Weg für den »Gewerbepark Pfaffenpfad« ist frei

Linden/Gießen (hjp). Der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Mittelhessen hat gestern der Ausweisung des Gewerbegebietes »Am Pfaffenpfad« auf Lindener Gemarkung zugestimmt.

Linden/Gießen (hjp). Der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Mittelhessen hat gestern der Ausweisung des Gewerbegebietes »Am Pfaffenpfad« auf Lindener Gemarkung zugestimmt. Gegen das Votum der Stadt Gießen machte das Gremium danach den Weg frei, eine Fläche von insgesamt 30 Hektar bisherigen Ackerlandes als Gewerbegebiet zu erschließen. Ursprünglich war diese Fläche im Regionalplan zum größten Teil als »Bereich für die Landwirtschaft« und zum Teil als »Vorranggebiet Regionaler Grünzug« ausgewiesen. Das von der Stadt Linden auf den Weg gebrachte Projekt war im vergangenen Jahr über Monate ein Zankapfel zwischen Gießen und dem südlichen Umland.

Abweichend von der bisherigen Regionalplanung hatte Linden zunächst beantragt, einen Bereich von insgesamt 83 Hektar im Südwesten der Stadt als »interkommunalen Gewerbepark« auszuweisen. Nach Verhandlungen der Kommunen reduzierte sich die Fläche auf dann 40 und nunmehr 30 Hektar. Um insgesamt zu der vom Regierungspräsidium geforderten Flächenneutralität zu kommen, hatte Linden auf eine Fläche von zwölf Hektar Gewerbefläche an anderer Stelle verzichtet. Einen Flächenverzicht hatten auch Hüttenberg mit einem Hektar und Gießen (elf Hektar) in Aussicht gestellt.

Darüber hinaus hatte die Stadt Linden angeführt, dass die im Teilraum Mittelhessen-Süd zusammen geschlossenen Kommunen, die Städte Linden und Pohlheim sowie die Gemeinden Fernwald, Hüttenberg und Langgöns zusammen mit Gießen eine interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen dieser Flächenentwicklung anstreben. Die Kommunen des Teilraumes hatten sich für eine gemeinschaftliche Entwicklung des »Pfaffenpfads« entschieden, der ausschließlich einer Ansiedlung von Gewerbeansiedlungen von im Einzelfall mehr als 5000 Quadratmeter Grundfläche zur Verfügung stellen soll. Damit, so die Stadt Linden als Antragsteller, sei gewährleistet, dass gegenüber vorhandenen Gewerbegebieten in der Region keine Konkurrenzsituation entsteht. Daneben könnten Synergieeffekte mit dem westlich an den »Pfaffenpfad« angrenzenden Gewerbegebiet »Rechtenbacher Hohl« der Stadt Gießen genutzt werden. Es böte sich die Verknüpfung von Erschließungsleistungen wie Straßen und Versorgungsleitungen an.

Für den Gießener Stadtteil Lützellinden wie auch für Großen-Linden könnten sich mit der gestrigen Entscheidung zudem weitreichende Entlastungen vom Verkehr verbinden, sagte Lindens Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz am Rande der Ausschusssitzung: »Wir werden über die Entwicklung des Gewerbegebietes hinaus unsere Pläne für eine Ortsumfahrung von Großen-Linden weiter vorantreiben.« Gleichzeitig könne die Stadt Gießen, so Lenz, eine Umgehung für seinen durch Straßenverkehr erheblich belasteten Ortsteil Lützellinden schaffen.

Trotz dieser gestern mit großer Mehrheit beschlossener Abweichung vom Regionalplan gibt es von Seiten der Stadt Gießen noch erheblichen Regelungsbedarf. So hatte Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, die dem Ausschuss angehört, den vorgelegten Antrag kritisiert: Es fehle vor allem an der von Gießen geforderten Flächenhöchstgrenze von sechs Hektar für einzelne Gewerbe. Deshalb könne sie der Abweichung nicht zustimmen, sagte die Grünen-Politikerin.

Vertreter anderer Kommunen sehen diesen jetzt eingeschlagenen Weg dagegen als zukunftsweisend an. So wertete der Wettenberger Bürgermeister Gerhard Schmidt die Entscheidung als Chance für die Umlandgemeinden, die allein für sich gesehen solch eine große Gewerbefläche nicht entwickeln könnten. Lindens Rathauschef Lenz sagte, dass neben Hüttenberg, das bereits eine Fläche von einem Hektar in die bisherige Planung eingebracht hatte, weitere Kommunen ihr Interesse bekundet hätten. So wollten sich Wettenberg wie auch Pohlheim an dem interkommunalen Gewerbegebiet »Pfaffenpfad« beteiligen. Dies könne im Rahmen eines Zweckverbandes geschehen. Dabei dürfe auch die Stadt Gießen nicht außen vor gelassen werden, denn, so Lenz: »Ohne die Mitarbeit der Stadt Gießen ist das Projekt nicht zu realisieren.«

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