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Rüdiger Migl

Lichtblick in der Krise

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
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Linden (su). Die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft sind immens. Zahlreiche Unternehmen sind direkt oder indirekt vom Lockdown betroffen. Viele bangen um ihre Existenz, einige mussten ihre Geschäfte sogar schon für immer schließen. Die Corona-Hilfen des Staats sind zwar oft eine kurzfristige Unterstützung, die finanziellen Einbußen können sie oft aber nicht kompensieren.

Doch es gibt Lichtblicke inmitten der Krise. Auch Zahntechnikermeister Rüdiger Migl aus Linden hat im Frühjahr 2020 die Auswirkungen der Pandemie erstmals zu spüren bekommen. Die Umsätze seien im April massiv eingebrochen. »Wir hatten Angst, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Monaten fortsetzen und verstärken wird und haben die Corona-Soforthilfe beantragt«, so Migl im Gespräch mit dieser Zeitung. Er hat für sein Dentallabor eine Zuwendung in Höhe von 15 000 Euro bekommen - und hat diese nun freiwillig zurückgezahlt.

Kosten deutlich reduziert

»Aufgrund der Betriebsauswertung des abgelaufenen Jahres haben wir festgestellt, dass wir bislang glimpflicher durch die Krise gekommen sind, als wir zunächst vermutet hatten, und das Geld doch nicht benötigen.« Die Gründe dafür sieht Migl trotz des Umsatzeinbruchs in deutlichen Kostenreduzierungen.

An erster Stelle führt er die Akzeptanz seiner insgesamt acht Mitarbeiter zur Kurzarbeit und den daraus resultierenden Verzicht auf ein volles Gehalt sowie den Abbau von Überstunden und Resturlaub auf. Von April bis Oktober hatte das Dentallabor Kurzarbeit angemeldet. Die teilweise zur Verfügung stehenden Zeiten wurden zudem genutzt, um den Reinigungs- und Fahrdienst selbst zu übernehmen, was auch zu Einsparungen führte. Migl weiß auch: »Es war ein gemeinsamer Kraftakt, bei dem alle mitgezogen haben.«

Der Zahntechniker aus Linden arbeitet mit mehr als 20 Zahnarztpraxen aus der Region sowie mit der Gießener Zahnklinik zusammen. »Gehen die Patienten aus Angst vor einer Corona-Infektionen seltener oder vielleicht auch gar nicht zum Zahnarzt, bekommen wir das natürlich auch zu spüren«, erläutert Migl. Dann fielen die Aufträge zum Zahnersatz weg. Doch fast alle Praxen hätten durch entsprechende Hygienekonzepte das Vertrauen ihrer Patienten erhalten können. Und so ging auch für ihn und sein Team die Arbeit weiter.

Bei der Corona-Soforthilfe handelt es sich um einen einmaligen Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss. Die Höhe der Zuwendung errechnet sich aus der Größe des Betriebs. Dass Migl das Geld nun freiwillig zurückzahlt, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Doch warum geht er dann damit an die Öffentlichkeit? »Ein Freund hat mich dazu ermutigt, meine Erfahrungen zu teilen. Es ist doch auch ein kleiner Lichtblick inmitten der unzähligen Negativschlagzeilen«, sagt der Zahntechniker. Und er hofft, auch andere Unternehmen motivieren zu können, beantragte Gelder zurückzuzahlen, falls diese wider Erwarten doch nicht benötigt werden. FOTO: PM

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