sued_Bauausschuss_Linden_4c
+
Am kommenden Dienstag fällt im Stadtparlament die Entscheidung über die weitere Bebauung der Sudetenstraßen in Großen-Linden. Im Bauausschuss kamen jetzt die Gegner nochmals zu Wort.

Mehrheit für Bauvorhaben

  • VonConstantin Hoppe
    schließen

Linden (con). Das umstrittene Bauvorhaben »Am Bahnhof« in Großen-Linden war jetzt Thema im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt. Dabei durften auch die Gegner des Vorhabens ihre Argumente nochmals darlegen. Die Ausschussmitglieder stimmten den Plänen mehrheitlich zu, die endgültige Entscheidung fällt das Stadtparlament kommende Woche.

Die Sitzung des Bauausschusses am Dienstag war alles andere als gewöhnlich: Nachdem in der vergangenen Woche eine eingeschobene Sitzung des Gremiums aus formellen Gründen ausgefallen war, wurde die Tagesordnung mit der turnusgemäß angesetzten Zusammenkunft in dieser Woche zusammengelegt. Zahlreiche Gäste aus den Reihen der Bürgerinitiative »Grüne Sudetenstraße« waren dabei - und das trotz des zeitgleich laufenden EM-Fußballspiels Deutschland gegen England. Alleine das wies auf das Engagement der Initiative gegen das geplante Baugebiet »Am Bahnhof« hin.

Und auf Anregung des Bauausschussvorsitzenden Burkhard Nöh (CDU) konnten in dieser Sitzung die Gegner der Planungen ihre Argumente vorbringen, wenn es auch letztlich eine Entscheidung für das Vorhaben gab.

Bei zwei Gegenstimmen der SPD-Fraktion gab der Ausschuss mit sieben Jastimmen eine klare Beschlussempfehlung ab. Sollte die Stadtverordnetenversammlung dieser am nächsten Dienstag folgen, geht das Verfahren in die zweite Offenlage.

BI-Sprecher und Planer Norbert Bischoff bezog im Ausschuss Stellung: Sei es der Erhalt der Grünflächen, der Artenschutz, der Emissionsschutz, die befürchtete Zunahme des Verkehrs in dem bestehenden Wohnquartier oder auch die Größe des Bauprojekts, all das macht der Bürgerinitiative Sorgen. Von der »dichtest möglichen Bebauung aller Zeiten«, war die Rede. »Wir sind gegen diese massive Bebauung«, erklärte BI-Vertreter Bischoff.

Geplant ist ein 275 Meter langer, mehr oder weniger geschlossener Baukörper, in dem bis zu 130 Wohneinheiten unterkommen sollen. Doch die Bürgerinitiative konnte mit ihrer Kritik bereits einige Erfolge erzielen, denn der Projektentwickler Revikon GmbH um Daniel Beitlich hat die ursprünglichen Pläne mittlerweile deutlich verändert: Statt einer zweiten Reihe an Gebäuden, soll der dortige Grünstreifen zu großen Teilen erhalten bleiben und eine Art grünes Band zwischen der bestehenden Bebauung und dem geplanten Projekt darstellen. Von den 108 aktuell verzeichneten Bäumen könnten 70 erhalten bleiben, erklärt der beauftragte Stadtplaner Holger Fischer, der gemeinsam mit dem Architekten Felix Feldmann und Projektentwickler Daniel Beitlich das Vorhaben verteidigte.

Zudem sei die Grünfläche dort nur entstanden, da Gärten aufgegeben worden seien. Auch die gefundenen 28 Vogelarten - zwei davon gelten als selten - seien kein Hindernis für das Projekt, wie Fischer erklärte: »Der Artenschutz steht der Aufstellung eines Bebauungsplans nicht im Wege, da es nicht um dauerhaft ansässige, sondern mobile Arten geht.«

Auch der Lärmschutz stellt eine Herausforderung dar. Nur wenige Meter von den Hauswänden entfernt verläuft die Bahnstrecke - und es könnte in Zukunft sogar die Erweiterung um ein drittes Gleis geben. In Richtung der Bahnschienen im Osten sind deshalb Schallschutzfenster geplant. Außerdem wird sich auf der Seite ein Flur durch das Gebäude ziehen, über den die einzelnen Wohneinheiten zu erreichen sind, erklärte Feldmann.

Jede Wohneinheit soll zudem einen Aufenthaltsraum in Richtung Westen bekommen, in dem sich die Fenster selbstverständlich öffnen lassen. Zudem soll jeder Raum belüftbar sein - selbst wenn es keine Fenster nach außen gibt.

Auch die Verkehrszunahme wird aus Sicht der Planer nicht so hoch ausfallen wie befürchtet: Eine Zunahme von 404 Pkw-Fahrten pro Tag wird nach einem Gutachten prognostiziert. »Andernorts werden bis zu 400 Fahrzeuge pro Stunde noch als akzeptabel angesehen - davon sind wir weit entfernt«, erklärte Fischer.

Doch das heißt nicht, dass man hier nicht noch für Verbesserungen sorgen könnte: Hendrik Lodde (CDU) fragte, ob denn eine Verbindung der Gebäude zum Bahnhof und von dort in Richtung der Bahnhofstraße und Im Boden möglich sei - das könnte den Verkehr auf der Sudetenstraße entlasten. Über eine Schranke könnte die Nutzung nur für die Bewohner der Gebäude gewährleistet werden, sagte Lodde. Planer Fischer versprach anschließend, die Anregung zu überdenken.

Dirk Hansmann (SPD) merkte zum Verkehrsgutachten an, dieses sei im vergangenen Jahr erfolgt. »2020 wurden aber im öffentlichen Nahverkehr 285 Millionen Personen weniger gefahren. Bei der Bahn waren es zwei Millionen Fahrgäste - ich würde mit den Zahlen vorsichtig sein, auch wenn wir alle auf eine Zunahme des Homeoffice hoffen.«

Vonseiten der Grünen und der SPD folgten noch zahlreiche Nachfragen und Anregungen, die bis zur Stadtverordnetenversammlung am Dienstag in die Planungen eingearbeitet werden sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare