Corona-Krise

Für Lindener Familie führt kein Weg zurück nach China

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
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Fabian Kreis und seine Familie haben ihre Auswanderung bis ins Detail geplant. Ende März soll ihr Abenteuer in China beginnen. Doch dann macht ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung.

Fabian Kreis hat sich seinen Traum erfüllt. Der gebürtige Lindener arbeitet als Auto-Designer in China. Mit großem Ehrgeiz und dem Ziel immer vor Augen hat er den Sprung in eine Nische geschafft.

Der 38-Jährige hat sich schon früh für Autos und speziell für das Zeichnen von Modellen interessiert. Als er im Alter von etwa 14 Jahren gemeinsam mit seinem Vater die IAA in Frankfurt besucht, erregt ein Stand der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim seine volle Aufmerksamkeit. Dort haben Studenten Autos der Zukunft gezeichnet und ihre angefertigten Modelle ausgestellt. "Das war für mich ein Aha-Erlebnis. Von diesem Augenblick an stand mein Berufswunsch fest", erzählt der zweifache Familienvater: "Ich möchte Auto-Designer werden."

Er bekommt einen der wenigen Studienplätze im Bereich Transportation Design an der Fachhochschule in Pforzheim und sammelt schon bald erste Auslandserfahrungen bei Seat in Spanien, wo er 2008 auch seine Diplomarbeit abschließt. Insgesamt verbringt er etwa zwölf Monate in der Nähe von Barcelona. Anschließend ist er für Subaru tätig, zunächst in Ingelheim, später in Fernwald. "Dass ich mal einen Job als Auto-Designer quasi vor der Haustüre bekommen würde, hätte ich im Traum nicht gedacht", sagt Fabian Kreis mit Blick auf Fernwald.

Stelle als Auto-Designer in China

Während seiner Zeit bei Subaru führt es ihn beruflich auch immer wieder nach Japan, er arbeitet insgesamt 14 Monate in Tokio. Auch in den USA macht er Station. Vor etwa einem Jahr kommt ein neues Angebot - aus China. "Ich wollte wieder für einen großen Hersteller arbeiten und habe es angenommen", erzählt Kreis.

Zu diesem Zeitpunkt wohnt er mit seiner Frau und den beiden Jungs im Alter von zwei und vier Jahren in Bad Homburg. Seine Frau, die er übrigens während seiner Zeit in Spanien kennengelernt hat, hat einen Job in Frankfurt. "Bad Homburg war also ein guter Standort für uns. Ich konnte von dort aus Fernwald gut erreichen und den Flughafen, meine Frau die Mainmetropole."

Für die junge Familie sei mit dem Angebot aus China aber auch klar gewesen: "Wir wollen künftig zusammenleben. Gerade im Hinblick auf unsere zwei kleinen Kinder." Das Pendeln sollte ein Ende haben. Fabian Kreis fliegt im Juni 2019 erstmals nach Baoding in der Nähe von Peking. Seine Frau und die beiden Söhne besuchen ihn zweimal dort. Im November steht die Entscheidung fest: die Familie will temporär nach China auswandern. Die ersten Vorbereitungen werden rasch getroffen.

Erste Umzugskartons bereits im Reich der Mitte

Der 38-Jährige ist für mehrere Wochen am Stück in China und nimmt nach und nach erste Kleidungsstücke und andere Kleinigkeiten mit ins Reich der Mitte. Eine möbilierte Unterkunft hat ihm der Arbeitgeber gestellt. Die Familie kündigt die Wohnung in Bad Homburg und den Kindergartenplatz des Sohnes zum 31. März. Am 20. Januar diesen Jahres kommt Fabian Kreis noch einmal nach Deutschland, um seine Frau beim bevorstehenden Umzug zu unterstützen.

Eigentlich wollte er Ende Januar noch einmal alleine zurück nach China fliegen. "Aber wegen Corona kam ich nicht mehr ins Land. Mein Flug wurde immer wieder verschoben. Und weil ich nicht wusste, wann meine Familie nachkommen kann, bin ich in Deutschland geblieben. Wir wollten nur gemeinsam gehen."

Am 25. März zieht die Familie aus ihrer Wohnung in Bad Homburg aus. Die vier Flugtickets nach China sind zu diesem Zeitpunkt schon lange für den 29. März gebucht. Fünf Tage wollen die angehenden Auswanderer im Elternhaus von Fabian Kreis in Großen-Linden unterkommen. Dann der Schock: Einen Tag vor der Abreise werden Flug und Einreise von chinesischer Seite aus gecancelt.

Aus den geplanten fünf Tagen im Elternhaus sind mittlerweile mehr als drei Monate geworden, eine Übersiedlung ist noch immer nicht abzusehen. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht", sagt Kreis. Er sei kurz davor, das Projekt in China endgültig zu beenden.

Die Familie lebt derzeit von Ersparnissen, doch auch die sind irgendwann aufgebraucht. Die vergangenen Monate hat der Auto-Designer genutzt, um einem Herzensprojekt nachzugehen: die Kreativität von Kindern fördern. "Ich möchte Eltern und Kinder weltweit online erreichen, um mit uns auf zeichnerische Weltreise zu gehen."

Visionen für eine neue berufliche Herausforderung

Fabian Kreis hofft, mit seinem Angebot, das er über eine Homepage und seinen Youtube-Kanal anbietet, eine Selbstständigkeit auf die Beine stellen zu können. Er ist sich bewusst: "Als Auto-Designer liegen die Jobs nicht auf der Straße. Ich muss mich also anders aufstellen." Visionen dafür hat er zur Genüge, Kreativität und gestalterische Fähigkeiten von Berufswegen her sowieso.

Ob Fabian Kreis und seine Familie trotz allem noch Hoffnung auf eine Auswanderung nach China haben? Zuletzt hatten sie geglaubt, im Sommer übersiedeln zu können. "Es ist wirklich eine schwierige Prognose, aber ganz ehrlich gesagt: eher nicht."

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