Kohlendioxid

Forschung in Linden bestätigte katastrophale Folgen des Kohlendioxidausstoßes

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  • Patrick Dehnhardt
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Noch immer steigt der CO²-Ausstoß. Welche Folgen dies 2050 haben wird, untersucht die Universität Gießen seit 20 Jahren in einer speziellen Anlage in Leihgestern.

In Linden erforscht die Justus-Liebig-Universität seit 20 Jahren in einem Projekt, wie sich Kohlendioxid auf das Pflanzenwachstum auswirkt. Der Grund: In Laboren waren Pflanzen, die unter stärkeren Kohlendioxidkonzentrationen großgezogen wurden, besser gewachsen. Da jedoch dort Idealbedingungen herrschen, wollte man überprüfen, ob sich die Ergebnisse auch auf das Freiland – also den natürlichen Lebensraum der Pflanzen – übertragen lassen.

Mit einem ausgeklügelten System wird nun seit 20 Jahren beim FACE-Projekt ein Stück Wiese bei Leihgestern mit einer höheren Kohlendioxidkonzentration versorgt. Über Röhren wird das Gas auf die Wiese gepumpt. Windmesser steuern die Anlage, damit die Konzentration auch bei Wind bei 20 Prozent über dem Normalwert bleibt. "Diese Langzeituntersuchungen geben mehr Informationen, da die Ökosysteme erst langfristig reagieren", sagt Gerald Moser, Biologe von der Justus-Liebig-Universität. Die Anlage in Linden ist unter denen mit der längsten Laufzeit weltweit.

Kaum positive Effekte

Wie wichtig es ist, dass man über Jahrzehnte beobachtet, beweisen die Ergebnisse. Im Vergleich zum Labor fiel der Wachstumsschub im Freiland durch die erhöhte CO²-Menge geringer aus: Lediglich zwölf bis 13 Prozent mehr wurden festgestellt – und dies nur bei guten Wetterbedingungen. Wurde es nass oder kalt, verschwand die Wirkung auf das Pflanzenwachstum.

Nun könnte man vermuten, dass wenn die Pflanzen stärker wachsen, sie mehr CO² einbauen. Dadurch könnte die Natur quasi selbst den Klimawandel abmildern – so die Theorie. Im Experiment in Leihgestern bestätigte sich dies nicht. Im Gegenteil: Die erhöhte Kohlendioxidkonzentration hatte sogar negative Auswirkungen auf die Abgabe weiterer Klimagase.

Gefährliche Klimagase treten aus

Nicht nur, dass sich über die Jahre hinweg immer mehr Kräuter verschwanden, der Futterwert des Grases damit sank, wirkte das CO² auch im Boden. Es regt mikrobiotische Prozesse an, bei denen Lachgas entsteht. Und dieses hat es trotz des netten Namens in sich: Es ist rund 300fach klimawirksamer als Kohlendioxid. Der Effekt auf den Klimawandel wird also nicht abgemildert, sondern deutlich verstärkt. Zudem nimmt der Boden weniger Methan auf. Wie stark eine Fläche Treibhausgase aufnimmt, hängt allerdings auch von der Auswahl der Pflanzen und Feldfrüchte sowie der Art der Bodenbearbeitung ab.

Die steigenden Lachgasemissionen ließen sich im Experiment übrigens erst nach einigen Jahren feststellen. "Ökosysteme reagieren langfristig", sagte Moser. "Daher liefern diese Langzeituntersuchungen mehr Informationen."

Was auf der Wiese bei Linden noch ein Experiment ist, könnte bald weltweiter Alltag werden: 20 Prozent mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre – diese Konzentration wird bei der derzeitigen Entwicklung bereits für 2040 bis 2050 erwartet.

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