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OGV Großen-Linden hat doppelten Grund zum Feiern

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Vorsitzender Dieter Leschhorn, Vorstandsmitglied Reinhard Ackermann, Bürgermeister Jörg König, Dieter Carle und Schriftführerin Klaudia Junker (v.l.) mit der Chronik.
Vorsitzender Dieter Leschhorn, Vorstandsmitglied Reinhard Ackermann, Bürgermeister Jörg König, Dieter Carle und Schriftführerin Klaudia Junker (v.l.) mit der Chronik. © Gabi Beutelspacher

Linden (gbp). Der Obst- und Gartenbauverein Großen-Linden feiert sein 125-jähriges Bestehen und das 25-jährige Jubiläum des Lehrgartens. Zu diesem doppelten Anlass hat der Verein eine Festchronik herausgegeben.

Am Freitag übergaben im Rathaus Vorsitzender Dieter Leschhorn, Schriftführerin Klaudia Junker, die die Texte verfasst und intensiv in alten Protokollen, Listen und Dokumenten recherchiert hat, Dieter Carle, der für Satz und Layout zuständig war, und Vorstandsmitglied Reinhard Ackermann die 98 Seiten starke Jubiläumsschrift an Bürgermeister Jörg König. Dieser nahm die reich bebilderte Chronik mit Dank und Lob für das Engagement des Vereins entgegen, der mit rund 400 Mitgliedern größter Ortsverein im Kreisverband und wohl auch hessenweit ist. 600 Exemplare der Festschrift wurden gedruckt.

Im Januar 1889 wurde in Butzbach der »Wetterauer Obstbauverein« gegründet – mit dem Ziel, im gesamten damaligen Kreis Friedberg Ortsvereine zu bilden. Diese Idee rief viele Interessierte aus den benachbarten Kreisgebieten auf den Plan, die den Beitritt zum »Wetterauer Obstbauverein« anstrebten. Es war eine Zeit bedeutender Umgestaltung in Deutschland. Damals arbeiteten rund 40 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Handwerk und Industrie gewannen an Bedeutung. Die Ernährung basierte überwiegend auf heimischer Erzeugung. Produkte aus fernen Ländern galten als Luxusgüter. Bananen und Apfelsinen gab es – wenn überhaupt – nur zu Festtagen, Tomaten hatten in den Gärten noch Seltenheitswert.

Bürgermeister waren Vorsitzende

1889 trat Johannes Scheld aus Großen-Linden dem »Wetterauer Obstbauverein« bei. Im September 1890 gesellten sich zu Scheld noch acht weitere Großen-Lindener – Ludwig Lang, Georg Luh V., Ludwig Magnus (Spengler), Georg Menges IX., Georg Müller IV., Philipp Schättler (Schreiner), Wilhelm Wagner und Heinrich Weiss. Sie schlossen sich zur »Ortsgruppe Großen-Linden des Wetterauer Obstbauvereins, Sitz Friedberg«, zusammen und wurden so Gründungsmitglieder. 1891 wurde der »Wetterauer Obstbauverein« auf die ganze Provinz Oberhessen ausgedehnt, der Name in »Oberhessischer Obstbauverein« geändert. Etwa um 1920 trennten sich die Kreisgebiete Alsfeld, Lauterbach, Büdingen, Schotten und Gießen vom »Oberhessischen Obstbauverein«.

Die damalige Bedeutung des Ortsvereins zeigt sich daran, dass bis 1925 der jeweilige Bürgermeister auch den Vorsitz innehatte. 1930 kam die Sparte »allgemeiner Gartenbau« hinzu. 1932 wurde der Verein in »Obst- und Gartenbauverein Großen-Linden« umbenannt. Vorsitzende waren 1890 bis 1917 Johannes Leun, 1917 bis 1935 Johannes Lang, 1935 bis 1943 Heinrich Stoll, 1943 bis 1945 ruhte der Verein, 1945 bis 1948 Philipp Stengel, 1948 bis 1960 wieder Heinrich Stoll, 1960 bis 1982 Alwin Kling, 1982 bis 1990 Alfons Jäschke, 1990 bis 2003 Horst Braun, 2003 bis 2014 Roland Schmandt, und nun obliegt Hans-Dieter Leschhorn die Regie.

Immer wieder gab es gut besuchte Vorträge über Themen wie Obstbau, Schädlingsbekämpfung und Obstverwertung. 1942 ist in den Protokollen erstmals die Rede vom Gemüseanbau. In diesen Jahren versuchte man, weitere Bevölkerungsteile für den Obst- und Gartenbau zu interessieren und lud auch Hausfrauen, junge Mädchen und Milchbauern zu den Veranstaltungen ein. Großes Thema war die Bekämpfung von Schädlingen im Obstbau. Auch der »Obstklau« war ein Problem, in der Erntezeit wurden Hilfsflurschützen eingesetzt.

1947 berief Bürgermeister Philipp Stengel die erste Versammlung nach dem Zweiten Weltkrieg in »Schaums Saal« ein. Das Fördern der Selbstversorgung war vordringliches Vereinsziel. Schädlingsbekämpfung, Obstausstellungen und die Beschaffung von Pflanzmaterial standen auf der Agenda. Es gab Tipps zur Düngung, Referate und Lichtbildervorträge. Anfang der 60er Jahre gehörte der OGV zu den aktivsten Ortsvereinen. Steigender Wohlstand, Massenproduktion und Billigangebote ließen das Interesse am Anbau im eigenen Garten in den Folgejahren mehr und mehr zurückgehen. Erst die steigende Bedeutung von Gesundheits- und Umweltschutzgedanken und der hohe Freizeitwert des Gartens bewirkten wieder einen deutlichen Aufwärtstrend. So stieg zwischen 1980 und 1995 die Zahl der Mitglieder von rund 140 auf 548. Im Jahre 1975 wurde der Verein umbenannt in »Verein zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege«. Die 80er Jahre waren geprägt von intensiver Vereinsarbeit: Lehrgänge, Analysen zu Bodenproben, Ausflüge sowie Besuche der Bundes- und Landesgartenschauen standen auf der Agenda. 1983 stellte man fest, dass die Hälfte der Mitglieder über 60 Jahre alt ist, und überlegte, wie man den Verein für Jüngere attraktiver gestalten kann.

Der Verein war aktiv an der Anlage eines Schulgartens beteiligt. Mit dem Aufbau einer Jugendgruppe begann der OGV 1985, seit 2000 heißt die Gruppe »Gartenzwerge«.

Als Erfolgsgeschichte gilt die Zusammenarbeit des Vereins mit der Stadt hinsichtlich der Kompostierungsanlage. Für die Beteiligung am Betrieb der städtischen Gartenabfalldeponie erhielt der Verein großes Lob in der landesweiten Fachzeitschrift »Der Hessische Obst- und Gartenbauverein«.

Nicht nur der Verein, auch der rund 3000 Quadratmeter große Lehrgarten feiert ein Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde der Pachtvertrag mit der Stadt geschlossen. 2014 erhielt die Stadt Linden als ältestes Vereinsmitglied eine Auszeichnung für 80 Jahre Zugehörigkeit – nachdem man festgestellt hatte, dass die Stadt Großen-Linden 1933 als Mitglied eingetragen worden war und bis heute ihren Vereinsbeitrag bezahlt.

Erfolg mit »offenen Gärten«

Eine zweite Erfolgsgeschichte ist die Abteilung »Heckenrosen«. Auf Anregung des Vorstandsmitglieds Brigitte Werner wurde 1999 ein Frauenstammtisch ins Leben gerufen, der sich seitdem alle vier Wochen trifft. Die Organisation eines »Tages der offenen Gärten« ist außerdem hervorzuheben.

Die Besucherzahl stieg von rund 100 im ersten Jahr auf über 500. Auch beteiligt sich der Verein an den Ferienspielen und am Marienmarkt. Regelmäßig finden auch Sommerfest und Mostkeltern statt. Von Anfang an war der Ortsverein Mitglied im Kreisverband Gießen; Zweiter Vorsitzender Michael Cavael ist Erster Vorsitzender des Kreisverbandes. Seit 2006 gehören die Lindener dem »Verein Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Landkreis Gießen« an.

Sein Doppeljubiläum feiert der OGV mit mehreren Veranstaltungen: Im Mittelpunkt steht das Festwochenende am 25. und 26. Juli im und um das Vereinsheim des Musikcorps mit Festkommers am Samstag, Gottesdienst, Livemusik und Kinderanimation am Sonntag. Das 25-Jährige des Lehrgartens wird am 27. September in Verbindung mit dem Mostkeltern gefeiert.

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