Jesu Beschneidung
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Jesu Beschneidung

Lokalhistorisch bedeutungsvoller Fund

Linden (no). Unter dem Aspekt einer lokalgeschichtlichen Bewertung darf man von einem sensationellen Fund sprechen, der kürzlich dem neunjährigen Arne widerfuhr, als er gemeinsam mit seinem Großvater Heinz-Lothar Worm und dem ebenfalls als Heimatkundler tätigen Hans-Jochem Schmitt im Glockenstuhl der Leihgesterner Kirche war, die dort Fotos machen wollten für die Broschüre zum 100-Jährigen des 1906/08 eingestürzten und wieder aufgebauten Gotteshauses in Leihgestern.

Der Junge war auf eine hölzerne Kiste gestoßen, in der unter Sackleinen und einer dicken Staubschicht 14 Ölgemälde lagerten - allesamt aus dem Jahr 1789, gemalt von D. Hisgen für die Armenbibel in der Kirche, die Verzierung der Empore mit markanten Motiven und Szenen aus der biblischen Geschichte. Dass es die Gemälde bis zum Einsturz gegeben hatte, war durch alte Fotos belegt und, laut Worm, durch eine Beschreibung der Kunstschätze des Großherzogtums Hessen im 19. Jahrhundert durch Pfarrer Strack. Doch 1908 beim Neuaufbau hatten die »Laas'terner« nur zwölf wieder verwendet. Der Rest hatte seither als verschollen gegolten.

Prof. Dr. Hermann Hinkel aus Allendorf an der Lahn, ehedem Kunstdozent an der Universität Dortmund, hatte eben eine Expertise über das Dutzend Gemälde in der Kirche gefertigt, als der Fund auftauchte. Sein Urteil musste er nicht revidieren: Es handele sich um volkstümliche Malerei auf recht hohem Niveau. Der Maler habe Begabung und Erfahrung gehabt, sei womöglich ein Autodidakt gewesen, habe sich unterschiedlicher Vorbilder bedient, die er etwa in Musterbüchern hätte einsehen könnte und auf die bestimmte Stilmittel hindeuteten. Für Lothar Worm sind es unbedingt »wunderschöne Beispiele bäuerlicher Kunst«.

Bemerkenswert nach Ansicht von Heimatkundler Worm, dem Leiter des örtlichen Heimatmuseums, ist die Tatsache, dass der Fund einerseits erstmals Auskunft gibt über das Alter aller Gemälde und über den Maler. »D. Hisgen pinxit 1789«, heißt es am unteren Rand des Bildes mit Mariä Verkündigung durch den Engel Gabriel. Und ebenfalls ist dort verzeichnet, dass die meist etwa 50 mal 70 Zentimeter großen Gemälde Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals restauriert worden sind.

Hisgen habe für die Leihgesterner Kirche zwei Bilder-Zyklen gemalt - Altes und Neues Testament. Die Verkündigung des Herrn sei wohl signiert, weil sie das erste Motiv der NT-Anfolge darstelle. Die weiteren, jetzt gefundenen Gemälde zeigen die Erschaffung der Eva aus einer Rippe des Abraham (Foto oben, rechts), Abrahams Isaak-Opfer, die Geburt Jesu, die Beschneidung des Kindes und - sehr beeindruckend - die Auferstehung des Herrn. Bezahlt wurde der Maler wohl von einem Mäzen, denn in den seit dem 30-jährigen Krieg lückenlos geführten Kirchenbüchern ist dazu keine Ausgabe verbucht.

Die der Kirchengemeinde gehörenden Werke und der weitere Umgang mit ihnen sind nun von unterschiedlichen Fachleuten zu bewerten: Restaurieren oder nicht? Konservieren?

Auf jeden Fall, so hofft Worm, werden sie beim Kirchweih-Jubiläum vom 15. bis 17. August zu sehen sein - allerdings hinter Glas und gut gesichert. »Es gibt Leute, die zahlen dafür horrende Preise«, weiß Worm. Ergo gibt es auch Leute, die solche Werke beschaffen...

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