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Knapp sechs Jahre Haft für Spielcasino-Raub

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Von: Barbara Czernek

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Linden (bac). Drei maskierte Männer hatten am 4. Februar 2017 ein Spielcasino im Lindener Stadtzentrum überfallen. Gestern nun wurde das Urteil für den letzten der drei Täter gesprochen: Der 34 Jahre alte Sahin P. muss für fünf Jahre und elf Monate in Haft. Das Landgericht Gießen verurteilte ihn wegen besonders schweren Raubes und Körperverletzung.

Die Beute des Raubzuges betrug gerade einmal 603 Euro. Seine Mittäter hatten noch weitere fünf Raubzüge verübt. Sie wurden bereits zu Haftstrafen von knapp zehn Jahren verurteilt, die sie derzeit verbüßen.

Eigentlich saß Sahin P. bereits 2019 gemeinsam mit den anderen Tätern auf der Anklagebank. Doch nach dem Prozessauftakt türmte er in die Türkei und blieb dort bis 2022, dann kehrte er nach Deutschland zurück und stellte sich der Polizei.

Vor Gericht zeigte sich P. reumütig, gab die Tat zu und hoffte auf ein mildes Urteil. Als Gründe für seine Flucht nannte er die Erkrankung seines Vaters und familiäre Probleme. Heute wisse er, dass dies keine gute Idee gewesen sei. Eine Milderung der Strafe, so wie bei den beiden anderen hatte er sich mit seiner Flucht verbaut.

»Ich will jetzt für meine Familie da sein«, damit hatte er am ersten Verhandlungstag seine Rückkehr begründet. Seit acht Jahren ist P. verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn. Daher wollte er nun einen Schlussstrich unter die Sache ziehen.

Laut Gericht stellte sich der Tathergang wie folgt dar: Die drei Männer verbrachten gemeinsam den Abend und tranken jede Menge Alkohol und rauchten Joints. Irgendwann ließ sich P. von den beiden anderen überreden, mit ihnen das Casino auszurauben. Maskiert und bewaffnet mit einem Taschenmesser, einer Schreckschusspistole und einem Samurai-Schwert stürmten sie in die Spielhalle mit den Worten »Hände hoch. Das ist ein Überfall«.

Zeugen leiden bis heute

Der Angeklagte hatte das Schwert in der Hand, bedrohte damit den Angestellten. Als dieser der Aufforderung nicht schnell genug nachkam, trat P. ihn in die Seite. Ein anderer nahm das Geld aus der Kasse, der dritte Täter hielt in der Zwischenzeit zwei Frauen in Schach. Anschließend fuhren sie zu einer Grillhütte in Niederkleen, teilten die Beute und verbrannten ihre Sachen.

»Unter der Berücksichtigung sämtlicher Faktoren ist das Strafmaß die unterste Schmerzgrenze, die die Kammer vertreten kann«, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Bergmann in der Urteilsbegründung. Da die drei Täter bewaffnet und maskiert waren, musste diese Tat als besonders schwerer Raub geahndet werden. Der gesetzlich vorgeschriebene Strafrahmen liegt hierbei zwischen fünf und 15 Jahren.

»Das war kein minderschwerer Fall«, erläuterte Bergmann. Das Gericht wertete den Tritt gegen den Angestellten als einfache Körperverletzung, Negativ wurde P. angelastet, dass er eine gefährliche Waffe bei sich trug, mit der er vor dem Gesicht des Angestellten herumfuchtelte. »Man muss die psychischen Folgen der Tat mit einbeziehen. Alle drei Zeugen litten und leiden bis heute erheblich darunter«, erläuterte Bergmann. Das Geständnis wertete das Gericht nur bedingt positiv, da P. ein Vorstrafenregister vorzuweisen hat, wenn auch für andere Delikte wie Betrug oder Fahren ohne Führerschein.

Bergmann riet dem Angeklagten, dass er die positiven Ansätze, die er während der Verhandlung an den Tag gelegt hatte, weiter fortführen solle. Zudem solle er die Zeit nutzen, um eine Ausbildung zu beenden, damit er nach der Haft in der Lage sein könne, sich und seine Familie zu ernähren.

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