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Die Schranke im hinteren Abschnitt des Mittelwegs nahe der Firma Tucker könnte laut Ordnungsamt der Stadt Linden durch Poller ersetzt werden.

»Mehr Pferde als Fahrradfahrer«

  • VonStefan Schaal
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Anwohner haben zu der Idee der Stadt Linden, im Mittelweg eine Fahrradstraße einzurichten, Stellung genommen. Sie weisen auf ein bereits »akutes Parkplatzproblem« in der Straße hin.

Es wäre nach Buseck eine der ersten Fahrradstraßen im Kreisgebiet außerhalb Gießens: Im Lindener Mittelweg sollen Radfahrer zukünftig von Autos nicht mehr überholt werden dürfen. Anwohner haben nun im Rahmen einer Video-Konferenz auf Einladung der Stadt zu dem Vorhaben Stellung genommen - und Skepsis geäußert.

»Wir sollten die Realität anerkennen«, sagte ein Anlieger. Die Not an Parkplätzen sei im Mittelweg bereits jetzt »akut«. Wenn die Stadt das Parken nun nur noch auf markierten Flächen zulasse, werde es für viele Anlieger problematisch. »Die eingezeichneten Flächen reichen schon jetzt nicht. Ich sehe Knöllchen auf mich zukommen.«

Tim Schneider, der Leiter des Ordnungsamts der Stadt Linden, hatte zuvor die Pläne für die Fahrradstraße erläutert. Autos werden weiter durch den Mittelweg fahren können, Fahrräder sollen dort dann aber Vorfahrt erhalten. Eine Schranke nahe der Firma Tucker könnte Schneider zufolge durch Poller ersetzt werden. Anfang kommenden Jahres könnten Schilder aufgestellt und der Mittelweg mit einer farblichen Markierung als Fahrradstraße gekennzeichnet werden.

In Fahrradstraßen sind maximal 30 km/h erlaubt, diese Höchstgeschwindigkeit gilt im Mittelweg aber bereits. »Eigentlich ändert sich nichts«, sagte ein Kollege Schneiders. »Außer dass man nur noch in gekennzeichneten Flächen parken darf.«

Darauf allerdings konzentriert sich die Kritik der Anwohner. Viele befürchten, dass nun Möglichkeiten wegfallen, ihr Auto abzustellen. Tatsächlich ist die Straße regelmäßig bis auf die letzte Lücke zugeparkt. Auch an Stellen, an denen keine Markierungen existieren. Zwar sollen nahe der Gießener Pforte Parkflächen, deren Markierung verblasst sind, neu eingezeichnet werden. Schneider räumte allerdings ein, dass damit das Wegfallen von Parkraum »im besten Falle« ausgeglichen werde.

»Warum soll eine Fahrradstraße ausgerechnet im Mittelweg eingerichtet werden?«, fragte ein Anwohner. »Fahrräder sieht man hier so gut wie nie. Den Mittelweg passieren mehr Pferde als Radfahrer.« Letztere seien daher kaum gefährdet, müssten mit der Schaffung einer Fahrradstraße auch nicht geschützt werden. Schneider wies darauf hin, dass der Mittelweg zur fahrradtouristischen Lahn-Limes-Route gehört. Die Idee, dort eine Fahrradstraße auszuweisen, »passt gut ins Gesamtbild«.

Zur Sprache kam auch, dass man Parkplätze doch auf einer Schotterfläche nahe der Firma Tucker ermöglichen sollte. Dies ist allerdings unwahrscheinlich. Das fragliche Gelände ist in Privatbesitz der Firma Alternate. Mit dem Unternehmen habe man sich noch nicht über die Schotterfläche unterhalten, sagte Schneider.

An der Videokonferenz nahmen auch Mitglieder der Klimainitiative Linden teil. Eine Fahrradstraße »würde die Sicherheit für alle erhöhen«, sagte Dr. Sandra Herrmann. Dies sorge dafür, dass sich Menschen eher trauen, aufs Rad zu steigen.

Man solle eine Fahrradstraße einfach ausprobieren, sagte Dr. Barbara Ibe, die für die Grünen in Lindens Stadtparlament sitzt. Sie habe Verständnis für Befürchtungen der Anwohner. Doch die Angst vor Knöllchen sei unbegründet. »Die Stadt hat doch gar nicht die Kapazität, dort das Parken zu kontrollieren.«

Der Vorschlag eines Anwohners aus der Videokonferenz wurde indes aufgegriffen. Die Stadt will im Januar eine Ortsbegehung mit Anwohnern organisieren. Danach will sie entscheiden, ob es im Mittelweg eine Fahrradstraße geben wird.

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