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Die Siedlung Oberhof besteht eigentlich nur aus einem Straßenzug. Im Hintergrund ist die Autobahn 485 zu sehen.

"Von oben"

Der Boden am Lindener Oberhof hat viele Geheimnisse

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Die Siedlung Oberhof ist vom Bergbau geprägt. Dies sorgte schon einmal für ein schiefes Haus. Und was die US-Soldaten hier auf die Deponie gebracht haben, bleibt ein Rätsel.

Wer von Gießen nach Leihgestern fährt, kommt, kurz nachdem er die Autobahn 485 überquert hat, an einem kleinen grünen Schild vorbei, auf dem in gelben Buchstaben der Name "Oberhof" steht. Die kleine Siedlung war nie eine selbstständige Gemeinde, sondern gehört seit jeher zur Großen-Lindener Gemarkung. Der Namensvetter "Unterhof" liegt auf Gießener Gebiet.

Lindener Oberhof: Manganerz abgebaut

Der Oberhof spielte über ein Jahrhundert lang eine bedeutende Rolle: Auf dem Gebiet befand sich die bedeutendste Manganerzlagerstätte in Deutschland. 1843 wurde hier mit dem Abbau begonnen. Der Heimatkundliche Arbeitskreis Linden hat die Geschichte des Bergbaus festgehalten. Ebenso wie am Unterhof entwickelte sich eine Bergwerkssiedlung für die Arbeiter. In Oberhof steht noch heute die Villa des Bergwerksdirektors, das Haus Nummer 17. Erzhändler Ebenezer Waugh Fernie aus England kaufte sich 1853 in das Bergwerk ein. Der Familienname ist mit der Grube Fernie als Lindener Naherholungsgebiet heute noch in aller Munde.

Lindener Oberhof: 100 Grubenpferde im Einsatz

Der Bergbau, egal ob im Tagebau oder Untertage, war eine harte Arbeit. Durch Stollen hindurch wurde das abgebaute Material zunächst mit Handwagen zur Verladestation nahe des Unterhofs gebracht. Einige Jahre später zogen Grubenpferde die Karren. Rund 100 davon waren im Bergwerk im Einsatz. Der technische Fortschritt erleichterte den Transport, Seilbahnen und ab 1896 eine benzinbetriebene Grubenlok kamen zum Einsatz. 1904 rollten E-Lokomotiven durch das Bergwerk.

Damit die rund 1300 Bergleute schneller an ihre Arbeitsplätze gelangten, wurde während des Ersten Weltkriegs ein Fahrschacht angelegt. Der Einstieg zu diesem befand sich nahe dem Haus Oberhof 26. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs wurden die Stollen für den Luftschutz erweitert.

Lindener Oberhof: 1970 letztmals Menschen unter Tage

Ab den 1960er Jahren wurde zunächst der Abbau Untertage, in den 1970ern auch der Tagebau eingestellt. Seitdem ist in den Stollen Ruhe eingekehrt. Zuletzt waren 1970 Ingenieure in dem Fahrschacht unterwegs, um zu prüfen, ob er beim Bau des Gießener Rings Probleme machen könnte.

Ein anderes Bergwerk sorgte 1993 für Probleme. Unter dem ehemaligen Kutscherhaus im Oberhof gab der Boden nach. Ein Bergwerk von 1843, welches aus einem Schacht und zwei Stollen bestand, stürzte ein. Das Haus wurde dabei so schwer beschädigt, dass es gesperrt wurde. Die Bewohner mussten sich eine neue Bleibe suchen. Um Schaulustige vom Betreten abzuhalten, wurde das "schiefe Haus" zunächst abgesperrt und drei Jahre später abgerissen.

Lindener Oberhof: US-Armee entsorgte Fässer

Die Baulücke ist mittlerweile verschwunden: 1999 wurden hier zwei Neubauten errichtet. Damit diese jedoch nicht das gleiche Schicksal wie ihr Vorgängerbau ereilt, hat man das Fundament auf zahlreiche Pfähle gesetzt.

Nicht nur unter dem ehemaligen Kutscherhaus, sondern auch an anderer Stelle machte der Boden Probleme. In der vormaligen Tagebaugrube des Eisen-Mangan-Bergbaus wurde von 1949 bis 1961 der Haus- und Gewerbemüll aus Gießen abgekippt. Auch die US-Armee entsorgte hier ihre Abfälle: 2000 berichtete der damalige Lindener Stadtrat Ernst Kretschmer gegenüber dieser Zeitung, dass die Amerikaner seinerzeit unter anderem ganze Autoteile und diverse Fässer unbekannten Inhalts abgelagert hätten. Diese liegen noch heute dort.

1989 wurden in dem Gebiet ein erhöhter Gehalt an Methan in der Bodenluft festgestellt, das Regierungspräsidium stufte das 18 000 Quadratmeter große Areal als Altlast ein. Da die Belastung bei weiteren Proben aber deutlich gesunken war, wurde 2001 die Einstufung zurückgenommen. Dennoch hat man das Areal weiterhin im Auge.

Lindener Oberhof: Autobahnanschluss Oberhof?

Am häufigsten fällt der Name Oberhof jedoch im Zusammenhang mit dem Wunsch der Lindener, eine weitere Autobahnauffahrt auf den Gießener Ring zu bekommen. Seit 1980 kämpfen die Kommunalpolitiker um diese, in der Hoffnung, es könnte für weniger Verkehr in der Ortsdurchfahrt von Leihgestern sorgen. An den Schlagzeilen "Ablehnende Haltung in Bonn zum Oberhof-Anschluß" hat sich bislang nur geändert, dass das Bundesverkehrsministerium mittlerweile in Berlin sitzt. Doch noch gibt es Hoffnung. Nur für die Anwohner am Oberhof dürfte es dann noch etwas lauter werden.

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