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Bereits in der ersten Woche wurde das kleine Lebensmittelgschäft fast leer gekauft. Dass es auf Anhieb so gut läuft, hätten Tina und Jenny Schmidt (v. l.) nicht gedacht. 

Mutiger Schritt

"Little USA-World": 30-Jährige eröffnet in Linden amerikanischen Supermarkt

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Die Amerikaner sind weg, Lebensmittel aus den USA sind rar. Wer trotzdem nicht auf sie verzichten will, hat es schwer. Das ändert sich jetzt aber. In der "Litte USA-World" gibt es nun Reese´s und Co.

Linden - Es ist kurz vor acht Uhr am Morgen. Auf dem Parkplatz des Lindener Kuhn Center ist es noch dunkel. Die meisten Geschäfte öffnen erst um neun, der Parkplatz ist bis auf wenige Autos leer. "Vor einer Wochen warteten um diese Zeit schon super viele Menschen vor dem Schaufenster", sagt Tina Schmidt und öffnet noch etwas müde die Tür zur "Little USA-World". Erst vor Kurzem hat sich die 30-Jährige selbstständig gemacht. Mit Hilfe ihrer besten Freundin Jenni Schmidt (32) verkauft sie nun Waren in einem Ausmaß, welches sie selbst nie für möglich gehalten hätte.

Linden: Süße Kindheitserinnerungen in"Little USA-World"

"Meine Tante ist schon vor langer Zeit in die USA ausgewandert", erzählt die Geschäftsführerin aus Gießen. Sie sei selbst schon ein paar Mal in den vereinigten Staaten gewesen, um sie zu besuchen. "Sie hat auch oft Päckchen mit Süßigkeiten und anderen Snacks geschickt", sagt Tina Schmidt. Die Erinnerung bringt sie zum lächeln. Am liebsten esse sie Reese´s, Schokoladenkonfekt mit Erdnussbutterfüllung. Ihre Tante hat sie damals auf den Geschmack gebracht, die Päckchen blieben aber immer eine seltene Besonderheit. "Es ist schon sehr teuer, etwas von den USA nach Deutschland zu schicken."

Vor über zehn Jahren wurden die meisten amerikanischen Soldaten mit ihren Familien aus dem Kreis abgezogen. Davor prägten sie mit ihren Traditionen über Jahrzehnte das hiesige gesellschaftliche Leben, viele deutsch-amerikanischen Beziehungen kamen zustande, einige fanden hier eine zweite oder sogar neue Heimat. "Viele sind nach dem Abzug hier geblieben", sagt Jenni Schmidt. Einige davon kenne sie. Erst in der vergangenen Woche sei eine ältere Amerikanerin vorbei gekommen, die sich sofort in ihre Kindheit zurückversetzt fühlte. "Viele Produkte hatte sie lange nicht mehr gesehen", sagt Schmidt, "sie war richtig gerührt." Solche Momente seien besonders und auch einer der Gründe für die Geschäftsidee.

Linden: Idee zu "Little USA-World" erst vor sechs Monaten

"Die Produkte werden nachgefragt, aber kaum jemand bietet sie an", sagt die 32-Jährige. Man könne zwar viel im Internet bestellen, aber es sei eben nicht das gleiche, wie in einen Laden zu gehen und auch bei den USA-Produkten in gängigen Supermärkten sei nicht garantiert, dass sie wirklich dort hergestellt würden. "Wir probierens einfach, haben wir uns gedacht", sagt Tina Schmidt und lacht - das war vor etwa sechs Monaten. Die beiden Frauen kauften sich spontan ein kleines Marktzelt. "Das erste Mal haben wir lose Artikel auf einem Flohmarkt in Pohlheim angeboten", erinnert sie sich. Nach kurzer Zeit seien sie ausverkauft gewesen. "Da haben wir gemerkt, dass das funktionieren wird." Zwei Mal die Woche standen sie anschließend mit einem Anhänger auf dem Parkplatz des Kuhn Center. Neben kleinen Transportern mit Dönerspießen und Hähnchengrills. Als das Geschäft Tedi umzog, wurde den beiden Frauen die leerstehende Fläche angeboten. "Da haben wir alles riskiert und zugeschlagen", sagt Jenni Schmidt.

"Aufgepasst, wir vergrößern uns", hieß es Ende November auf der Facebook-Seite "little USA world", die im Sommer provisorisch eingerichtet wurde. "Eine Webiste haben wir noch nicht, ist aber in Planung", sagt die Geschäftsführerin. Bereits kurz nach Gründung der Gruppe fanden sich dort fast 8000 Mitglieder ein. Zur besseren Orientierung der Interessenten und um eine Team-Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, gaben sich die beiden Frauen im sozialen Netzwerk den gemeinsam Namen Schmidt.

Linden: 500 Kunden zur Eröffnung von "Little USA-World"

Ein paar Tage vor Weihnachten wurde Tina Schmidt schließlich der Schlüssel für ihr Geschäft überreicht. "Die Ware war bestellt, Nachschub sollte sich aber wegen der Feiertage verzögern", sagt sie, "da wurde uns schon etwas mulmig." Dass zur Eröffnung dann frühmorgens schon die ersten ungeduldigen USA-Fans warteten, hätten sie nicht gedacht. Die beiden wurde nahezu überrannt, die Regale sind deshalb aktuell auch etwas ausgedünnt. Fast 500 Kunden seien an diesem Tag dagewesen.

"Wir hoffen jetzt auf das Verständnis unserer Kunden", sagt die Geschäftsführerin. Mehr Ware sei unterwegs. In Kürze gebe es dann wieder Süßigkeiten, Snacks, Getränke, Cornflakes, Aufstriche und vieles mehr - original amerikanisch. Ab einem Mindestbestellwert von zehn Euro werden Waren in den näheren Umkreis geliefert, zuzüglich Versand auch weiter weg verschickt. "Wir nehmen auch gerne Wunschlisten an, dann versuchen wir, die Waren mit in das Sortiment aufzunehmen", verspricht die 30-Jährige. "Es muss sich alles noch einpendeln, aber wir haben Großes vor", sagt sie und grinst. Was genau das ist, will sie nicht verraten. "Wir wollen die Kunden überraschen."

Info: Perfekte Lage

Seit dem 2. Januar hat "Little USA-World" im Tannenweg 97 in Linden von 9 bis 19 Uhr geöffnet. "Die Lage hier ist super", sagt Geschäftsführerin Tina Schmidt. Die Parkplätze am Kuhn-Center seien kostenlos und viele Kunden würden zufällig, nach oder vor einem Einkauf im Center, im Geschäft vorbeischauen.

Das Team bietet auch Probierpakete an, Interessierte sollten sich am besten über Facebook bei den Inhaberinnen melden. "Leider benötigen wir für Antworten aktuell bis zu zwei Tage, aber wir geben unser Bestes."

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