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Es wäre verwunderlich, wenn der Wind selektiere, welches Plakat er von den Wänden wehe, sagt eine Teilnehmerin. SRS

Mahnwache vor Plakatwand

  • vonStefan Schaal
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Linden (srs). Gut 20 Menschen haben am Samstag vor der Plakatwand an der Volkshalle in Leihgestern eine Mahnwache gehalten. Nachdem wiederholt Wahlplakate des Ausländerbeirats von den Wänden in Linden verschwunden waren und der Vorsitzende des Gremiums Rassismus als Motiv vermutet, erklärten die Teilnehmer der Mahnwache, sie wollen dem Ausländerbeirat Solidarität erweisen.

Gleichzeitig mahnt der Leiter des Lindener Ordnungsamts, Tim Schneider, zu Vorsicht bei der Suche nach den Gründen für das Fehlen der Plakate und warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Kommunikationsfehler habe dafür gesorgt, dass der Ausländerbeirat die Plakte zunächst an einer falschen Stelle angebracht hatte, berichtet Schneider.

In Linden verzichten die Parteien in diesem Jahr im Wahlkampf auf Werbung an Straßenlaternen, Bäumen und Bauzäunen, stattdessen haben sie sich auf zwölf zentrale Stellwände mit jeweils 18 nummerierten Flächen für Plakate geeinigt. Im Gespräch habe das Ordnungsamt dem Ausländerbeirat zuerst die Nummer 13 der Flächen gewährt, sagt Schneider. Dann aber habe es weitere Anmeldungen für die Plakatwände gegeben, in der schriftlichen Genehmigung wurde dem Ausländerbeirat daher schließlich die Nummer 15 zugeteilt. Der Vorsitzende des Gremiums, Abraham Abrahamian, tackerte die Plakate anfangs dennoch fälschlicherweise auf die Position 13, wo nun allerdings die AfD plakatiert.

Abrahamian räumt den anfänglichen Fehler ein. Das ändere aber nichts daran, dass der Ausländerbeirat danach zweimal die Plakate an der richtigen Stelle der zwölf Wände befestigt hat und sie beide Male jeweils kurz darauf wieder verschwunden waren, erklären sowohl der Vorsitzende des Ausländerbeirats als auch der Leiter des Ordnungsamts.

Schneider macht darauf aufmerksam, dass möglicherweise der Wind eine Rolle gespielt haben könnte und Plakate schlicht weggeweht worden seien. Diese Version mag Abrahamian allerdings nicht glauben. »Ein oder zwei Mal ja«, sagt der 67 Jahre alte Lindener. »Aber alle? Und dann gleich mehrfach?« Abrahamian schüttelt den Kopf. Die zwölf Plakatwände in Linden seien doch nicht komplett in der selben Richtung aufgestellt, fügt er hinzu. Verdächtigungen, wer hinter dem Verschwinden der Plakate stecken könnte, will Abrahamian nicht äußern. »Wir haben nie jemanden oder eine bestimmte Partei beschuldigt«, sagt er.

An der Volkshalle fehlten am Samstag an fünf Stellen der Plakatwand auch weitere Poster der kandidierenden Parteien. Das Relativieren sei indes der erste Schritt in der Diskriminierung von Menschen, sagte einer der Teilnehmer der Mahnwache. Eine andere erklärte in ironischem Ton, es wäre doch sehr verwunderlich, wenn der Wind selektiere, welches Plakat er von den Wänden wehe.

Unter den Teilnehmern der Mahnwache waren Lindener, Mitglieder des Ausländerbeirats der Stadt und auf Kreisebene sowie Linke und Grüne, die dem Ausländerbeirat als Privatpersonen ihre Solidarität bekundeten.

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