Zwei Bewohner des Seniorenzentrums in Linden sind im Zusammenhang mit Corona verstorben.
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Zwei Bewohner des Seniorenzentrums in Linden sind im Zusammenhang mit Corona verstorben.

Viele Bewohner infiziert

Linden: Corona-Ausbruch fordert Todesopfer in Altenheim

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  • Patrick Dehnhardt
  • Jonas Wissner
    Jonas Wissner
  • Stefan Schaal

Im Seniorenzentrum in Linden haben sich mehr als 60 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Nach zwei Todesfällen zeigt sich die Heimleitung bestürzt.

Update, 30.11.2020, 10.33 Uhr: Am Samstag (28.11.2020) hat der Landkreis Gießen gemeldet, dass erneut vier Personen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind. Zwei der Verstorbenen waren Bewohner des Seniorenzentrums in Linden. Leiterin Christa Hofmann-Bremer zeigte sich im Gespräch mit dieser Zeitung betroffen. Bei den beiden Toten habe es sich um Senioren mit mehreren Vorerkrankungen gehandelt, die von der Virus-Infektion besonders hart getroffen wurden.

Da viele Menschen ihre letzten Monate oder Jahre in einem Seniorenzentrum verbringen würden, gehöre der Tod zwar zum Alltag in der Einrichtung dazu. »Wir haben in der Altenpflege gelernt, mit dem Tod um zugehen. Die Umstände sind besonders, der Tod selbst nicht“, sagte Hofmann-Bremer.

Linden: Corona-Ausbruch in Seniorenzentrum trotz hoher Hygienestandards

Um die Bewohner zu schützen, habe man in dem Seniorenheim in Linden in den vergangenen Monaten einen hohen Hygienestandard eingehalten, teilweise sogar über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Zudem steht man im ständigen Kontakt mit dem Gesundheitsamt. »Wären wir nicht so gut vorbereitet gewesen, hätte es uns schon früher getroffen«, sagt Hofmann-Bremer.

»Die Schwerpunkte haben sich verlegt - von der Grundpflege zur Behandlungspflege«, sagt Hofmann-Bremer. Während sonst der zwischenmenschliche Kontakt eine wichtige Rolle spiele, liege nun das Augenmerk darauf, Parameter wie etwa die Temperatur der Bewohner regelmäßig zu messen. Als die ersten Corona-Fälle festgestellt wurden, habe man sofort gehandelt. Infizierte wurden von den anderen Bewohnern separiert. Zudem halfen Freiberufler, den Dienstplan aufrechtzuerhalten, nachdem zehn Pfleger positiv getestet worden waren.

Corona in Linden: Situation in Altenheim ist „schlimm“ – aber die Hilfsbereitschaft riesig

Update, 27.11.2020, 16:36 Uhr: Der verzweifelte Aufruf an die Bevölkerung im Landkreis Gießen ist auf große Resonanz gestoßen. Christa Hofmann-Bremer, die Leiterin der Diakonischen Altenhilfe Gießen und Linden, hatte nach der Erkrankung einiger Mitarbeiter in ihrer Einrichtung auf Facebook nach Hilfe gerufen. Ihr Appell richtete sich an alle, die „in irgendeiner Weise mit Alten- oder Krankenpflege in Verbindung stehen“, um bei der Arbeit im von der Corona-Pandemie stark betroffenen Seniorenzentrum zu helfen. Diesem Aufruf sind zahlreiche Menschen gefolgt.

55 Bewohner und zehn Pflegekräfte im Seniorenheim in Linden sind mit Corona infiziert.

Nach Hilferuf aus Seniorenheim in Linden: Resonanz ist gewaltig

Schon mehr als 70 Personen haben sich gemeldet und angeboten, auf verschiedenste Weise zu helfen. Am Donnerstag seien drei weitere Mitarbeiter hinzugekommen, außerdem fünf negative Testergebnisse von Mitarbeitern. Alle positiv getesteten Bewohner des Seniorenzentrums befänden sich in Quarantäne, aber auch die übrigen Seniorinnen und Senioren werden in ihren Zimmern betreut. Für die Bewohner sei die Situation „schlimm und traurig“, sagte die Leiterin.

Das Gesundheitsamt hat sich in beiden betroffenen Seniorenzentren in Linden und in Krofdorf-Gleiberg selbst einen Eindruck vor Ort verschafft und die Hygienekonzepte überprüft. Auch die Stadt Linden selbst hat auf die stark gestiegenen Fallzahlen in der Kommune reagiert: Ein kommunaler Krisen- und Verwaltungsstab wurde eingerichtet, wie Bürgermeister Jörg König mitteilte. Das Ordnungsamt wurde personell aufgestockt, um die Einhaltung der Corona-Auflagen verstärkt kontrollieren zu können. Die Stadt hat auch dem Seniorenzentrum ihre Hilfe zugesichert, dass man mittels „bedarfsgerechter Transportfahrten“ unterstützen wolle. Linden stehe „eng an der Seite der Verantwortlichen des Seniorenzentrums“.

Corona-Ausbruch: Noch deutlich mehr Fälle in Seniorenheim in Linden - Auch andere Einrichtung betroffen

Update, 26.11.2020, 14.34 Uhr: Nachdem sich 29 Bewohner und zehn Pflegekräfte im Seniorenzentrum der „Gesellschaft für diakonische Altenhilfe“ in Leihgestern mit dem Coronavirus infiziert hatten, wurden nun sämtliche gut 100 Bewohner und Pfleger getestet. Das vorläufige Ergebnis des Massentests: Insgesamt 65 positive Corona-Fälle, davon 55 bei Bewohnern der Einrichtung.

Das hat der Landkreis Gießen nun bestätigt. Stand der Ergebnisse ist Mittwochabend. Die Zahl der positiven Corona-Fälle im Seniorenzentrum der „Gesellschaft für diakonische Altenhilfe“ in Linden könnte im schlimmsten Fall aber sogar noch steigen. Offenbar wurde ein externer Koordinator in der Einrichtung hinzugezogen. Der Landkreis Gießen teilt zudem mit: „Im Gespräch mit der Heimleitung ist hier auch besprochen worden, dass diese einen Antrag stellen kann, damit Beschäftigte, die in Quarantäne müssten, mit Ausnahmegenehmigung in Quarantänebereichen weiter tätig sein können.“

Und nicht nur in der Einrichtung in Leihgestern kam es zu einem großen Ausbruch: Auch in einem Seniorenheim in Wettenberg wurden zahlreiche Bewohner und mehrere Pflegekräfte positiv auf das Coronavirus getestet. Aktuell (Stand auch hier: Mittwochabend) haben sich laut Landkreis Gießen 33 Bewohner und 5 Pflegekräfte infiziert. In beiden Einrichtungen fanden Begehungen durch das Gesundheitsamt statt, die Hygienekonzepte werden überprüft. Das Gesundheitsamt führt die Gesundheits- und Hygieneaufsicht über die Heime durch, die Betreuungs- und Pflegeaufsicht liegt beim Regierungspräsidium Gießen.

Linden: Zahlreiche Corona-Fälle in Seniorenheim - Leiterin mit emotionalem Hilferuf

Erstmeldung, 24.11.2020, 20.01 Uhr: Das Coronavirus wütet seit einer Woche im Seniorenzentrum der „Gesellschaft für diakonische Altenhilfe“ in Leihgestern. 29 Bewohner und zehn Pflegekräfte sind infiziert. Die Leiterin des Pflegeheims im Kreis Gießen, Christa Hofmann-Bremer, wendet sich nun mit einem dramatischen Appell an die Öffentlichkeit.

Wir benötigen jede helfende Hand.

Christa Hofmann-Bremer

»Alleine werden wir es nicht schaffen«, erklärt Hofmann-Bremer in einem Aufruf auf Facebook. Der aktuelle Betrieb des Seniorenzentrums in Linden sei aufgrund der vielen Krankheits- und Quarantänefälle unter den Mitarbeitern gefährdet. Sie appelliere an alle Bürger im Landkreis Gießen, »die in irgendeiner Weise mit Alten- und Krankenpflege in Verbindung stehen und spontan ihr Wissen und ihre Kraft einsetzen können«, um Unterstützung bei der Versorgung der Bewohner des Pflegeheims in Linden. »Wir benötigen jede helfende Hand.«

Corona-Ausbruch in Seniorenzentrum in Linden: Bangender Blick auf Donnerstag gerichtet

Der Betrieb könne derzeit nur dank der Hilfe durch die Arztpraxis Magnus in Linden und durch die kurzfristige Einstellung zweier neuer Pflegekräfte sowie das zusätzliche Engagement von acht Freiberuflern im Pflegebereich aus dem gesamten Bundesgebiet aufrecht erhalten werden.

»Die Versorgung und Betreuung unserer Bewohner ist noch auf einem guten Niveau«, sagte Hofmann-Bremer. Mit Bangen allerdings blickt sie dem kommenden Donnerstag (26.11.2020) entgegen. Dann sind die Ergebnisse eines am Montag durchgeführten Massenabstrichs sämtlicher gut 100 Bewohner und der Pflegekräfte zu erwarten. Es sei davon auszugehen, dass sich dann mehrere weitere Mitarbeiter des Heims im Kreis Gießen in Quarantäne begeben müssen.

Vergangene Woche war eine Mitarbeiterin des Pflegeheims in Linden positiv auf das Coronavirus getestet worden. In den folgenden Tagen hatten sich weitere Personen in dem Heim angesteckt. Auch aufgrund des Ausbruchs in dem Seniorenzentrum ist Linden aktuell die Kommune mit der höchsten Inzidenz im Kreis mit einem Wert von 374,3.

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