Turnhallenneubau

Linden will ohne Tribüne für Anne-Frank-Schulturnhalle nicht zahlen

Das Lindener Parlament will sich nur an den Baukosten beteiligen, wenn es eine Tribüne gibt. Der Landkreis verweist darauf, dass man mit der Stadt einen gültigen Vertrag hat.

Selten waren die Lindener Stadtverordneten vor einer Sitzung so sehr in Überlegungen eingebunden wie derzeit. Und auch bei der Anzahl an Gästen im Sitzungssaal konnte man bemerken, dass am Donnerstag keine gewöhnliche Sitzung des Gremiums stattfand – und das bei nur einem Tagesordnungspunkt. Entschieden wurde über die Beteiligung am Neubau der geplanten Zwei-Feld-Turnhalle an der Anne-Frank-Schule.

Hauptstreitpunkt zwischen der Stadt Linden und dem Kreis als Bauherren ist der Einbau einer Tribüne in die neue Halle. Die bisherige Halle besitzt noch eine entsprechende Tribüne – doch in dem Neubau ist keine mehr vorgesehen. "Fest steht, der Kreis Gießen wird keine Tribüne einbauen", berichtete Bürgermeister Jörg König während der Versammlung der Lindener Stadtverordneten. Dabei würde sich die Schule eine Halle mit Tribüne wünschen. "Wenn ich sehe, dass hier schulische Interessen einfach weggewischt werden, dann habe ich Bedenken", sagte König weiter.

Mehrkosten von knapp halber Million Euro

Sollte die gewünschte Tribüne mit in die Halle eingebaut werden, kämen Kosten von rund 477 000 Euro auf die Stadt zu: Die Tribüne würde dann Platz in einem kleinen Anbau finden, um die Sportfelder nicht zu beeinträchtigen. Die restlichen Kosten der Turnhalle von 3 700 000 Euro würde der Kreis zu 75 Prozent tragen, 25 Prozent müsste Linden aufbringen. "Die 25 zu 75 Teilung ist absolut unstrittig – immerhin können die heimischen Vereine die Halle auch nutzen – wir haben ja was davon", sagte Frank Hille (CDU). "Warum sollte die Schule hier qualitativ zurückstecken müssen?" Stattdessen sollte die neu entstehende Hall mitsamt Tribüne gebaut und die Kosten nach dem oben genannten Verhältnis aufgeteilt werden – eine Auffassung der sich viele Stadtverordnete anschlossen.

Kritik an langem Zögern

Silva Lübbers (SPD) – selbst Mitglied im Kreistag – gab dagegen auch der Stadt selbst eine gewisse Mitschuld an den gestiegenen Kosten: "Wer sechs Jahre lang pokert und am Ende schlechte Karten auf der Hand hat, der ist selbst daran schuld." Denn über die Planungszeit in den vergangenen Jahren stiegen die Kosten der Halle von schätzungsweise 2,8 Millionen Euro auf die genannten 3,7 Millionen Euro. Auch gab sie zu bedenken, dass der Kreistag entscheiden könnte, die Halle standardmäßig zu bauen – dann hätten Vereine keine Möglichkeit mehr dort Veranstaltungen abhalten zu können. Als "wenig glücklich und gelungen" bezeichnete Axel Globuschütz (Grüne) die Planungen des Landkreises. "Wir sollten versuchen die Interessen der Stadt Linden umzusetzen und gleichzeitig schauen, dass wir uns da nicht in eine schlechtere Position bringen."

Zum Abschluss der Sitzung folgten die Stadtverordneten mit 13 Ja- und fünf Gegenstimmen sowie 12 Enthaltungen mehrheitlich der Empfehlung des Magistrats: Die Stadt Linden wird sich nur dann mit 25 Prozent an dem Neubau beteiligen, wenn eine Tribüne mit in die Planung und in die Kostenaufteilung aufgenommen wird. Zudem soll der Zuschussbeitrag von 25 Prozent auf die Bruttokosten von rund 3,4 Millionen Euro (Netto rund 4,1 Millionen Euro) begrenzt werden.

Landkreis will Tribüne nicht bezahlen

Beim Landkreis Gießen nimmt man den Beschluss mit Verwunderung zur Kenntnis. "Es gibt keine Ausstiegsklausel", sagte Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl. Der Landkreis habe mit der Stadt Linden bereits einen Vertrag geschlossen. "In diesem Vertrag steht, dass die Stadt Linden sich mit 25 Prozent an den Kosten der Halle beteiligt. Es ist genau aufgeführt, was der Hallenbau beinhaltet, von einer Tribüne ist nicht die Rede." Im Vertrag sei auch klar geregelt, dass der Vertragspartner, der sich Sonderausstattungen wünsche, sie auch bezahlen müsse. "Der Landkreis Gießen wünscht keine Tribüne und wird deshalb auch nichts davon bezahlen, so haben es jedenfalls die Gremien, die bisher befasst wurden, beschlossen. Ich persönlich erwarte, dass sich die Stadt an diesen Vertrag hält, der Kreis jedenfalls wird sich daran halten."

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