach Ende der Sportlerkarriere auf die schiefe Bahn geraten

  • Patrick Dehnhardt
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Linden/Gießen(pad). Im Januar hatte die Polizei in Linden bei einer Kontrolle im Auto eines 27-jährigen Slowaken rund 46 Gramm Crystal Meth, eine Machete und ein Cutter-Messer gefunden. Das Gießener Landgericht verurteilte ihn am Mittwoch wegen unerlaubter Einfuhr und dem Besitz von Drogen zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung.

Zunächst standen auch der Vorwurf des bewaffneten Drogenhandels und der bewaffneten Einfuhr im Raum. Richter Heiko Söhnel schaute sich deshalb zu Beginn des zweiten Verhandlungstages das im Seitenfach der Fahrertür gefundene Cutter-Messer sowie die im Kofferraum gelagerte Machete an. Der Angeklagte hatte erklärt, das Messer beruflich zum Öffnen von Paketen zu benötigen. Mit der Machete habe er im Garten seiner Oma Pflanzen geschnitten, diese dann im Wagen vergessen. "Scharf ist die auch nicht", stellte Söhnel beim Betrachten der Machete fest.

Staatsanwältin Nathalie Dohmen wollte die Geschichte mit der Gartenarbeit bei Oma nicht glauben: "Das klingt nach Schutzbehauptung." Da die Machete jedoch total stumpf und verrostet gewesen sei und sich auch nicht beweisen ließ, dass das Cutter-Messer als Waffe genutzt werden sollte, wurde dieser Punkt fallen gelassen.

In der Vernehmung bei der Polizei hatte der Angeklagte T. zunächst ausgesagt, dass er das Crystal Meth von der Slowakei nach Linden transportiert habe, um dort die Drogen zu übergeben. Dafür sei ihm ein Transportlohn versprochen worden. Vor Gericht hatte T. dann ausgesagt, dass das Crystal Meth für den Eigenbedarf gewesen sei.

Dohmen sah die zweite Aussage als glaubwürdiger an. Dass T. einige Tage nach dem Kauf 750 Euro an den Dealer überwiesen habe, passe nicht zur Version des bezahlten Drogenkuriers. Letztlich blieben die Einfuhr und der Besitz von Drogen. Da sie keine günstige Sozialprognose sah, plädierte die Staatsanwältin für eine Haftstrafe ohne Bewährung.

Verteidiger Oliver Peusch plädierte für zwölf Monate Haft auf Bewährung. T. sei bislang nicht straffällig gewesen, wolle mit seiner Freundin leben und arbeiten. Dies sei eine günstige Sozialprognose.

Der Angeklagte selbst entschuldigte sich bei der Polizei und dem Gericht für seine Taten: "Der Drogenkonsum hat mich langsam, aber sicher ins Verderben geführt." Das Leben mit seiner Freundin sei ihm wichtiger als die Drogen.

Das Gericht sah ebenfalls eine positive Sozialprognose. Richter Söhnel führte aus, dass T. nach dem Scheitern seiner Karriere als Leichtathlet in der Slowakei mit den Drogen in Kontakt gekommen sei. Trotz seiner Sucht sei er lebensfähig gewesen und einer Arbeit nachgegangen. Zudem habe T. mit seiner Aussage gegen sich selbst zur Aufklärung der Tat beigetragen.

Strafmildernd hätten sich die Bedingungen der Untersuchungshaft ausgewirkt: Sechs Monate unter Corona-Bedingungen, ohne Besuch oder Telefonate mit der Freundin. Söhnel sagte: "Sechs Monate U-Haft sind nicht wenig, wenn man sonst nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Diese verschärfte U-Haft sehen wir als motivierenden Faktor an, den Angeklagten zur Abstinenz zu motivieren."

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