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Im Herbstlaub spielen - das gehört im Waldkindergarten dieser Tage fest zum Programm.

"Laub ist Feenpost"

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Linden (las). Zwei Kinder spielen gemeinsam an einer Schaukel, die an zwei Bäumen aufgehängt ist. Ein Junge schubst den anderen an, dann tauschen sie. Währenddessen sitzen ein paar Meter entfernt zwei Menschen auf einem umgekippten Baumstamm: Die Erzieherin Miriam Engländer zeigt einem Kind ein Buch. Nele Weber kratzt derweil alte Rinde von einem Baumstamm. Das dreijährige Mädchen neben ihr hilft, den Staub in einem Behälter aufzufangen.

Das Ziel ist frei zu sein, das Vorgehen situativ. Der neu gegründete Städtische Waldkindergarten in Linden ist "an den Interessen der Kinder orientiert", sagte Betreuer Klaus-Georg Leun. Er ist schon mehrere Jahre in der Waldpädagogik tätig. Es gehe darum, die Fantasie und die "Magie der Kinder anzuregen". Sie sollen das Magische am Wald kennenlernen, "Laub ist bei ihnen Feenpost", sagte Leun.

Im Wald wird mit Naturmaterialien gespielt und gebastelt. Auch die Gegend wird erkundet. Vor einigen Tagen hatte die Gruppe Pilze und Sternenmoos gefunden. Balancieren und Klettern im Wald sind wie eine Turnstunde, erklärte Leun. Durch die Unebenheiten werde die Motorik und Aufmerksamkeit geschult.

Platz für bis zu 20 Kinder

Momentan sind fünf dreijährige Kinder in der Gruppe, die seit diesem Monat besteht. "Für den Start ist das eine gute Anzahl", sagte Simone Müller. Kapazität hat die Gruppe für maximal 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Müller ist Kindergartenkoordinatorin in der Stadtverwaltung, hat sich um Mieträume für den Waldkindergarten gekümmert und sich mit dem Förster abgestimmt.

Mindestens die Häfte vom Tag verbringt die Gruppe draußen. Die Kinder sind nach dem Zwiebelprinzip angezogen, sodass immer eine Schicht ausgezogen werden kann. Bei Regen wird eine Plane über Äste gespannt. Darunter ist es dann wie in einem Zelt. Es wird auch einen "Raum für Extremwetterbedingungen" geben, berichtete der Lindener Bürgermeister Jörg König. Dieser wird momentan hergerichtet und befindet sich 150 Meter vom Wald entfernt. "Der Bauwagen in der Nähe ist auch beheizbar" und könne als Schutzraum dienen, fügt Einrichtungs- und Gruppenleiterin Weber hinzu. Bei Sturm und Gewitter hält die Kindergartengruppe sich nicht im Wald auf.

"Viele Ängste der Eltern sind unbegründet", sagte Engländer. Sie hatte vorher in herkömmlichen Kindergärten gearbeitet und stand zunächst dem Konzept skeptisch gegenüber. Aber sie erfuhr, dass es im Waldkindergarten "ruhiger und gelassener zugeht".

Wichtig ist es den Erziehern, einen Rhythmus aufrechtzuerhalten. Tägliche Morgen- und Abschlusskreise fassen den Tag ein. Die Jahreszeiten werden mit Liedern, Festen und Märchen untermalt - so wie auch in jedem anderen Kindergarten.

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