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Norbert Arnold

»Es wird einfach Zeit, zu gehen«

  • VonConstantin Hoppe
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Linden (con). Nach 30 Jahren an der Spitze des CDU-Stadtverbands Linden endete am Freitagabend eine Ära: Der erste Vorsitzende Norbert Arnold stand für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Im Interview spricht der scheidende Vorsitzende über die Entwicklung des CDU-Stadtverbandes in den letzten Jahrzehnten und die erreichten Ziele während seiner Zeit im Vorstand und seine Wünsche für die Zukunft.

Herr Arnold, 30 Jahre Vorsitzender des CDU Stadtverbands sind eine lange Zeit. Fiel Ihnen der Schritt schwer, nicht mehr für den Posten bereitzustehen?

Nein, überhaupt nicht. Der amerikanische Präsident darf nur zweimal wiedergewählt werden - das war bei mir schon deutlich öfter. Ich habe meinen Posten bereits mehrfach zur Neubesetzung angeboten, aber bislang wollte niemand ran. Ich bin jetzt 30 Jahre in dieser Position, es wird jetzt einfach Zeit, zu gehen und die jüngeren heranzulassen. Außerdem bin ich Mitglied im Kreistag - jetzt im Alter von 67 Jahren mit einer schönen, neuen Aufgabe zu beginnen ist genug zu tun.

Eine neue Position im Vorstand kommt nicht in Frage?

Auf keinen Fall. Wenn ich weiter im Vorstand tätig wäre, würde ich vermutlich versuchen, dem neuen Vorsitzenden reinzureden. Das wäre ja nicht der Sinn der Sache und das will ich auch nicht. Es ist jetzt gut.

Wie kam es denn damals zu Ihrer Kandidatur für den Vorsitz?

Das lag an dem leider viel zu früh verstorbenen Jürgen Bausch. Damals kam ich gerade aus Frankfurt zurück nach Linden. Ich hatte gerade sechs Jahre als Schatzmeister im Landesverband der Jungen Union Hessen und fünf Jahre als Geschäftsführer der Frankfurter CDU hinter mir. Jürgen Bausch überredete mich dann dazu, den Vorsitz in Linden zu übernehmen.

In den 30 Jahren hat sich einiges getan. Wie haben sie die Entwicklung des Stadtverbandes wahrgenommen?

Wir werden heute ganz anders wahrgenommen. Als ich 1972 in die Partei eintrat, tagte die CDU in Großen-Linden im Hinterzimmer einer Kneipe und Prospekte wurde möglichst bei Nacht verteilt - um nicht gesehen zu werden. Heute stellen wir die stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und seit mittlerweile 44 Jahren den Bürgermeister. Vor zehn Jahren hätten wir sogar beinahe 50 Prozent der Stimmen geholt. Die CDU hat heute einen festen Platz in Linden.

Haben Sie mit dem Verband etwas erreicht, auf das Sie persönlich stolz sind?

Wenn es etwas gibt, dann die »CDU vor Ort«-Angebote. Die Reihe habe ich vor 30 Jahren eingeführt und sie ist gewissermaßen mein Kind. In den Jahren danach hat sich ein großes Interesse in der Bevölkerung dafür entwickelt. Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, als das Alten- und Pflegeheim in Leihgestern neu gebaut wurde. Damals trafen wir uns zu einem Termin und plötzlich standen 50 Leute um die Baustelle herum und wollten Fragen um die Kosten der Pflegeplätze stellen - das ist mittlerweile auch schon wieder über 20 Jahre her.

Gab es auch innerhalb des Stadtverbandes Veränderungen?

Ja, natürlich. Wir haben es immer wieder geschafft uns personell neu aufzustellen. Der Verband hat sich auch für Nichtmitglieder geöffnet und immer wieder haben wir bei Wahlen Personen auf unserer Liste, die keine CDU-Mitglieder sind. Gleichzeitig konnten wir aber auch eine gewisse Kontinuität aufrecht erhalten. In meinen gesamten 30 Jahren als Vorsitzender des Stadtverbandes habe ich nur zwei Bürgermeister und vier Stadtverordnetenvorsteher erlebt. Ganz sicher ist das auch für unseren Erfolg in Linden wichtig.

Und der politische Nachwuchs?

Wie alle Verbände und Vereine haben wir natürlich auch mit dem Mitgliederschwund zu kämpfen. Aber wir haben es in all den Jahren geschafft, stark zu bleiben. Als ich vor 30 Jahren den Vorstand übernahm, zählte unser Stadtverband 148 Mitglieder. Heute sind es 122. Das ist ein minus von 18 Prozent. Auch wenn das 18 Prozent zu viel sind, in der gleichen Zeit hat die CDU auf Bundesebene 50 Prozent ihrer Mitglieder verloren und die SPD noch etwas mehr. Sogar im vergangenen Jahr konnten wir trotz Corona unsere Mitgliedszahlen leicht erhöhen. Das konnten wir nur schaffen, indem wir auch immer wieder junge Leute von uns überzeugen konnten, Ich hoffe, dass das auch in Zukunft klappt.

Jetzt wo ihre Zeit im Vorstand beendet ist, haben sie da noch einen Ratschlag für Ihren Nachfolger?

Ich bin niemand, der hierzu mit Ratschlägen oder Tipps um mich wirft. Aber der neue Vorsitzende sollte immer authentisch bleiben und seinen eigenen Weg finden. Das ist der beste Weg, den man einschlagen kann. Die Leute müssen wissen, für was man steht. Das gilt sowohl im Verband als auch der Politik. FOTO: SE

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