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Moos

Nach eigenem Tod Leben retten

In Deutschland warten 9000 auf Organspende

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Linden (con). Organspende - es ist ein Thema, mit dem sich nur die wenigsten beschäftigen wollen. Denn wer denkt schon gerne an seinen eigenen Tod? Trotzdem sollte man sich für dieses Thema Zeit nehmen, denn es kann darum gehen, andere Leben zu retten. "Rund zwei Drittel aller Menschen haben nie vorher über dieses Thema gesprochen", sagte Sabine Moos, Fachärztin für Innere Medizin und Transplantationsbeauftragte der Uniklinik Gießen. Sie sprach nun in der Gaststätte "Zum Kronenwirt" in Großen-Linden. Hierhin hatten die SPD-Ortsvereine aus Linden, Pohlheim und Langgöns zu einem Themenabend "Organspende" eingeladen.

Wie läuft eine Organentnahme ab, ab wann gilt ein potentieller Spender als Hirntod und kommt jeder für eine Spende in Frage? All das waren Fragen, die Moos erläuterte. Wenn man sich manche Arztserie anschaut, könnte man den Eindruck erhalten, Patienten würden direkt von der Unfallstelle zur Organentnahme geschickt. Das ist aber nicht so. "Zuerst muss der Hirntod eines Patienten festgestellt werden und für die entsprechenden Untersuchungen muss der Patient so gut wie möglich stabilisiert sein", berichtete Moos. "Nach der Feststellung des Hirntodes wird die Untersuchung dann noch einmal zwölf Stunden später wiederholt - und das immer von zwei Ärzten. Erst dann kommt eine Organspende in Frage." Im Fall von Kindern ist dieser Zeitraum noch länger, da sich das kindliche Gehirn besser von Schäden erholen kann, als das von Erwachsenen. Man muss also nicht fürchten, dass ein Organspendeausweis bedeutet, es würde nicht alles mögliche für einen getan, nur um an ein Spenderorgan zu kommen.

Über 9000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. Wenn man Personen kennenlernt, die ein Spenderorgan brauchen, gebe es zwei Bilder, sagte Moos: Die Person, die unsicher darauf wartet ein neues Organ zu erhalten und meist schwer gezeichnet ist, und dieselbe Person, die nachdem sie das benötigte Organ erhalten hat wieder hoffnungsvoll und meist deutlich fitter in die Zukunft schreitet. "Ich bin nicht der Meinung, dass jeder Mensch ein Organ spenden muss", sagte Moos. "Aber jeder sollte sich Gedanken darüber machen." Das Alter spielt im übrigen keine Rolle: Im Gegensatz beispielsweise zur Blutspende ist es egal, wie alt ein Spender ist - wichtig ist alleine die Organfunktion. (Foto: con)

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