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Gestalterische Freiheit oder Naturfrevel? Schottergärten waren Gegenstand eines Vortrags beim NABU in Linden. SYMBOLFOTO: DPA

Für mehr Vielfalt

  • VonVolker Heller
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Linden (vh). Schottergärten sind neuerdings häufig zu finden und aktuell vielfach Diskussionsstoff in den politischen Gremien. Dabei ist das Wort ein Paradox, denn ein Garten kann typischerweise gar nicht aus Schotter bestehen. Der Begriff Schotterfläche ist treffender. Diese Gestaltungsform ist aber nicht alleinige Angelegenheit privater Vorgärten, sondern ebenfalls auf öffentlichen Anlagen oder als Randstreifen in Gewerbegebieten zu entdecken.

Beauftragte Betriebe freuen sich wohl, die Natur indes kriegt eins auf die Mütze. Bei der Ortsgruppe Linden des Naturschutzbundes (NABU) jedenfalls läuten die Alarmglocken ob des neuen Trends. Dr. Cornelia Fink, eigentlich Tierärztin, ist nach eigenen Angaben beunruhigt, seitdem sie das Thema als Beobachterin ausgemacht und sich mittels Recherche schlau gemacht hat.

Warum Biodiversität so wichtig ist

Fink referierte jetzt über das Thema »Linden blüht - gemeinsam für mehr Vielfalt«. Dazu hatte die NABU-Gruppe in den Saal des Lindener Hofs eingeladen und zuvor ihre Jahreshauptversammlung abgehalten. Das Zuhörerinteresse war enorm.

Schotterflächen allerdings waren nur ein Bestandteil des Vortrags, denn Fink ist keine Politikerin und entsprechend für oder gegen etwas. Sie zeigte viel mehr detailliert, warum eine Schotterfläche aus Gründen des Naturschutzes und Klimawandels nachteilig ist. Der Vortrag war diesbezüglich didaktisch sehr gescheit und erstreckte sich über die Vorgärten und öffentliche Flächen der Ortslage Lindens hinein in die Feldflur.

Immer stellte Fink den Zusammenhang dar von Lebensraum und Lebewesen und erklärte eindringlich, warum Biodiversität, ein ebenfalls neues Modewort, so wichtig ist. Dabei standen die Insekten an erster Stelle. Und Fink stelle Parallelen her zum internationalen Klimaschutzabkommen. Bereits 1992 sei erstmals eine Konvention über die biologische Vielfalt verfasst worden. Damals wurde diese anlässlich des UN-Gipfel über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro von mehr als 150 Staaten unterzeichnet. Es werde etwas beschlossen und unterzeichnet und nach Jahrzehnten gebe es noch keine spürbare Veränderung. Das Kernproblem seien fehlende Blühpflanzen aller Art, die Unterschlupf und Nahrung für Insekten bieten.

Betroffen sind nicht allein die Bienen, eigentlich alle Insekten und auch Schmetterlinge. Wer hätte nicht einmal von der berühmten Köcherfliegenlarve gehört, die man als Schüler im Biologieunterricht an einem Fließgewässer gesucht hat. Künftige Schülergenerationen suchen vielleicht vergeblich.

Fink informierte, im vergangenen Vierteljahrhundert sei die Biomasse an Fluginsekten um 80 Prozent zurück gegangen. Fuhr man früher paar Autokilometer und hatte die Windschutzscheibe voller Insekten, müsse man heute wohl einmal durch ganz Deutschland fahren für den selben Effekt. Fink erklärte auch den Zusammenhang von Insekten und ihre essenzielle Funktion als Bestäuber und somit Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion.

Naturnahe Gärten, in denen es blüht vom Frühjahr bis in den Spätherbst, sind ideal für die Artenvielfalt. Schotterflächen, zumal mit Folien darunter und gebietsfremden Pflanzen oben drauf, seien für Insekten und Kleinlebewesen der reine Horror. Das Oberflächenwasser rauscht in die Kanalisation und fehlt bei der Grundwasserbildung. Trockenheit nimmt zu. Es gibt nachts keinen Abkühlungseffekt.

Es wurde nach dem Vortrag noch diskutiert, wie man der örtlichen Politik auf die Finger schauen könnte, damit lange vorliegende Erkenntnisse und Forderungen auch praktisch in die Natur kämen.

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