Der Tod des Stadtbrandinspektors Sebastian Weiß (l.) hinterlasse einen "niederschmetternden Schmerz", sagt Lindens Bürgermeister Jörg König (r.).
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Der Tod des Stadtbrandinspektors Sebastian Weiß (l.) hinterlasse einen »niederschmetternden Schmerz«, sagt Lindens Bürgermeister Jörg König (r.).

Tod mit 37 Jahren

»Für die Feuerwehr gelebt« - Weggefährten würdigen verstorbenen Lindener Stadtbrandinspektor

  • vonStefan Schaal
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Nach dem Tod des Stadtbrandinspektors Sebastian Weiß herrschen Trauer und Bestürzung in Linden. Weggefährten erinnern an seine Verdienste.

Im Sommer dieses Jahres erzählte Sebastian Weiß Freunden und Feuerwehrkameraden von seiner schweren Krebserkrankung. Ohne Umschweife. Klar, direkt, unmissverständlich. Wie es eben seine Art war. »Reduziert mich nicht auf meine Krankheit«, sagte er. Er wolle keine Zeit dafür verschwenden zu erklären, wie es ihm gehe.

Am vergangenen Samstag ist Lindens Stadtbrandinspektor gestorben. Im Alter von 37 Jahren. Trauer herrschte am Montag in der Stadt. Hunderte Beileidsbekundungen haben seine Familie und die Lindener Feuerwehren erreicht. Zahllose Menschen äußerten ihre Anteilnahme in Sozialen Medien.

»Ich bin tief bestürzt«, sagte Lindens Bürgermeister Jörg König am gestrigen Montag. Der Tod des Stadtbrandinspektors hinterlasse einen »niederschmetternden Schmerz, ich kann es kaum fassen«. Viele Mitglieder, Einsatzkräfte und Leiter von Feuerwehren im Gießener Land verliehen ihrer Trauer Ausdruck. »Ein unermesslicher Verlust für das Feuerwehrwesen der Stadt Linden und des Landkreises«, erklärten Marco Kirchner und Marco Brück aus Lollar. Als »einen wahren Überzeugungstäter« und »guten Ansprechpartner für den fachlichen Austausch und auch den einen oder anderen Plausch«, beschrieben ihn Kameraden aus Butzbach.

Linden: Trauer nach Tod von Stadtbrandinspektors Sebastian Weiß

Die Vielzahl an Nachrichten gibt einen Hinweis darauf, wie sehr sich Weiß um den Brandschutz und die Verwaltung und Organisation der Feuerwehren in der Region verdient gemacht hat. Es ist kein Zufall, dass Linden die erste Kommune im Kreis Gießen war, die für die Feuerwehren die digitale Alarmierung eingeführt hat. Weiß hatte es in die Wege geleitet. Bereits als Jugendlicher habe er sich ständig insbesondere technisch weitergebildet, habe Lehrgänge absolviert, berichtet Marc Bausch, Lindens stellvertretender Stadtbrandinspektor, der nun kommissarisch die Leitung der Feuerwehren Linden übernimmt. »Es gab keinen mit so einer breiten Expertise wie ihn.«

Weiß legte 2013 sein zweites juristisches Staatsexamen ab und trat eine Stelle im öffentlichen Dienst an. Doch schnell merkte er, dass er sich in diesem Berufsfeld nicht wohl fühlte. Er wechselte zu einer Beratungsfirma mit dem Schwerpunkt kommunale Gefahrenabwehr. Seine Leidenschaft aber war die Feuerwehr. Die Passion war ihm in die Wiege gelegt worden. Zwei seiner Ur-Ur-Großväter hatten im Jahr 1891 die Freiwillige Feuerwehr Großen-Linden gegründet.

Linden: Noch wenige Tage vor seinem Tod setzte er sich für die Feuerwehr ein

Noch wenige Tage vor seinem Tod, er lag zu diesen Zeitpunkt vom Krebs gezeichnet im Krankenhaus, setzte sich Weiß für die Feuerwehr ein. König und Bausch erzählen, dass Weiß im Krankenbett eine Magistratsvorlage formulierte. »Er hat für die Feuerwehr gelebt«, sagt Lindens Bürgermeister. »Die Feuerwehr war für ihn das Leben.«

Die Anschaffung mehrerer Feuerwehrfahrzeuge zählen zu den Verdiensten von Weiß als Stadtbrandinspektor seit 2017, er hat eine Sirenenwarnanlage für das Lindener Stadtgebiet auf den Weg gebracht. Er habe zudem als »verbindendes Glied« zwischen beiden Feuerwehren Lindens agiert, erklärt König.

Auf Kreisebene war Weiß im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung engagiert, beispielsweise im Fachausschuss für Digitalisierung und Verwaltungsvereinfachung. Er habe mit Fachwissen »bis ins kleinste Detail« beeindruckt, erklärt Kreisbrandinspektor Mario Binsch. Allerdings habe er sich Kenntnisse nicht angeeignet, um sich damit selbst einen Vorteil zu verschaffen. »Sondern um sie weiterzugeben.«

Ruhe bewahren, klare Entscheidungen treffen - mit diesen Charakterzügen habe er sich auch bei Feuerwehreinsätzen eingebracht, berichtet der Kreisbrandinspektor. »Er wurde nie emotional, auch nicht in stressvollen Situationen.« Es gebe viele Nörgler und Meckerer, fügt Binsch hinzu. »Sebastian Weiß war immer auf Lösungen aus.«

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