Vier Mehrfamilienhäuser mit 100 Wohnungen sollen in Großen-Linden entlang der Bahngleise entstehen. FOTO: HENSS
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Vier Mehrfamilienhäuser mit 100 Wohnungen sollen in Großen-Linden entlang der Bahngleise entstehen. FOTO: HENSS

"Grüngürtel bleibt erhalten"

  • vonStefan Schaal
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Linden(srs). Der vor wenigen Tagen offengelegte Bebauungsplan zum Wohnprojekt in Großen-Linden zwischen der Sudetenstraße und den Bahngleisen stößt auf heftige Kritik der Grünen. "Sollten der Bürgerwille und die Kritikpunkte keine Berücksichtigung finden, ist dieser Bebauungsplan nicht zustimmungsfähig", erklärt der Fraktionsvorsitzende Dr. Christof Schütz.

Die Grünen befürchten, dass der mit Bäumen und Büschen bewachsene Grünstreifen zwischen der Straße und dem Areal des einstigen Güterbahnhofs nun doch gerodet werden könnte, um die Fläche zu begradigen. Der Bebauungsplan lasse schließen, "dass kein einziger der dort stehenden jahrzehntealten Bäume erhalten werden soll".

Bürgerversammlungen und das Votum im Stadtparlament für das Projekt im November vergangenen Jahres hätten deutlich gemacht, dass die 100 geplanten Wohnungen "nur unter Erhalt des bestehenden Grüngürtels" gebaut werden sollen, betont Schütz. "Hier wird der Bürgerwille schlicht ignoriert."

Architekt Felix Feldmann, der das Bauprojekt betreut, widerspricht allerdings den Befürchtungen. "Der Grünstreifen bleibt erhalten", versicherte er. Totholz werde beseitigt, möglicherweise auch einzelne Bäume.

Die Fläche werde aber keineswegs gerodet, sondern gepflegt, möglicherweise in Zusammenarbeit mit einem Landschaftsarchitekten oder einem Ökologen.

Im Rahmen des 20 Millionen Euro teuren Projekts sollen vier Mehrfamilienhäuser in Höhe der Ludwigstraße auf einer Länge von 275 Metern bis zum Bahnhof entstehen. Auf der Seite der Gleise soll viergeschossig gebaut werden, an der Sudetenstraße mit drei Stockwerken. Das 1,6 Hektar große Areal diente einst dem Mangan-Erztransport und liegt seit Jahren brach.

Weiter bezahlbarer Wohnraum geplant

Die Investoren haben auch Sozialwohnungen oder bezahlbaren Wohnraum durch eine gedeckelte Miete für einen Anteil der Wohnungen vorgeschlagen. Die Grünen wundern sich, dass dieses Vorhaben in den textlichen Vorgaben zum Bebauungsplan nicht erwähnt ist. "Nur wenn das Projekt allen sozialen Gruppen zu Gute kommt, lässt sich ein solch umfangreiches innerstädtisches Bauvorhaben rechtfertigen", sagt der Fraktionsvorsitzende.

Architekt Feldmann erklärt, die Stadt habe sich für ein zweistufiges Verfahren entschieden. Das Thema werde im zweiten Schritt der Planungen gemeinsam mit der Stadt diskutiert. Feldmann betont: "Es wird nicht ohne sozialen oder bezahlbaren Wohnraum gehen", an diesem Ziel werde nicht gerüttelt.

Die Grünen kritisieren außerdem die nun geplante neue Verkehrsführung infolge des Bauprojekts. Eigentlich, beklagt Schütz, sollte der Verkehr unterhalb des Bouleplatzes in Richtung Viadukt abgeleitet werden. "Jetzt soll er deutlich oberhalb des Bouleplatzes auf die Sudetenstraße geführt werden und würde somit zu einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen im Kreuzungsbereich der Ludwig- und der Sudetenstraße führen."

Von Anfang an, erklärt Feldmann, habe man diese zwei Varianten vorgeschlagen. Eine deutliche Zunahme des Verkehrs in der Sudetenstraße durch die nun geplante Straßenführung sei nicht zu befüchten, erklärt er.

Neben der Wohnbebauung planen die Investoren außerdem in Richtung zum Lückebachtal ein 1700 Quadratmeter großes Gewerbegrundstück. Dort solle sich ein mittelständisches Unternehmen auf drei Stockwerken mit Bürofläche ansiedeln können. Im Bebauungsplan ist die Rede von "Schank- und Speisewirtschaften, Läden und nicht störenden Handwerksbetrieben". Welche Branche sich dort allerdings ansiedeln wird, stehe noch nicht fest, erklärt Feldmann.

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