Dr. Alexander Weiß leitet nun als Stadtbrandinspektor die Lindener Feuerwehr mit ihren zwei Einsatzabteilungen. 		FOTO: PAD
+
Dr. Alexander Weiß leitet nun als Stadtbrandinspektor die Lindener Feuerwehr mit ihren zwei Einsatzabteilungen. FOTO: PAD

Idee gegen Mangel an Feuerwehrleuten tagsüber

»Große Fußstapfen«: Der neue Stadtbrandinspektor Lindens im Interview

  • vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Ihr Revier sind die Autobahnen sowie das Stadtgebiet: Lindens Freiwillige Feuerwehrkräfte sind rund um die Uhr einsatzbereit. An ihrer Spitze steht nun Dr. Alexander Weiß als neuer Stadtbrandinspektor. Corona stelle die Kräfte vor Herausforderungen, berichtet Weiß. Und er hat eine Idee, was man in Linden gegen den Mangel an Feuerwehrleuten tagsüber unternehmen könnte.

Nach dem Tod von Stadtbrandinspektor Sebastian Weiß vor wenigen Wochen musste vor wenigen Tagen ein Nachfolger gewählt werden. Jedoch gab es keine Kandidaten. Sie wurden nun aufgrund ihrer Fähigkeiten in das Amt berufen.

Mei n Bruder füllte das Amt sehr umfangreich und mit viel Leidenschaft aus. Er hat große Fußstapfen hinterlassen. Ich denke, das hat auch manchen abgeschreckt. Wir haben in den beiden Einsatzabteilungen 90 Aktive, das muss gemanagt werden, allein die reine Verwaltung ist da viel Arbeit. Auch ich werde nun erst einmal schauen, wie sich das mit dem privaten und beruflichen Leben vereinbaren lässt.

Was wäre da ein Lösungsweg?

Es is t wichtig, dass in Zukunft das Rathaus den Stadtbrandinspektor dort vermehrt unterstützt, wo es möglich ist, zum Beispiel bei klassischen Verwaltungsarbeiten oder auch bei Beschaffungen und Ausschreibungen.

Beschaffungen und Ausschreibungen sind häufig dann erforderlich, wenn es neue Fahrzeuge braucht. Wie gut ist die Lindener Feuerwehr da aufgestellt?

Sow ohl der Ausbildungsstand als auch die Ausrüstung sind sehr gut. Der Fuhrpark wurde kontinuierlich erneuert. In Leihgestern wird demnächst ein neues Staffellöschfahrzeug stationiert werden.

Auch bei den Gebäuden gibt es keine Probleme?

In Leihgestern hatte der Technische Prüfdienst Mängel angesprochen. Derzeit beginnen wir mit der Stadt und der Wehrführung die Planungsphase, wie sich diese beheben lassen. Das sind aber meist Dinge, die in Richtung An- und Umbau gehen. Wenn es nur wäre, dass da mal ein Schrank verschoben werden müsste, dann hätten das die Kameraden schon längst erledigt.

Linden hat ein großes Gewerbegebiet, liegt zudem zwischen zwei Autobahnen und an einer Bahnstrecke. Wie oft müssen die Ehrenamtlichen ausrücken?

Im Schnitt sind es 130 Einsätze pro Jahr, jedoch nicht allein im Stadtgebiet. Bei der Feuerwehr Großen-Linden ist der Dekontaminationszug des Katastrophenschutzes für den Landkreis Gießen angesiedelt - der wird beispielsweise nach Gefahrgutunfällen gebraucht. Zudem steht hier einer von hessenweit sieben Abrollbehältern Dekontamination. Mit diesem rücken wir über die Landkreisgrenzen hinweg aus. Auch unsere Sonderfahrzeuge, etwa das Tanklösch- oder das Flutlichtfahrzeug, werden von Nachbarkommunen bei Bedarf zur Hilfe gerufen.

Welche Rolle spielen die A 45 und A 485?

Die Autobahnen sind ein Schwerpunkt, da haben wir 20 bis 30 Einsätze pro Jahr, vom Unfall bis zum brennenden Fahrzeug. Gerade tagsüber rücken wir da zunehmend mit beiden Stadtteilen hin aus.

Tagsüber haben - außerhalb von Coronazeiten - viele Feuerwehren mit einer ausgedünnten Personaldecke zu kämpfen. Gibt es dafür ein Rezept in Linden?

No ch nicht. Wir haben hier zahlreiche große Betriebe mit Mitarbeitern, die in ihrem Heimatort in der Feuerwehr aktiv sind. Das ist ein Potenzial, das wir in Zukunft nutzen wollen. Wir freuen uns über Verstärkung durch Tagesalarmkräfte.

Hat die Pandemie die Lage ein Stück weit entspannt, da mehr Menschen im Home-Office sind?

Wir waren dadurch tagsüber personell stärker aufgestellt, das stimmt. Die Herausforderung ist derzeit, die Ausbildung aufrechtzuerhalten und die Pflichtübungsstunden zu absolvieren. Seit November laufen die Übungen wieder digital.

Lassen sich dabei alle Bereiche abdecken?

G erade im Bereich der Atemschutzausbildung ist man da begrenzt. Bei jedem Brand in einem Gebäude, aber auch bei Fahrzeugbränden brauchen wir Einsatzkräfte mit Atemschutz. Diese müssen Pflichtausbildungen absolvieren und einmal pro Jahr einen Durchgang der Atemschutzstrecke in Gießen absolvieren, um einsatztauglich zu bleiben. Das ist derzeit, aufgrund der Hygienekonzepte und damit verringerter Teilnehmerzahlen eine Herausforderung.

Ergreift man wegen Corona auch sonst bei Einsätzen besondere Vorsichtsmaßnahmen?

Ne ben der Maskenpflicht bei Einsätzen ist dies besonders dann ein Thema, wenn wir den Rettungsdienst unterstützen, etwa bei Tragehilfen oder Türöffnungen. Wir haben dafür weitere Schutzkleidung auf den Fahrzeugen ergänzt. Bei einem Einsatz, der sonst einfach zu handhaben wäre, kann das Risiko im Hinterkopf nun belastender sein.

Seit einigen Jahren gilt in Hessen eine Rauchmelderpflicht in Privathäusern. Hat dies zu mehr Einsätzen geführt?

Es k ommt vor, dass die Geräte aufgrund von Staub oder Wasserdampf Alarm auslösen. Auch gibt es Warnsignale, wenn die Batterie leer ist. Es gibt mittlerweile mehr Einsätze wegen privaten Rauchmeldern, das hat man gemerkt. Aber sie haben auch oft schon größere Schäden verhindert und Menschenleben gerettet - und das ist das Wichtigste. Die Feuerwehren legen jedem ans Herz, seinen Rauchmelder regelmäßig zu prüfen und die Batterien zu wechseln oder das Gerät auszutauschen, wenn es am Ende seiner Lebensdauer angekommen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare