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Die Bahn will weniger Ablöse für das Viadukt zwischen Gewerbegebiet und Forst zahlen, als sie im Vorfeld des Bauprojekts in Aussicht gestellt hatte.

Um 564 000 Euro verrechnet

Wegen Rechenfehler: Deutsche Bahn will Stadt Linden weniger zahlen - Betrag ist beachtlich

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Die Bahn will 564 000 Euro weniger an die Stadt Linden zahlen, als zuvor versprochen - angeblich wegen eines Rechenfehlers. Die Stadt ist sauer und droht mit Rechtsmitteln.

In Stuttgart wird derzeit für zig Milliarden ein unterirdischer Bahnhof gebaut. Geld scheint dort keine Rolle zu spielen, die Kosten sind bereits mehrfach gestiegen und so mancher Bürger fragt sich, ob da im Vorfeld keiner mal genau nachgerechnet hat. In Großen-Linden steht ein oberirdisches Bahnviadukt. Und hier hat anscheinend wirklich niemand genau nachgerechnet. Bürgermeister Jörg König sagte am Dienstagabend in der Stadtverordnetenversammlung: "Die Bahn hat uns mitgeteilt, dass sie sich bei der Abrechnungssumme verrechnet hat." Bei dem Rechenfehler geht es um 564 000 Euro, die die Bahn nun weniger zahlen will.

Linden: Umbau mit langer Vorgeschichte

Der Umbau des Bahnviadukts hat eine lange Vorgeschichte. Die Bahn wollte das alte Bauwerk der Bahnlinie Gießen-Friedberg durch einen Neubau ersetzen. Die Durchfahrt sollte jedoch genauso schmal wie beim Vorgänger bleiben. Die Verbindung zwischen dem Gewerbegebiet und Forst wäre damit sowohl für Autos als auch Radler und Fußgänger ein gefährlicher Punkt geblieben. Zudem gibt es Pläne, eine innerörtliche Umfahrung der Ortsdurchfahrt Leihgestern zu schaffen, bei welcher der Verkehr über eine neue zu bauende Verbindung von der Gießener Straße durch das Viadukt ins Gewerbegebiet fließen solle. Mit dem schmalen Viadukt wäre dies nicht möglich gewesen.

Die Bahn machte daraufhin ein Angebot: Eine breitere Durchfahrt sei grundsätzlich möglich, jedoch müsse die Stadt Linden die Kosten dafür zunächst übernehmen. Diese beliefen sich auf rund 2 Millionen Euro. Jedoch stellte die Bahn in Aussicht, davon 1,45 Millionen Euro wieder abzulösen. Von dieser Zahl will die Bahn jedoch nun nichts mehr wissen. Sie will nun lediglich 886 000 Euro Ablöse zahlen.

Stadtrat: Angebot habe Entscheidung für Linden beeinflusst

Bei der Stadt Linden ist man über das Verhalten der Bahn verärgert. Der erste Stadtrat Norbert Arnold kritisierte das Geschäftsgebahren scharf. Ein Geschäftsmann könne auch nicht einfach einen Preis zusagen und dann einfach reduzieren, weil ihm die Zahlen nicht gefallen. "Da muss man zu stehen, wenn man sich verrechnet hat", sagt Arnold. Zumal die 1,45 Millionen Euro auch für viele Stadtverordnete ein wichtiger Aspekt bei ihrer Entscheidung gewesen seien. "Der hohe Zuschuss war auch der Grund, warum wir da überhaupt zugestimmt haben", sagt Arnold. Die Stadt Linden hat nun angekündigt, gegen die Bahn rechtlich vorzugehen.

Die Deutsche Bahn wollte sich auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung zu dem Fall nicht äußern.

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