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Gemeinsames Ziel: Mittelzentrum

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Linden/Pohlheim(pm). Die Städte Pohlheim und Linden wollen gemeinsam als Mittelzentrum eingestuft werden. Die Bürgermeister Udo Schöffmann und Jörg König haben dazu eine Stellungnahme an den hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, geschickt. Das teilten die beiden Rathauschefs am Montag gemeinsam mit.

Hintergrund ist die anstehende 4. Änderung des Landesentwicklungsplans Hessen, der weiterhin eine Einstufung der Kommunen als Unter-, Mittel- oder Oberzentrum vorsieht. Damit verbunden sind entsprechende finanzielle Zuwendungen des Landes.

"Aus unserer Sicht müssen wir eine grundsätzliche Kritik daran äußern, dass die Landesregierung ohne überzeugende Begründung an dem Zentrale-Orte-Konzept festhält", schreiben König und Schöffmann. Dieses Konzept sei durch die zunehmende Digitalisierung (Versand- und Onlinehandel) und die wachsende Mobilität nicht mehr zeitgemäß. "Es handelt sich um ein in den 1930er Jahren unter völlig anderen Rahmenbedingungen entwickeltes theoretisches Modell, welches durch vielerlei Entwicklungen in der heutigen Zeit unpraktikabel ist."

Gerade im Vergleich zu den im direkten Umfeld im Landkreis Gießen liegenden Mittelzentren Lich, Laubach, Hungen und Grünberg sei es nicht erklärbar, "wenn wir nicht auch so eingestuft werden", sagt Pohlheims Bürgermeister Schöffmann. Auch sein Lindener Kollege König meint: "Betrachtet man die Lage unserer Kommunen, die vorhandene überörtlich bedeutende Infrastruktur, ist es nicht nachvollziehbar, wieso wir kein Mittelzentrum sein sollen."

In ihrem Schreiben verweisen die Bürgermeister unter anderem auf die Ärztehäuser und Facharztzentren, zahlreiche Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, die Lage an den Autobahnen, das Pohlheimer Hallenbad mit seinem 50-Meter-Wettkampfbecken sowie die Pendlerströme, die den beiden Städten eine hohe Zahl an Arbeitseinpendlern bescheinigten.

Bereits heute bestehe eine enge Kooperation zwischen den beiden Städten. Um die ärztliche Versorgung über Gemeindegrenzen hinweg sicherzustellen, finanzieren Linden und Pohlheim ein gemeinsames Anruf-Linien-Taxi zwischen den Städten, das rege genutzt werde und vor allem der älteren Generation viele Möglichkeiten biete.

Auch im Verwaltungsbereich gebe es eine enge Zusammenarbeit. So existiert seit 2011 eine Gemeinschaftskasse der Kommunen Linden, Fernwald und Pohlheim sowie ein gegenseitiger Austausch von Standesbeamten.

Auch auf Vereinsebene sind Vereine ansässig, die durch ihre überregionalen Aktivitäten einem Mittelzentrum zuzuordnen sind, argumentieren König und Schöffmann. So ist zum Beispiel der Vereinssitz des Regionalligisten FC Gießen in Pohlheim. Im Pfarreienverbund "Am Limes" sind außerdem Pfarreien aus Linden, Pohlheim und Langgöns miteinander verbunden.

"Darüber hinaus sieht man anhand der erst kürzlich auch in der heimischen Presse erläuterten Bertelsmann-Studie und den Demografiezahlen des Landkreises Gießen, dass unsere beiden Städten in den kommenden Jahren zu den am meisten wachsenden Kommunen neben der Stadt Gießen gehören", so König. Das zeige zum einen, "dass wir attraktive Wohn- und Arbeitsorte sind, aber auch, dass unsere Aufgaben in Zukunft noch größer werden".

Bei der Forderung der beiden Städte gehe es nicht darum, mit anderen Kommunen in Konkurrenz zu treten oder ihnen gar ihren derzeitigen Status wegnehmen zu wollen, sagt Schöffmann. "Aber für Städte wie Linden und Pohlheim, die umfassende Infrastrukturen für den gesamten Landkreis und darüber hinaus unterhalten und damit die Funktion eines Mittelzentrums erfüllen, ist die Nichtberücksichtigung dieser Strukturen gleichzusetzen mit einer finanzwirtschaftlichen Benachteiligung."

Es gehe um zusätzlich jährlich verfügbare Mittel in Höhe von netto rund 1,6 Millionen Euro für Pohlheim und rund 1 Million Euro für Linden bei einer Anerkennung als Mittelzentrum. FOTO: PM

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