Nach der Kommunalwahl im März könnten sieben Parteien im Stadtparlament in Linden vertreten sein.
+
Nach der Kommunalwahl im März könnten sieben Parteien im Stadtparlament in Linden vertreten sein.

Kommunalwahl

Warum die AfD in Linden antritt ‒ Grüne: „Es ist ein Drama“

  • vonStefan Schaal
    schließen

In Linden und Gießen treten bei der Kommunalwahl die Linke und die AfD an ‒ sonst nirgendwo im Kreis. Warum treten die beiden Parteien in der Stadt erstmals an?

Linden - Das Spektrum wird breiter. Bei den Kommunalwahlen am 14. März treten in Linden zwei Parteien des linken und des rechten Rands an. Die erstmaligen Kandidaturen der AfD und der Linken in der Stadt sorgen zum Teil für bestürzte Reaktionen. »Für uns ist das ein Drama«, sagt Dr. Christof Schütz, der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Linden, zur Kandidatur der AfD.

Gerüchte über einen Wahlantritt der AfD in Linden gab es bereits im Vorfeld der vergangenen Kommunalwahl vor fünf Jahren, damals wohnte der ehemalige, wegen falscher akademischer Titel seines Amts enthobene AfD-Landesvorsitzende Volker Bartz am Mühlberg. Nun tritt mit dem in Großen-Linden lebenden 58 Jahre alten Thomas Wollmann der Geschäftsführer und Inhaber des in Gießen ansässigen Unternehmens »March Pumpen« als Spitzenkandidat an

Wollmann saß für die AfD von 2016 bis 2019 im Kreistag, hat sich dort vor allem bei Themen der Jugendarbeit und der Sportvereine engagiert und war bisweilen mit einem scharfen und provokativen Tonfall aufgefallen. »Manchmal muss man drastische Worte wählen, um Aufmerksamkeit zu erhalten«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Linden (Kreis Gießen): AfD und Linke wollen ins Stadtparlament

»Ein anderer Ton wird ins Stadtparlament einziehen«, befürchtet Schütz von den Grünen. Es sei illusorisch, zu glauben, dass die AfD den Einzug ins Parlament verfehle, fügt er hinzu. Da es auf kommunaler Ebene keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, wären bei den Kommunalwahlen rund 2,7 Prozent für einen Sitz in der Lindener Stadtverordnetenversammlung ausreichend.

Es gehe nicht darum, dass AfD und Linke den anderen Parteien bei der Wahl Stimmen abnehmen könnten, sagt Schütz. Die Kandidatur der Linken sehe er zudem wenig kritisch. »Der Gegner ist die AfD«, betont er. »Es ist dramatisch, dass im Stadtparlament bald Vertreter einer Partei sitzen könnten, der Geschichtsleugner, Faschisten und Antisemiten angehören.« Jegliche Zusammenarbeit mit der AfD sei ausgeschlossen. Der Lindener FDP-Vorsitzende Sven Deeg betont, die Liberalen hätten bereits vereinbart, weder mit der AfD noch mit der Linken im Stadtparlament zusammenzuarbeiten.

Man werde den Wählerwillen akzeptieren und mit jedem gewählten Stadtverordneten reden, sagt Joachim Schaffer von den Freien Wählern. Frank Hille, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, betont, man setze sich für sachorientierte Politik ein. Gudrun Lang von der SPD-Fraktion erklärt, neue lokale Themen für Linden entdecke sie bei der AfD und der Linken nicht.

AfD und Linke treten erstmals in Linden (Kreis Gießen) an: Mit lokalen Themen einbringen

Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum beide Parteien nun erstmals ausgerechnet in Linden kandidieren, wo sie bisher nicht über einen Ortsverband verfügen. Die Stadt, in der seit 1977 die CDU den Bürgermeister stellt, sei politisch traditionell eher rechtskonservativ und biete daher eine Wählerschaft, sucht Schütz nach einer Erklärung, für den Wahlantritt der AfD.

Hinter den Kandidaturen stecken indes vor allem Eigeninitiativen der Spitzenkandidaten. Wollmann berichtet, er habe vor mehreren Monaten dem AfD-Kreisvorstand vorgeschlagen, in Linden zu kandidieren. »Unser Ziel ist ein Fraktionsstatus«, sagt er. Die AfD müsste dafür zwei Sitze im Parlament erlangen, rund 5,4 Prozent der Stimmen wären dafür erforderlich.

Der Unternehmer ist 2015 der AfD beigetreten. Auch aufgrund der migrationspolitischen Positionen der Partei, wie er erklärt. In Linden wolle er sich allerdings mit lokalen Themen einbringen. So ist eine Forderung der AfD im Lindener Wahlkampf eine für Eltern kostenfreie Kinderbetreuung, 200 000 Euro müssten im Lindener Haushalt umgeschichtet werden. An welcher Stelle diese Summe gestrichen werden soll, erklärt Wollmann auf Nachfrage nicht.

Linden (Kreis Gießen): AfD-Politiker unterstützte Vereine mit Geldbeträgen privat und als Sponsor

Der AfD-Politiker hat in den vergangenen Jahren den TSV Großen-Linden und die TSG Leihgestern mit hohen Geldbeträgen privat und durch seine Firma als Sponsor unterstützt. »Ich bin in beiden Vereinen aktuell nicht mehr aktiv«, sagt er. »Ich möchte Sport und Politik trennen.«

Für die Linke hat unterdessen der 49 Jahre alte Oliver Bednorz im Herbst vergangenen Jahres einen erfolgreichen Aufruf auf Facebook gestartet, um eine Liste bei der Kommunalwahl zu stellen. Ziel sei, sozial schwächergestellten Menschen in Linden eine Vertretung im Parlament zu bieten, sagt Bednorz, der in Frankfurt für die Commerzbank tätig ist. Zur Rolle der Linken bei einem Einzug ins Stadtparlament betont Bednorz, der seit vier Jahren in Linden lebt und im Fasching schon Büttenredner beim Karnevalverein Harmonien Großen-Linden war: »Wir wollen nicht als Rebellen auftreten.« (Stefan Schaal)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare