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Am Straßenrand

An Hessens Straßen ist etwas verschwunden, was dort seit 1968 stand

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In den vergangenen Wochen ist am Rande der Bundes- und Landesstraßen im Kreis Gießen etwas verschwunden. Es wird durch Folien ersetzt.

In der Vergangenheit war es so: Wenn man gerade nicht wusste, auf welcher Straße man sich befand, brauchte man nur ein Stück weiterzufahren, bis weißen, dreieckigen Körper aus Plastik am Fahrbahnrand auftauchten. Alle 200 Meter steckten sie auf Leitplanken oder in der Böschung. Auf einer Seite stand die Straßenkennung, etwa "B 457" für Bundesstraße 457. Die andere Seite zeigte eine Reihe von Zahlen, die nicht jeder entschlüsseln konnte. Eigentlich verriet sie aber die genaue Position des Steins. Seit 1968 boten sie eine Orientierungshilfe.

Dreieckige Kilometersteine werden abgebaut

Doch die Steine sind verschwunden: Nicht nur auf der B 457 zwischen Fernwald und Hungen, auch auf den Landesstraße sucht man sie mittlerweile vergebens. Die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass die sogenannten "Stationszeichen-Dreieckskörper" nach und nach in Hessen abgebaut werden. "Im Landkreis Gießen ist dies auf allen Bundes- und Landesstraßen bereits erfolgt." Nur auf den Kreisstraßen und Autobahnen stehen sie noch.

Pressesprecherin Sonja Lecher nennt gleich mehrere Gründe. Da die Stationszeichen oft in Böschungen standen, waren sie "unter Umständen schlecht zu erkennen beziehungsweise durch Gräser und Belaubung verdeckt". Zudem musste bei Mäharbeiten immer um die Kilometersteine separat nachgemäht werden. Waren sie verschmutzt, konnten sie nur per Hand gereinigt werden. "Das Plastik wird mit der Zeit immer brüchiger", erklärt Lecher. "Die Kosten dieser Dreieckskörper haben sich fortlaufend erhöht, sodass ein wirtschaftlicher Einsatz nicht mehr gewährleistet ist."

Einzelne, noch gut erhaltene Zeichen werde man in Ortsdurchfahrten wiederverwenden. Auch an den Ortsgrenzen sollen die Kilometersteine vorerst erhalten bleiben.

QR-Code auf den Folien

Statt der Dreieckskörper sollen nun Folien anzeigen, wo man sich gerade befindet. Sie sind auf einer Straßenseite in gewissen Abständen an den Leitpfosten angebracht. "Die Folien sind erprobt und sehr strapazierfähig", schreibt Hessen Mobil. "Sie lassen sich bei Bedarf sehr einfach und kostengünstig ersetzen." Zudem befindet sich auf den Folien ein QR-Code. Scannt man diesen mit einer QR-Code-App ein, erhält man in einer OpenStreetMap-Karte Informationen über den derzeitigen Standort. "Falls erforderlich kann über einen Button ein Notruf erfolgen." Dieser soll übrigens nicht nur Autofahrern helfen: "Der QR-Code auf der Stationszeichenfolie soll künftig den Zugang zu Straßeninformationen für Rettungsdienste und Fachverwaltungen ermöglichen", sagt Hessen Mobil. So folgt auf den Dreieckskörper quasi der Kilometerstein 2.0.

Wie man die Zeichen liest

Die Vorderseite mit dem Aufdruck der Straße selbst lässt sich leicht entziffern: Bei "L 3130" handelt es sich etwa um die Landesstraße 3130. Doch was bedeuten die anderen Ziffern? Die obere Zahl zeigt den Abschnitt an, auf dem man sich gerade befindet. Diese Zahl beginnt immer mit einer Null. Die untere Zahl zeigt an, bei welchem Stationszeichen man steht, etwa 2,389. Dann befindet man sich 2389 Meter vom Beginn des Abschnitts entfernt. Gibt man diese Zahlen bei einem Notruf durch "L 3130, Abschnitt 001, Station 2,389", weiß die Rettungsleitstelle, wo man sich befindet und wo sie die Hilfe hinschicken muss. Gerade bei längeren Strecken zwischen zwei Orten kann dies hilfreich sein, um die nächstgelegene Feuerwehr zu alarmieren - vielleicht ist direkt hinter der Kurve das nächste Dorf, man sieht es nur noch nicht.

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