Für eine Handvoll Pfennige

Der blaue Dunst und die Zigarrenfabriken prägten in den beiden vergangenen Jahrhunderten auch Großen-Linden mit. Um dieses Thema drehte sich am Dienstagabend der Vortrag von Helmut Faber beim Monatstreffen des Heimatkundlichen Arbeitskreis Großen-Linden.

Der blaue Dunst und die Zigarrenfabriken prägten in den beiden vergangenen Jahrhunderten auch Großen-Linden mit. Um dieses Thema drehte sich am Dienstagabend der Vortrag von Helmut Faber beim Monatstreffen des Heimatkundlichen Arbeitskreis Großen-Linden.

1912 gab es in Großen-Linden fünf Zigarrenfabriken: Wagner+Volk in der Alte Heerstraße, Hambach und Co. vermutlich in der Bahnhofstraße, L.Menges in der Frankfurter Straße 34, Justus Formhals in der Frankfurter Straße 85 und Rinn&Cloos.

Aber nicht nur Großen-Linden, sondern die ganze Region war in der Verarbeitung des Tabaks involviert: Tausende Beschäftigte, vor allem Frauen, fertigten Zigarren. Die Rohstoffe kamen dabei zumeist aus Brasilien und wurden hier weiterverarbeitet. Es gab jedoch auch Tabak, der direkt hier angebaut wurde – wenn auch meist von minderer Qualität.

Tagesverdienst 1,50 Mark

Teilweise saßen die Zigarrenmacherinnen noch in Hüttenberger Tracht an den Arbeitstischen und fertigten die Zigarren, rund zehn Stunden am Tag plus zwei Stunden Pause. Danach stand für die Frauen meist noch die Haushaltsarbeiten und die Versorgung der Kinder an. Viel verdient haben sie dabei nicht – 90 bis 111 Pfennige pro Tag bekamen die Zigarrenroller um 1850 – für die Wickelmacher waren es 36 Pfennig pro Tag. Um 1900 verdienten beide dann durchschnittlich um 1,50 Mark pro Tag. Zum Ernähren einer Familie reichte das nicht, allerdings waren das Pfennige, dass die Familien bitter nötig hatten. Viele Frauen arbeiteten zudem in Heimarbeit, holten morgens die Grundstoffe und fertigten dann die Zigarren Zu Hause. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Tabakproduktion dann stetig zurück – auch hier trafen die Entlassungen vor allem die Frauen.

Der zweite Teil des Treffens beschäftigte sich mit einem aktuellen Jubiläum: Im 140. Jubiläumsjahr des Gesangvereins "Germania" zeigte Faber Aufnahmen früherer Jubiläumsfeiern – auch wenn auf den Aufnahmen um das Jahr 1900 herum kaum noch jemand von den Besuchern wiedererkannt werden konnte. Zudem konnte Faber hier auch wieder einen Film der ehemaligen Gruppe CINAG 65 vorführen: Diese hatten zum 100. Geburtstag des Gesangvereins einen Film gedreht: "Vom Weckruf am Sonntagmorgen bis zum Frühschoppen".

Bis zum nächsten Treffen des Arbeitskreises wird es jetzt wieder dauern: Am 16. Oktober wird Dr. Siegfried Gosse zum Thema "Begegnungen miteinander von Alt und Jung" referieren. Am 20. November wird Helmut Faber Geschichtliches aus Großen-Linden präsentieren, unter anderem die Erinnerungen an Gendarm Engel, die Werner Reusch in seinem Buch "Flugplatz Kirch-Göns, Ayerskaserne, Magna Park" berichtete.

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