Seit 1992 ist die Kita in einem 400 Jahre alten Fachwerkgebäude untergebracht. Nun muss sie sich verkleinern. FOTO: SRS
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Seit 1992 ist die Kita in einem 400 Jahre alten Fachwerkgebäude untergebracht. Nun muss sie sich verkleinern. FOTO: SRS

Kita muss Gruppe aufgeben

  • vonStefan Schaal
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Die Kindertagesstätte des Vereins "Die Mäuschen" in Großen-Linden gibt es seit 28 Jahren, dank mehrerer Hilfen ist sie kontinuierlich gewachsen. Nun allerdings muss die private Kita eine Gruppe auflösen, die Betreuung im Fachwerkhaus ist ab August nicht mehr möglich - aus Brandschutzgründen.

Die Kita des Vereins "Die Mäuschen" muss ab August eine von insgesamt drei Gruppen aufgeben. Aus Brandschutzgründen darf das Fachwerkhaus in der Frankfurter Straße in Großen-Linden nicht mehr für die Kinderbetreuung eingesetzt werden.

Die vom Verein privat betriebene Kita bietet damit in zwei Krippengruppen nur noch 24 statt zuletzt 29 Kindern zwischen zwei Monaten und drei Jahren Platz. Die "Wühlmäuse", die altersübergreifende Gruppe, werden aufgelöst.

"Es ist sehr schade", sagte Silke Weber, Gründerin der Kita. Das 400 Jahre alte Fachwerkhaus habe auf zwei Ebenen beispielsweise mehrere schöne Differenzierungsräume geboten. Nun verblieben nur die Räumlichkeiten auf dem südlichen Teil des Grundstücks für die Kinderbetreuung. Leider müsse man sich auch von Erzieherinnen trennen, sagt Weber.

Thema seit drei Jahren

Das Thema des Brandschutzes beschäftigt den Verein "Die Mäuschen" mittlerweile seit mehr als drei Jahren. In Abstimmung mit einem Architektenbüro und dem Bauamt des Landkreises hat die Kita-Leitung die Möglichkeit eines Umbaus zunächst erwogen, sie hat dafür auch bereits Bauanträge gestellt. Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, wäre eine Anpassung an Brandschutzauflagen aber nur schwer möglich und finanziell nicht zu stemmen.

So machen die Auflagen zum Beispiel einen zweiten Fluchtweg in der Kita zur Pflicht. Provisorisch war daher im Innenhof eine Gerüsttreppe aufgestellt worden - allerdings mit einer befristeten Betriebsgenehmigung, die nun Ende Juli ausläuft.

Improvisation und der Umgang mit schwierigen Situationen begleiten die Kita indes bereits seit der Gründung vor 28 Jahren. Der Start der "Mäuschen" war aus der Not geboren. Weber, gelernte Großhandelskauffrau, hatte als alleinerziehende Mutter von drei Kindern damals keine Chance auf einen Arbeitsplatz, fand aber einen Weg, sich aus dieser Situation zu befreien. So entstand die Idee, die Kindertagesstätte zu gründen.

Die Finanzierung war anfangs ein Problem. Das Land leistete einen Zuschuss von 50 Prozent, die andere Hälfte musste sie selber finanzieren, wobei der Kita-Beauftragte des Landkreises sich für die "Mäuschen" tatkräftig engagierte. "Es war ein harter Kampf", warf Weber kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung einen Blick zurück, denn zunächst verlief die Unterstützung durch die Stadt eher schleppend. Doch dann kam man doch zusammen, der Bürgermeister unterstützte die Einrichtung im Rahmen seiner Möglichkeiten. Dank mehrerer Hilfen vergrößerte sich die Kita im Lauf der Jahre.

Die Situation des Wegfalls einer Kita-Gruppe sei seit längerer Zeit bekannt, erklärt Simone Müller, die bei der Stadt Linden für Kindertagesstätten zuständig ist. Daher sei man vorbereitet, seit 1. März sei ohnehin in der altersübergreifenden Gruppe der "Mäuschen" kein neues Kind mehr aufgenommen worden. Keine Familie mit Kindern in der privat betriebenen Kita in Großen-Linden werde nun plötzlich ohne Betreuung dastehen.

Für Zukunft gerüstet

In Linden besteht großer Bedarf nach Kita-Plätzen, die Stadt muss improvisieren, bis im Frühjahr kommenden Jahres die Eröffnung der Kindertagesstätte in Leihgestern an der Pauluswiese für Entlastung sorgen dürfte.

Am 6. Juli geht derweil auch bei den "Mäuschen" die Einrichtung nach den Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie wieder in den Regelbetrieb über. Weber betont: Auch wenn die Brandschutzauflagen eine Verkleinerung erzwingen - für die Zukunft sei man gut gerüstet.

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