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Robert Kraft

Von der "Moddersproch"

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Linden(gdp). Dass der monatliche "Mundart-Stammtisch" des Leihgesterner Heimatvereins seit Sommer diesen Jahres die Bürger zum "Heimatstuben-Gespräch" einlädt, mag manchen "Plattschwätzer-Begabten" anfangs irritiert haben. Beim letzten "Heimatstuben-Gespräch" in diesem Jahr waren die Themen und Geschichten ebenso bunt und vielfältig wie der in "Laastern" (Leihgestern) gesprochene und gehörte Sprachenmix von "Hochdeutsch", "Hessisch-Gebabbel" und "Laasterner-Platt".

Dabei kam die sonst in der Stammtisch-Überschrift hervorgehobene "Mundart" keinesfalls zu kurz, sondern erheiterte und lehrte die Anwesenden die Geheimnisse der Vokale und Klangfärbungen dieser "Moddersproch" (Muttersprache), wenn Vorsitzender Hans Joachim Häuser in seiner ihm eigenen Art als Übersetzer aktiv wurde.

Der bei diesem Heimatgespräch anwesende 86-jährige Pfarrer i. R. Robert Kraft spannte dabei den Erzählbogen von seinem Geburtsort Leihgestern in seine 110 Kilometer entfernte "Wahlheimat" Nieder-Olm, wo er 50 Jahre lebte und als evangelischer Pfarrer tätig war. Mit seiner Aussage: "Da war ich zu Hause" - un hey soi ich dehoam", spürte nicht nur der "Mundartbegabte" den feinen "Nuancenunterschied". Denn die unterschiedlichen Lebensräume, Gewohnheiten und Sichtweisen beeinflussen den Alltag.

Darüber hinaus waren auch die Herzen der anderen anwesenden Leihgesterner Bürger von Erzähl- und Gesprächslust derart gefüllt, sodass reine oberhessische Mundartgedichte mal nicht zum Vortrag kamen. Dies tat aber der Stimmung keinen Abtrag. Umso mehr beeindruckten Erzählungen von Geschichten und Erlebnissen aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhundert, die einen Teil des Lebens im "aale Laastern" umschrieben.

Mit dem neuen Titel "Heimatstuben-Gespräche" wolle man die Mundart pflegen, aber gleichzeitig auch die Gespräche unter den Bürgern in Gang bringen, erklärte das Vorstandsteam. Vielleicht trägt dazu in nicht allzu ferner Zukunft mal ein internationales "Laastener-Bürgergespräch" in der Heimatstube bei, mit Muttersprachen, die derzeit den "Eingeborenen" noch verborgen sind. FOTO: GDP

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